Karl-Heinz Rummenigge feiert seinen 65. Geburtstag: Finale FCB-Agenda und Leben danach

München - Karl-Heinz Rummenigge (65) biegt auf die Zielgerade beim FC Bayern München ein. In 15 Monaten ist Schluss als Boss. Zum Geburtstag nennt er die Themen für den Endspurt, der trotz des Triples im Krisenmodus stattfindet.

Karl-Heinz Rummenigge (65) biegt auf die Zielgerade beim FC Bayern München ein. In 15 Monaten ist Schluss als Boss.
Karl-Heinz Rummenigge (65) biegt auf die Zielgerade beim FC Bayern München ein. In 15 Monaten ist Schluss als Boss.  © Roland Weihrauch/dpa

Aus seinem Chef-Büro auf der Vorstandsetage genießt Rummenigge einen exklusiven Blick auf die Trainingsplätze des deutschen Rekordmeisters. 

Vom zweiten Stock des Gebäudes aus kann der Vorstandsvorsitzende immer wieder mal einen Blick darauf werfen, wie Hansi Flick (55) auf dem Platz mit Stars wie Robert Lewandowski (32) arbeitet. 

Doch demnächst ist damit Schluss. Denn die Deadline Rummenigges steht - unwiderruflich. Am 31. Dezember 2021 will er beim Triple-Sieger "den Staffelstab" an Oliver Kahn (51) weitergeben. 

So ist es vereinbart - und an dieser persönlichen Lebensplanung werde er keinesfalls rütteln, wie Rummenigge der Deutschen Presse-Agentur zum 65. Geburtstag an diesem Freitag erneut sagte.

Mit dann bereits 66 Jahren soll für den gebürtigen Westfalen das Leben nach dem Fußball anfangen. Mit München als Lebensmittelpunkt und mehr Zeit mit Ehefrau Martina auf seiner Lieblingsinsel Sylt. 

Einen Plan B, ein entsprechendes Hintertürchen nach Auslaufen seines aktuellen Vertrages, schließt der ehemalige Nationalspieler aus, unabhängig auch vom weiteren Verlauf der Corona-Krise und den Auswirkungen auf den Bundesliga-Krösus: "Es gibt kein anderes Szenarium, das ich im Hinterkopf habe, übrigens auch nicht, um meine Tätigkeit vorher zu beenden", sagt Rummenigge.

Karl-Heinz Rummenigge: Seriosität als oberstes Gebot im Fußball-Business

Karl-Heinz Rummenigge (65) betreibt das Business als Boss des FC Bayern München rational - und nicht aus der Emotion heraus.
Karl-Heinz Rummenigge (65) betreibt das Business als Boss des FC Bayern München rational - und nicht aus der Emotion heraus.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/Pool/dpa

Rummenigge betreibt das Fußball-Business rational - und nicht aus der Emotion heraus. Seriös ist ein Wort, das er gerne gebraucht. Dazu würde ein klarer Schnitt passen. "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich für unersetzlich halten. Es ist Teil des Lebens, dass man irgendwann loslassen muss und den Nachfolgern Vertrauen schenkt."

Rummenigges Abschied wird trotzdem eine klare Zäsur bei Deutschlands Top-Klub darstellen. 

Vereinspatron Uli Hoeneß (68) hat sich vor zehn Monaten aus der ersten Reihe zurückgezogen, auch wenn der 68-Jährige noch weiter im Aufsichtsrat mitmischt. Dann geht das andere Alphatier, das den Verein zuvor gleich über Jahrzehnte prägte. 

Rummenigge schwebt keine Zukunft in "irgendeinem Gremium" beim FC Bayern München vor, erst recht kein Posten bei DFB, DFL oder im internationalen Fußball. "Ich bin völlig ungeeignet für ein Amt in einem Verband", sagt er deutlich.

20 Jahre wird Rummenigge den Vorstand der FC Bayern AG beim Rückzug angeführt haben. 

Es war und ist meistens ein Job auf der Sonnenseite. "Klar, wir hatten hier auch mal ein Jahr, in dem wir etwas säuerlich am Tisch saßen. Aber wir sind beim FC Bayern doch seit 50 Jahren von der Muse des Erfolges geküsst", bilanziert er.

Einen "konkreten Plan", was er ab 1. Januar 2022 machen werde, habe er nicht. "Aber ich habe auch keine Angst davor", betont der Mann, der sein ganzes Berufsleben als Spieler, als Vizepräsident und seit 2002 als Vorstandsboss "Knecht" eines engen Terminplans war. "Was mir abgehen wird, ist die innere Nervosität im Stadion bei den Spielen." Er will weiter regelmäßig als Fan auf der Tribüne sitzen, aber muss dann nicht mehr über Konsequenzen nachdenken.

FC Bayern München: Karl-Heinz Rummenigge noch im Machtzentrum

Karl-Heinz Rummenigge (65) hat allen Grund, mit Stolz auf seine bisherigen Leistungen zurückzublicken.
Karl-Heinz Rummenigge (65) hat allen Grund, mit Stolz auf seine bisherigen Leistungen zurückzublicken.  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern München/dpa

Bevor Rummenigge das Machtzentrum an der Säbener Straße räumt, will er noch drei zentrale Themen anpacken. "Ein großes persönliches Anliegen" sei ihm das weitere Einarbeiten von Ex-Keeper Kahn. Der Übergang soll "nahtlos" gelingen. 

Seit Jahresbeginn gehört Kahn dem inzwischen sechsköpfigen Vorstand an. Rummenigge ist vom ehemaligen Bayern-Kapitän, der "Fußball-Know-how" besitze und sich nach der Karriere wichtiges Wissen um Finanzen und Marketing angeeignet habe, klar überzeugt: "Ich habe keine Bedenken, dass er ein guter Vorstandsvorsitzender wird." 

Zusammen mit Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer (66), Hoeneß' Nachfolger als Präsident, soll Kahn nach der Übernahme des Amts "die Fahne Bayern München weiterhin im positiven Sinne hochhalten".

Hainer wiederum würde Rummenigge auch nach dem Führungswechsel gerne weiter einbinden: "Natürlich wollen wir von seinem Wissen und seiner Erfahrung auch in Zukunft profitieren." Aber es muss und wird auch eine Neuausrichtung mit Kahn als neuem Oberboss geben. Rummenigge gefallen die Strategiegespräche, die er mit dem einstigen Torwart-Titan führt. 

Digitalisierung ist ein großes Zukunftsthema - auch an der Säbener Straße: "Wir müssen uns als FC Bayern dieser Welt da draußen, die sich so rasant verändert wie nie zuvor, stellen."

Ein anderer Punkt auf der Agenda lautet, sportlich in der Spur zu bleiben. Es gelte, den großen Erfolg des Triple-Gewinns "so zu konservieren, damit es auch im Jahr 2021 wieder etwas zu feiern gibt". Eine Schlüsselrolle spielt dabei Trainer Flick, den Rummenigge als "Glücksfall für den FC Bayern" bezeichnet. "Ich habe es noch nicht erlebt, dass wirklich alle Spieler so hinter einer Philosophie standen. Es ist eine große Leistung, dass Hansi den Charakter der Mannschaft nachhaltig positiv beeinflusst hat. Es gilt bei uns der alte Herberger-Satz: Einer für alle, alle für einen."

Die Corona-Krise nennt Rummenigge als dritte große Aufgabe. Das Virus sorgt seit dem Frühjahr für für einen permanenten Krisenmodus in den Büros und Konferenzräumen in der Bayern-Zentrale. "Diese Situation müssen wir managen, um wie in der zurückliegenden Saison finanziell mit einem blauen Auge davonzukommen", sagt der Vorstandschef. Da habe der finanzielle Verlust in zweistelliger Millionenhöhe gelegen. Rummenigge prophezeit, dass die "Schmerzen für den gesamten Fußball in Europa" in dieser Spielzeit sogar noch heftiger werden könnten.

Titelfoto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern München/dpa

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