FC Bayern vor CL-Showdown gegen PSG: Comeback-Plan setzt auf "Alarmglocken"

München - 2:0, 3:1, 4:3, 5:4: Schon der Blick auf die Ergebnisse für ein Weiterkommen offenbart den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe des FC Bayern München in der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Kann das ohne Robert Lewandowski (32) glücken? Gegen Kylian Mbappé (22) und Neymar (29)? Ein Routinier glaubt an das kleine Wunder!

Alle Mühen waren letztlich vergebens: Für Thomas Müller (31, l.) und den FC Bayern München setzte es im CL-Hinspiel gegen PSG eine Niederlage.
Alle Mühen waren letztlich vergebens: Für Thomas Müller (31, l.) und den FC Bayern München setzte es im CL-Hinspiel gegen PSG eine Niederlage.  © Sven Hoppe/dpa

Die neuen Bilder eines joggenden Lewandowski im Schneetreiben in München schreckten PSG gewaltig auf. Doch die Befürchtungen der französischen Fans erfüllen sich ebenso wie die Sehnsüchte der Bayern-Anhänger nach einem Blitz-Comeback des Torjägers nicht, wie Hansi Flick (56) auf die doch recht besorgte Nachfrage eines Reporters verriet.

Er könne die Abwesenheit des schon beim 2:3 des FC Bayern gegen PSG im Hinspiel der Champions League schmerzlich vermissten Weltfußballers auch für Dienstag (21 Uhr, Sky) "zu hundert Prozent bestätigen", sagte der Trainer des Rekordmeisters.

An eine magische Nacht im Pariser Prinzenpark in der so prestigeträchtigen Königsklasse glauben sie beim derzeit wankenden Titelverteidiger mitten im störenden Dauerzwist zwischen Coach Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) trotzdem.

"Für solche Spiele ist man bei Bayern München! Wir müssen genau so eine Effizienz vorm Tor haben, wie Paris sie bei uns in München hatte. Dann bin ich guter Dinge", sagte Flick am Montag hoffnungsfroh.

Und Thomas Müller (31), mit stolzen 48 Treffern der Mann mit der besten Münchner Königsklassen-Quote hinter Lewandowski (73 Tore), präsentierte sich im feinen Ausgehanzug mit Krawatte voller Kampfeslust und Zuversicht.

FC Bayern München zu Gast bei Paris Saint-Germain: Ritt auf der Rasierklinge in der Champions League

Robert Lewandowski (32) wird dem FC Bayern München weiter fehlen - und Trainer Hansi Flick (56) hat noch weitere Fragezeichen zu bewerten.
Robert Lewandowski (32) wird dem FC Bayern München weiter fehlen - und Trainer Hansi Flick (56) hat noch weitere Fragezeichen zu bewerten.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

"Ich bin aktuell noch sehr überzeugt", sagte er zum kleinen Wunder an der Seine: "Klar, nicht idiotisch überzeugt und überheblich, dass das alles ganz locker-flockig von der Hand geht und wir das nur abarbeiten müssen. Nein, das wird ein ganz, ganz enges Ding", sagte Müller voller Entschlossenheit und schob sofort nach: "Ein Riesenspiel steht an!"

Auch wenn die lange Ausfallliste von Lewandowski über Serge Gnabry (25) bis zu Niklas Süle (25) sowie Fitness-Fragezeichen hinter Leon Goretzka (26, Zerrung) und Lucas Hernández (25, Rippenprellung) die Aufholjagd arg kompliziert gestaltet, würden seine Spieler "alles reinhauen", um das Halbfinale gegen Manchester City oder Borussia Dortmund doch noch irgendwie zu erreichen, versprach Flick.

Müller versicherte, dass der Knatsch um Trainer und Sportvorstand im 100. K.o.-Spiel der Bayern in Europas Königsklasse weder ablenken noch auf irgendeine Art belasten werde. "Davon lassen wir uns die Vorfreude auf dieses Highlight nicht nehmen", sagte der 31 Jahre alte Vize-Kapitän.

Doch wie muss das Spiel ausgehen?

2:0, 3:1, 4:3, 5:4 ... schon der Blick auf mögliche Ergebnisse für ein Weiterkommen offenbart jedoch, welches Kunststück die Bayern im Pariser Stadion, das am Montag unter einem weiß-blauen Himmel lag, vollbringen müssen. Es wird ein Ritt auf der oftmals angeführten Rasierklinge, mit der richtigen "Risikoabwägung" - laut Müller - in Offensive und Defensive der Roten.

"Wir werden nicht fünf Stürmer aufbieten und von Anfang an mit der Brechstange agieren", kündigte Müller an und erklärte deutlich: "Die Schlüsselmomente wollen wir auf unserer Seite haben. Aber man kann sie nicht planen."

Viertelfinal-Knockout des FC Bayern München gegen PSG mit Auswirkungen für Trainer Hansi Flick?

Hansi Flick (56) will mit dem FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain am Dienstagabend ein kleines Wunder vollbringen.
Hansi Flick (56) will mit dem FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain am Dienstagabend ein kleines Wunder vollbringen.  © Andreas Gebert/Reuters-Pool/dpa

Das letztlich völlig unnötige Hinspiel-2:3 lastet bleischwer auf den Münchnern. Mindestens zwei Tore müssen her. Mehr Entschlossenheit im Strafraum fordert Flick. Zwei Tore reichen aber nur, wenn Manuel Neuer nach seinem Hinspiel-Patzer beim ersten Treffer von PSG-Supermann Mbappé wieder überirdisch hält wie im Finale 2020.

Diesmal müssen die Pariser Offensivkünstler um Mbappé und Neymar gestoppt werden.

"Jeder Spieler muss in diesem Spiel zu einem Leader werden", forderte Juniorchef Joshua Kimmich (26). Immerhin weckten Hernández und Goretzka am Montag beim Abschlusstraining Hoffnungen, dass sie auflaufen können.

Auch die angeschlagenen Kingsley Coman (24), Jérôme Boateng (32) und Jamal Musiala (18) waren noch vor dem Flug nach Paris auf dem Platz aktiv.

"So einfach ist es nicht", sagte Flick dennoch zum anstehenden Aufstellungspuzzle am Dienstag.

Entscheidend könnte sein, ob es den Bayern gelingt, das Kopfkino bei den Pariser Stars einzuschalten. Sie sollen sich an 2019 erinnern, als sie im Achtelfinale gegen Manchester United nach einem 2:0 in England zu Hause 1:3 verloren und rausflogen. "Wenn wir in Führung sein sollten, 1:0, 2:1, 3:2, ist es ganz menschlich, dass beim Gegner die Alarmglocken losgehen. Etwas zu verlieren, ist für den Menschen immer ganz schlimm. Das wollen wir erzwingen", erklärte Müller vor dem CL-Showdown.

Klar ist: Ein Viertelfinal-Knockout würde in München die Zukunftsfragen und darüber hinaus natürlich auch die interne Zerreißprobe um Flick und Salihamidzic noch mehr in den Fokus rücken und bei Müller und Co. extremen Frust auslösen.

"Für uns wäre ein Erfolg enorm wichtig. Wir arbeiten auf das Ziel der Titelverteidigung seit September hin", bemerkte Müller. Gerade auswärts sind die Bayern freilich eine Macht und inzwischen seit 17 Partien (13 Siege, vier Unentschieden) unbesiegt. Die letzte Niederlage gab es aber ausgerechnet im Prinzenpark: Das 0:3 gegen PSG am 27. September des Jahres 2017 kostete Trainer Carlo Ancelotti (61) den Job. Es war jedoch auch eine andere Situation.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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