"Egoisten, Ich-AGs": Carl-Zeiss-Jena-Trainer Patz rechnet nach Nullnummer mit seinen Spielern ab

Jena - Durch ein enttäuschendes 0:0 am Samstag bei Abstiegskandidat Germania Halberstadt hat sich der FC Carl Zeiss Jena endgültig aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet. Nach dem Spiel platzte FCC-Coach Andreas Patz der Kragen.

Andreas Patz (38) war nach der Nullnummer bei Germania Halberstadt bedient und fand klare Worte in Richtung seiner Spieler.
Andreas Patz (38) war nach der Nullnummer bei Germania Halberstadt bedient und fand klare Worte in Richtung seiner Spieler.  © IMAGO / Bild13

Der Haussegen beim dreimaligen DDR-Meister hängt mächtig schief. Nach der Nullnummer gegen Halberstadt und dem Sieg am Freitagabend von Tabellenführer BFC Dynamo beträgt der Rückstand für die Thüringer auf die Spitzenposition satte zehn Punkte.

Vom Aufstieg - dem klar kommunizierten Ziel - redet jetzt endgültig niemand mehr in den Kernbergen.

Dabei hatte der Verein alles versucht und traf in Person von Sportdirektor Tobias Werner (36) mit dem Rauswurf von Dirk Kunert (53) eine mehr als unpopuläre Entscheidung. Andreas Patz (38) - bis dato U19-Trainer - rückte auf den Chefsessel. Ihm traute man den Aufstieg mehr zu als Kunert. Nach einem verheißungsvollen Start Mitte Oktober ist von der einstigen Euphorie nichts mehr übrig geblieben.

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Der FCC bekommt es einfach nicht auf die Kette, Woche für Woche abzuliefern. Zu oft legen die Zeiss-Kicker enttäuschende Auftritte vor. Nach einem 1:1 am vergangenen Mittwoch gegen eine stark ersatzgeschwächte VSG Altglienicke wollten die Thüringer bei Kellerkind Germania Halberstadt einen klaren Sieg einfahren - doch genau das Gegenteil passierte.

Jena spielte zu behäbig, ohne große Laufbereitschaft. Chancen aus dem Spiel heraus? Mangelware! Und wenn ein Ball aufs Tor kam, parierte der an diesem Tag bärenstarke Germania-Torwart Lukas Cichos. Nach dem Abpfiff feierten die Harzer das Remis wie einen Sieg. Andreas Patz saß dagegen minutenlang wie versteinert auf der Trainerbank.

Patz lässt im Anschluss die Bombe platzen

Der FC Carl Zeiss Jena hatte gegen die abstiegsgefährdeten Halberstädter mehr Ballbesitz - spielerisch überzeugen konnten sie allerdings nicht.
Der FC Carl Zeiss Jena hatte gegen die abstiegsgefährdeten Halberstädter mehr Ballbesitz - spielerisch überzeugen konnten sie allerdings nicht.  © Imago / Christian Schroedter

Im Interview bei OSTSPORT.TV erklärte Patz, dass er seinen Spielern keinen Vorwurf machen könne. "Wir haben das ganz ordentlich gemacht, hatten viel Ballbesitz, viele Chancen kreiert, aber der entscheidende Moment hat gefehlt."

Wie sich in der Folge zeigen sollte, hatte der 38-Jährige seine Emotionen in diesem Moment noch ganz gut im Griff. Nach der Pressekonferenz konnte er sich aber nicht mehr zurückhalten und ließ seinem Frust freien Lauf. Was folgte, war ein Rundumschlag.

Patz sprach seinen Spielern "Wille und Gier" ab. "Es ist fast egal, wen ich im Moment aufstelle", bilanzierte er und wurde noch deutlicher.

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"Es kommt zu wenig – von denen, die spielen, und von denen, die hinten dran sind. Es nimmt mir die Lust gerade. Es ist alles zu ich bezogen. Egoisten, Ich-AGs – das ist egal, wie man es nennt", so der Coach. Im Gegensatz zu vielen Spielern seien er und das Trainerteam noch "heiß", wie er von der "Bild" und der "Ostthüringer Zeitung" zitiert wird.

Ob sich die Zeiss-Kicker die Worte ihres Trainers zu Herzen nehmen, wird sich am kommenden Samstag (19.02.) zeigen. Dann treten die Jenaer im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld gegen den ZFC Meuselwitz an.

Titelfoto: IMAGO / Bild13

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