FC Bayern zeigt, "wo es langgeht"! Nagelsmanns Meilenstein gegen den FC Barcelona

München/Barcelona (Spanien) - Erst das 4:1 in Leipzig, dann ein verdientes 3:0 in Barcelona: Der FC Bayern München setzt in direkter Abfolge national und international zwei wichtige "Ausrufezeichen". Julian Nagelsmann (34) benötigt keine 100 Tage, um die vielen hochdekorierten "Weltstars" für sich einzunehmen. Die Favoritenrolle in Europa? Na klar, gerne!

Robert Lewandowski (33, l.) und der FC Bayern München haben in kurzer Zeit zwei Ausrufezeichen in Bundesliga und Champions League gesetzt.
Robert Lewandowski (33, l.) und der FC Bayern München haben in kurzer Zeit zwei Ausrufezeichen in Bundesliga und Champions League gesetzt.  © Sven Hoppe/dpa

Nagelsmann saß als junger, kraftvoller Eroberer in Barcelonas Heiligtum Camp Nou und übertönte bei der Hymne auf "Weltstars" wie Robert Lewandowski (33) und Thomas Müller (31) oder seine pure Lust am Job auch das laute Knattern der Rasenmäher.

Auf das mächtige 3:0-Statement bei seiner Premiere in der Champions League auf der Münchner Bank gegen einen ohne die Magie eines Lionel Messi (34) nahezu auf Zwergengröße geschrumpften FC Barcelona wollte sich der 34-Jährige sogar "ein kleines Schlückchen" im Teamhotel genehmigen.

Zwei Machtdemonstrationen innerhalb von drei Tagen in Liga und Königsklasse lassen deutlich erahnen, dass die noch frische Beziehung zwischen dem im Profibereich bislang titellosen Nagelsmann mit den hochdekorierten Münchner Fußball-Assen schnell ein lange währendes Glück finden könnte.

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Der gebürtige Bayer druckste kein bisschen herum, als die unvermeidliche Frage nach einer Münchner (Mit-)Favoritenrolle in der Königsklasse aufploppte. "Wenn wir uns weiterentwickeln, sind wir einer der Favoriten. Wir probieren es auf jeden Fall, einer zu sein", sagte Nagelsmann erfrischend offen(siv).

Es war der Kapitän, der am Ende der ersten Auslandsreise der Saison das 4:1 in der Bundesliga gegen RB Leipzig und das reife 3:0 bei Barcelona auf eine höhere Ebene hob. "Es ist superwichtig für uns, in so einem Klassiker so eine Dominanz auszustrahlen", sagte Manuel Neuer (35): "In Leipzig haben wir einer großen Mannschaft in Deutschland gezeigt, wo es langgeht - und jetzt haben wir international mit dem tollen Start gegen Barcelona ein Ausrufezeichen gesetzt."

Sieg des FC Bayern München gegen FC Barcelona für jungen Trainer Julian Nagelsmann sehr wichtig

Der deutliche und überaus verdiente Sieg des FC Bayern München gegen den FC Barcelona für jungen Trainer Julian Nagelsmann (34) sehr wichtig.
Der deutliche und überaus verdiente Sieg des FC Bayern München gegen den FC Barcelona für jungen Trainer Julian Nagelsmann (34) sehr wichtig.  © Sven Hoppe/dpa

Nagelsmann muss die obligatorische 100-Tage-Frist zur Einarbeitung gar nicht ausreizen, um bei Deutschlands Topklub erste Akzente zu setzen und die vielen Topspieler für sich und seine Fähigkeiten als Fußballlehrer und Bayern-Chef einzunehmen.

Die europäische Startnacht war für den Trainer ein Meilenstein. "Ich bin unglaublich froh. Es war für mich auch spannend, wie es ist, mit Weltstars zusammenzuarbeiten", erklärte Nagelsmann, dessen Leitfiguren im Dress des FC Bayern wie Torwart Neuer, Torjäger Lewandowski und auch Wortführer Müller älter oder fast so alt sind wie er.

"Die Tendenz ist sehr gut. Es wird von Spiel zu Spiel besser", sagte Joshua Kimmich (26) zur Symbiose zwischen dem ehrgeizigen Coach und den ewig hungrigen Münchner Profis. Nur 13 Monate nach dem letztlich historischen 8:2-Schützenfest von Lissabon des Meisters bestätigten die Bayern den Klassenunterschied zum Barca der Gegenwart.

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"Dieses Barcelona ist Lichtjahre entfernt von Bayern", schrieb El Mundo (Spanien) entsetzt. "Bayern malträtiert Barça. Das erste Spiel der Gruppe bestätigt, dass zwischen den beiden Teams derzeit eine Kluft herrscht" befand Italiens Gazzetta dello Sport.

"Hier zu spielen macht einfach richtig Spaß. Und die Jungs haben es genossen", sagte Müller nach dem "ganz wichtigen Signal" an alle in Europa. Wie beim 8:2 legte Müller wieder mit dem 1:0 den Grundstein. Lewandowski traf zweifach.

Julian Nagelsmann lobt nach Sieg gegen FC Barcelona die Defensivabteilung des FC Bayern München

Julian Nagelsmann (34) lobte neben den Angreifern auch die Arbeitstiere in der Defensive des FC Bayern München - wie etwa Dayot Upamecano (22).
Julian Nagelsmann (34) lobte neben den Angreifern auch die Arbeitstiere in der Defensive des FC Bayern München - wie etwa Dayot Upamecano (22).  © Sven Hoppe/dpa

"Thomas ist wie ein spielender Co-Trainer und hat gar keine Allüren", rühmte Nagelsmann Vorarbeiter Müller. Und Weltfußballer Lewandowski habe eine Gier nach Toren, die den Trainer staunen und schwärmen lässt: "Er hört nicht auf. Das ist schon ein Charakterzug. Es kommt nicht von ungefähr, dass er so viele Tore schießt", sagte Nagelsmann.

Nach sechs Saison-Pflichtspielen sind es schon wieder neun. "Sein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, Profisportler zu sein. Deswegen ist er mit dieser Konstanz unterwegs", so Nagelsmann.

Lewandowski steht nun bei 75 Champions-League-Toren, Müller kratzt mit 49 an der Fünfziger-Marke. "Wir sind glücklich, aber wir wissen natürlich, dass wir schon noch was zu arbeiten haben", sagte Müller über den polnischen Mitspieler - und meinte damit in erster Linie nicht die individuelle Torquote.

Nagelsmann vergaß nicht, neben den Angreifern auch die Arbeitstiere in der Defensive zu würdigen, etwa den mit ihm aus Leipzig gekommenen 42-Millionen-Euro-Import Dayot Upamecano (22).

Der Franzose verteidigte im Camp Nou mit Ausstrahlung und Hingabe. Nagelsmann formulierte eine klare Stellenbeschreibung für Abwehrspieler. Diese müssten "gewillt sein, alles dafür zu tun, dass wir kein Tor kriegen. Mir ist wichtig, dass wir diese Gier haben, die Stürmer vom Gegner aufzufressen." Er weiß, dass Trainer des FC Bayern München zu sein, etwas Größeres ist als in Hoffenheim oder Leipzig. Darum drängte er bei RB so vehement auf seinen Wechsel, der die Bayern etliche Millionen kostete.

"Ich bin jetzt das erste Mal bei einem Klub, wo man auch auswärts in der Champions League nicht immer als Underdog hinfährt, sondern schon als einer, der gewinnen sollte", sagte Nagelsmann nach der Partie. Das Camp Nou, "dieses Stadion mit einer großen Historie", kannte er bis Dienstagabend nur von außen. Jetzt hat er sich drinnen verewigt.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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