Thüringenpokalfinale ohne Zuschauer - das sagen die Teams und der Verband!

Jena - Das Finale im Thüringenpokal zwischen Martinroda und Carl Zeiss Jena wird ohne Zuschauer stattfinden. Diese Entscheidung gab der Thüringer-Fußball-Verband (TFV) am Mittwoch bekannt. Nun kommen Mannschaften und Verband zu Wort. 

Das Finale wird zum "Tag der Amateure" live im Ersten zu sehen sein.
Das Finale wird zum "Tag der Amateure" live im Ersten zu sehen sein.  © Guido Kirchner/dpa

Carl Zeiss Jena spielte zum Saisonauftakt zu Hause gegen Babelsberg vor Zuschauern. Bei der Partie zwischen Rudolstadt und Rot-Weiß Erfurt waren 800 Fans im Stadion. Die Rot-Weißen treten am Sonntag gegen Grimma sogar vor 2146 Schaulustigen an.

Demzufolge hatten sich viele auf ein Endspiel vor Zuschauern im Thüringenpokal zwischen Carl Zeiss Jena und Martinroda eingestellt. Doch dann kam der Schock: Das Finale findet ohne Zuschauer im Ernst-Abbe-Sportfeld statt. 

Auf den sozialen Netzwerken gab es seitdem mehrfache Kritik am Thüringer-Fußball-Verband (TFV) und dessen Entscheidung. 

Überraschungsfinalist Martinroda ist sehr enttäuscht. Jena bietet ein Benefizspiel an, sobald wieder in vollen Stadien gespielt werden kann, und der TFV rechtfertigt sich. 

Zwei Mannschaften, ein Verband, mehrere Standpunkte. TAG24 hat für Euch mit allen Parteien gesprochen.

TFV wollte Zuschauer aus beiden Fanlagern

Das Hygienekonzept wurde vom Verband erarbeitet und an die Gesundheitsbehörde übergeben, erklärte TFV-Geschäftsführer Thomas Münzberg gegenüber TAG24.

Nach Verbands-Angaben sah das Konzept des TFV vor, mit beiden Fanlagern das Spiel auszutragen.

"Eine Trennung von Fans wäre möglich gewesen", heißt es. Die 300 Zuschauer aus dem Ilm-Kreis sollten dann allesamt auf der Gegengerade Platz nehmen. Martinroda gab deshalb 300 Tickets für seine Anhänger in den Verkauf.

Wie der Verband weiterhin mitteilte, wurde das Konzept von der zuständigen Gesundheitsbehörde bearbeitet und sah anschließend nur noch Fans von Carl Zeiss vor.

Allgemein wäre das von den Behörden geforderte Konzept schwierig umzusetzen gewesen, heißt es. 

"Finale in einem unterklassigen Stadion ist nicht möglich"

Ein weiterer Punkt sei laut dem TFV die Stadiongröße gewesen. 

Weil das Spiel wird im Fernsehen am "Tag der Amateure" übertragen wird, müssen bestimmte Rahmenbedingungen gewährleistet werden. "Ein Finale in einem unterklassigen Stadion wäre nicht möglich gewesen", erklärt der Verband. 

Der TFV zeigte Verständnis für den Unmut der Fans, betonte aber auch, dass fünf weitere Endspiele ebenfalls ohne Zuschauer stattfinden. 

Großes Unverständnis bei Martinroda

Einen komplett anderen Standpunkt vertritt der FSV Martinroda. Der Oberligist machte seinem Ärger bereits Luft und veröffentlichte ein Statement auf der eigenen Facebook-Seite.

In einem Gespräch beklagt der Verein die Kommunikation des TFV. "Der Verband sieht keine Schuld bei sich. Mit der Entscheidung vor Zuschauern zu spielen, hätten sie die Möglichkeit gehabt, sich wieder in ein besseres Licht zu rücken", erklärt ein Sprecher des Vereins.

Der Klub hätte sich gewünscht, in ein anderes Stadion ausweichen zu können. 

In anderen Stadien würde es ein gültiges Hygienekonzept geben. "Dort hätte man spielen können", kontert der Oberligist die Aussage des Verbands, nicht an einen anderen Ort gewechselt zu sein. 

Laut TFV hat es aber bereits 2018 ein Gespräch mit allen Vereinen gegeben, in Jena zu spielen, wenn Carl Zeiss das Finale erreicht. 

In dieser Runde war Martinroda nicht dabei, weil sie damals noch nicht in der Oberliga spielten. Der TFV bezeichnete die verärgerte Reaktion des Finalisten als "nachvollziehbar". 

Jena verzichtet wegen Fairplay auf eigene Fans

Carl Zeiss Jena hätte vor eigenen Fans spielen können, verzichtet aber aus Solidarität. 

"So traurig dies für uns ist, so falsch hätte es sich auch angefühlt, als höherklassiger Verein, der zudem noch im eigenen Stadion spielt, gegen den unterklassigen Gegner, ohne die Unterstützung eigener Fans zu spielen", erklärt FCC-Geschäftsführer Chris Förster in einer Pressemitteilung des Vereins. 

"Das hätte mit Fairplay nichts zu tun", heißt es weiter. Gegner Martinroda bezeichnete die Entscheidung des FCC als "faire und sportliche Geste".

Gespielt wird am Samstag um 14.45 Uhr - das Spiel wird live in der ARD-Konferenz am "Tag der Amateure" zu sehen sein. 

Titelfoto: Guido Kirchner/dpa

Mehr zum Thema FC Carl Zeiss Jena:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0