Bayern-Sieg gegen Olympique Lyon: Serge Gnabrys "Sahnetag" im Robben-Stil

Lissabon (Portugal) - Wer macht beim FC Bayern München in den großen Spielen den Arjen? Serge Gnabry (25) gab gegen Olympique Lyon die Antwort - und will im Endspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain noch mehr.

Serge Gnabry und der FC Bayern München stehen im Finale der Champions League. Der 25-Jährige hat mit seinen Treffern großen Anteil.
Serge Gnabry und der FC Bayern München stehen im Finale der Champions League. Der 25-Jährige hat mit seinen Treffern großen Anteil.  © Miguel A. Lopes/pool EPA via AP/dpa

Gnabry stand in den Katakomben des Estádio José Alvalade mit der UEFA-Trophäe für den "Man of the Match" in der linken Hand und knipste voller Freude ganz kurz ein Lächeln für den Fotografen an. 

Am Sonntagabend (21 Uhr/ZDF, Sky, DAZN) aber will der Mann, der zuvor den FC Bayern im besten Arjen-Robben-Gedächtnisstil in das große Finale gegen Paris schoss, in Lissabon jedoch einen ganz anderen Pokal in die Höhe recken - den größten und wertvollsten im weltweiten Vereinsfußball, den begehrten Henkelpott der Königsklasse.

Warum die Münchner Double-Gewinner nun auch das Triple gewännen, wurde der Nationalstürmer am späten Mittwochabend nach dem 3:0 (2:0) im Halbfinale gegen Lyon von einem Reporter gefragt.

"Weil wir es unbedingt wollen. Ich denke, das ist der entscheidende Faktor. Wir werden alles tun, um den Titel zu holen", antwortete Gnabry direkt.

Sein Versprechen, alles zu tun, löste der 25-Jährige schon gegen Lyon äußerst eindrucksvoll ein. 

Kapitän Manuel Neuer (34) sprach von einem weiteren "Sahnetag" des Außenstürmers in der Königsklasse - erinnert sei nur an die vier Tore beim 7:2 gegen Tottenham oder den Doppelpack beim 3:0 im Achtelfinale gegen den FC Chelsea

Aber seine Saisontore acht und neun jetzt in Portugal waren die mit Abstand wichtigsten. 

"Gerade zum richtigen Zeitpunkt hat er das erste Tor erzielt", betonte Torwart Neuer nach dem wichtigen Erfolg. In der Szene davor hatte Lyons Toko Ekambi (27) den Pfosten getroffen (17. Minute), die Bayern wankten in der Phase.

FC Bayern München: Serge Gnabry eine der großen Bedrohungen für PSG

Starkes Tor! Serge Gnabry von FC Bayern München feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft im José-Alvalade-Stadion.
Starkes Tor! Serge Gnabry von FC Bayern München feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft im José-Alvalade-Stadion.  © Michael Regan/Getty Images via UEFA/dpa

Das 1:0 erinnerte dabei an den legendären Robben-Move, diese unnachahmliche Bewegung des holländischen Gnabry-Vorgängers, der jahrelang mit dem Ball vom rechten Flügel nach innen zog und die Kugel dann mit links in den Winkel zirkelte. 

Gnabry imitierte das auf seine Art, dynamisch, zielstrebig, kraftvoll. "Das 1:0 war absolut herausragend, wie er es abgeschlossen hat und wie er es selbst vorbereitet hat. Serge hat einfach einen enorm guten Schuss mit beiden Füßen", kommentierte Trainer Hansi Flick (55) die Aktion.

Gnabry hatte auf Anweisung gehandelt. "Vor dem Spiel hat ein Physio(therapeut) noch zu mir gesagt: 'Wenn du nicht schießt, kann der Ball auch nicht reingehen.' Zum Glück habe ich geschossen", erzählte er nach seinem großen Auftritt: "Den starken linken Fuß hatte ich schon immer." 

Sein 2:0 leitete er später dynamisch ein und schloss den Spielzug erneut mit links vorm leeren Tor ab.

Gnabry hat eine rasante Entwicklung hinter sich, "nicht nur beim FC Bayern, auch bei der Nationalmanschaft", wie Flick betonte. 

Als er noch Assistent von Bundestrainer Joachim Löw (60) war, hatten sie das damals 18 Jahre alte Arsenal-Talent als Überraschungs-Nominierung für die glorreiche Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien im Hinterkopf.

Bei Löw spielt Gnabry inzwischen bekanntlich "immer", wie der Bundestrainer sagte. "Man muss sagen, dass er schon nahe an einem Weltklassespieler ist. Er hat enorme Qualitäten", erklärte Flick am Mittwochabend - und stachelte den Lyon-Bezwinger gleich wieder an: "Ich bin der Überzeugung, dass er noch lange nicht am Ende ist."

Auch in Portugal hat Gnabry noch etwas vor. Er ist jetzt der vierte große Stürmername im Endspiel, neben Teamkollege Robert Lewandowski (31) und den PSG-Superstars Neymar (28) und Kylian Mbappé (21). 

"Gnabry wird eine der großen Bedrohungen für PSG sein", schrieb am Donnerstag Frankreichs Sportzeitung L'Equipe. Im Estádio da Luz bietet sich der bestmögliche Zeitpunkt für Gnabry, um noch einmal den Robben zu machen: Der bislang letzte Münchner Champions-League-Held erzielte 2013 auf dem Weg zum ersten Bayern-Triple beim Triumph im Wembley-Finale gegen Borussia Dortmund in der 89. Minute das krönende Siegtor.

Titelfoto: Michael Regan/Getty Images via UEFA/dpa

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