Aue-Boss Leonhardt im großen TAG24-Interview: Einsicht, Zuversicht und Vertrauen

Aue - Fünf Punktspiele, drei Punkte, Rang 18. Den Saisonstart hat sich der FC Erzgebirge Aue unter Neu-Trainer Aleksey Shpilevski (33) anders vorgestellt. Präsident Helge Leonhardt (62) hat sich den Fragen von TAG24 gestellt und über Trainer, System und die nächsten Spiele gesprochen.

FCE-Boss Helge Leonhardt (62, l.) spricht Trainer Aleksey Shpilevski (33) sein vollstes Vertrauen aus. Beide wissen aber auch, dass irgendwann Ergebnisse geliefert werden müssen.
FCE-Boss Helge Leonhardt (62, l.) spricht Trainer Aleksey Shpilevski (33) sein vollstes Vertrauen aus. Beide wissen aber auch, dass irgendwann Ergebnisse geliefert werden müssen.  © picture point/Sven Sonntag

TAG24: Sie haben im Juni mit Aleksey Shpilevski erneut einen Trainer geholt, den nur wenige kannten. Er bekam einen Drei-Jahresvertrag. Der Letzte, der drei Jahre schaffte, war Gerd Schädlich (68). Ist das Vertrauen so groß?

Leonhardt: "Ja, ist es. Er hat mein vollstes Vertrauen. Das weiß er, das weiß die Mannschaft. Das hatten auch die anderen. Wenn Sie auf meine Bilanz in den sieben Jahren schauen, nur zwei Trainer musste ich beurlauben. Das war Thomas Letsch (53) 2017 und Daniel Meyer (41) vor zwei Jahren aufgrund unglücklicher persönlicher Umstände. Alle anderen gingen von selbst oder wurden delegiert. Ich glaube, Domenico Tedesco (35) hat es nicht bereut, seine erste Profistation bei uns gehabt zu haben. Wir waren sein Sprungbrett."

TAG24: Trotz des Vertrauens, der Start war eher suboptimal. Shpilevski war Meister mit Almaty in Kasachstan. Hat er die Liga unterschätzt?

Eingeplantes Risiko in Aue! Aber versteht "Bäcker" Shpilevski sein Handwerk?
FC Erzgebirge Aue Eingeplantes Risiko in Aue! Aber versteht "Bäcker" Shpilevski sein Handwerk?

Leonhardt: "Das will ich nicht sagen, er arbeitet sehr akribisch. Aber ja, er sammelt als ganz junger Trainer jetzt Erfahrungen, ist in einer Situation, die er so noch nicht kannte. Aleksey muss lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Aber er ist lernfähig. Wir saßen am Sonntag nach dem 0:3 in Kiel mit dem ganzen Trainerteam zusammen, haben analysiert und uns den Kopf zerbrochen, wo der Fehler liegt. Das war eine lange Diskussion, wo jeder seine Sichtweise auf den Tisch gelegt hat. Das von ihm gewünschte Spielsystem funktioniert noch nicht."

Trotz der schwierigen Situation geht der Blick bei Helge Leonhardt nach oben - angesichts des Tabellenstandes auch kaum anders möglich.
Trotz der schwierigen Situation geht der Blick bei Helge Leonhardt nach oben - angesichts des Tabellenstandes auch kaum anders möglich.  © picture point/Sven Sonntag

Aue-Boss Leonhardt: "Wir stehen hinter Aleksey Shpilevsky"

Die gute Laune lässt sich Helge Leonhardt nicht verderben. Und die ist auf der Auer Bank offenbar ansteckend.
Die gute Laune lässt sich Helge Leonhardt nicht verderben. Und die ist auf der Auer Bank offenbar ansteckend.  © Picture Point/Gabor Krieg

TAG24: Was ist die Folge?

Leonhardt: "Wir müssen erst einmal zu einer kompakteren Art zurückkommen, standen in einigen Spielen zu offen. Das müssen wir ändern, da sind wir uns einig. Jetzt zählen erst einmal Ergebnisse. Alles andere können wir Stück für Stück verfeinern. Aleksey erkennt das und geht den Weg mit. Das System ist deshalb nicht gescheitert. Es liegt auch mit daran, dass wir eine kurze Vorbereitung hatten, die ganzen Neuzugänge noch nicht integrieren konnten, vor allem die letzten nicht."

TAG24: Nach der Länderspielpause kommen die Heimspiele gegen Düsseldorf und Paderborn, dann geht es für Aue nach Regensburg, ehe der HSV bei Ihnen gastiert. Punktegarantien sind das nicht. Wie weit reicht Ihre Geduld, um zu sagen: Bis hierher und nicht weiter?

Aue-Boss Leonhardt vor Paderborn-Match: "Wir erwarten, dass geliefert wird"
FC Erzgebirge Aue Aue-Boss Leonhardt vor Paderborn-Match: "Wir erwarten, dass geliefert wird"

Leonhardt: "Schwierige Frage. Das hängt auch immer davon ab, wie sich die Mannschaft präsentiert. Gibt sie ihr Bestes? Holt sie alles aus sich heraus? Aber ich gehe fest davon aus, dass es soweit nicht kommen wird. Wir, und damit meine ich die Mitglieder in den Gremien, von denen ich Rückhalt und Disziplin erwarte, und mich, stehen hinter Aleksey. Und das zu 100 Prozent. Es wäre mörderisch, ihn jetzt infrage zu stellen. Da würde ich ihn zum Abschuss freigeben. Das passiert garantiert nicht. Meine Schultern sind breit. Er hat in Aue alles, was er braucht. Wir haben mittlerweile ein großes Trainerteam für alle Bereiche. Wir sind hochprofessionell aufgestellt. Das müssen wir aber jetzt auch nutzen."

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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