Fluch oder Segen für Aue-Coach Schuster? "Man darf sich keinen Fehlschuss leisten!"

Aue - Lange Zeit war nicht sicher, ob der FC Erzgebirge überhaupt ein Trainingslager bezieht. 

FCE-Coach Dirk Schuster im Gespräch mit Redakteur Michael Thiele.
FCE-Coach Dirk Schuster im Gespräch mit Redakteur Michael Thiele.  © Picture Point/Roger Petzsche

Wegen Corona muss der Kumpelverein den Gürtel enger schnallen. Vereinstreue Sponsoren ermöglichten den achttägigen Trip ins polnische Opalenica, wo Coach Dirk Schuster sein Team bis zum heutigen Mittwoch intensiv auf die Spielzeit 2020/21 vorbereitete. 

TAG24 bat ihn vor der Abfahrt zum Interview.

TAG24: Das Sommer-Camp in Opalenica wurde relativ kurzfristig anberaumt. Sind Sie trotzdem voll auf ihre Kosten gekommen?

Schuster: "Absolut, das kann man so sagen. Es ist kein Vergleich zu einer gewöhnlichen Vorbereitung auf dem Trainingsgelände, wo man sich tagsüber trifft und abends wieder auseinander geht. Hier konnten wir intensiver arbeiten, das Team hat super mitgezogen. Man verbringt aber auch die Freizeit miteinander, erfährt die Stärken und Schwächen jedes einzelnen, sieht seine Macken - und lernt damit umzugehen."

TAG24: Mit Torhüter Philipp Klewin, Linksverteidiger Gaetan Bussmann, Innenverteidiger Florian Ballas und Sechser Ognjen Gnjatic wurden bisher vier Transfers getätigt. Welchen Eindruck hinterließen die Neuen?

Schuster: "Einen positiven, auch der Integrationsprozess ist sehr weit fortgeschritten. Genau das ist auch Sinn und Zweck eines Trainingslagers: Dass man zusammenschweißt und eine Einheit wird."

Dirk Schuster schaute wie immer bei jeder Trainingseinheit ganz genau hin.
Dirk Schuster schaute wie immer bei jeder Trainingseinheit ganz genau hin.  © Picture Point/Roger Petzsche

TAG24: Ihnen steht wegen der Corona-Sparmaßnahmen nur ein schmaler Kader mit 20 Feldspielern plus drei Torhütern zur Verfügung. Fluch oder Segen?

Schuster: "Man darf sich praktisch keinen Fehlschuss leisten, das steht fest. Bei einem kleinen Kader wird jeder Spieler gebraucht, sei es um die Trainingsqualität hochzuhalten oder um die Spiele positiv zu gestalten und zu gewinnen. Das wiederum erhöht den internen Konkurrenzkampf, der leistungsfördernd ist."

TAG24: Dafür, dass man sich "keinen Fehlschuss" leisten darf, wurden die ersten Neuzugänge zügig verpflichtet.

Schuster: "Das ist nicht ganz richtig, auch wenn vielleicht nach außen der Eindruck entstanden sein mag. Mit Florian Ballas zum Beispiel hatten wir uns bereits vor dem letzten Spieltag der vorangegangenen Saison getroffen - allerdings zu einem Zeitpunkt, als Dresden schon abgestiegen war. Gaetan Bussmann war schon vor drei Jahren ein Kandidat, damals noch in Darmstadt. Danach blieben wir in Kontakt - was die Kennenlerngespräche, um ein Gefühl füreinander zu bekommen, verkürzt."

TAG24: Welches Spielsystem schwebt ihnen vor?

Schuster: "Generell ist in der zweiten Liga die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive entscheidend. Natürlich müssen wir defensiv stabil stehen. Aber das heißt nicht, dass wir unsere Kampfzone nur in der eigenen Hälfte aufbauen. Wir wollen den Gegner auch regelmäßig früh attackieren und Fehler provozieren, um einen kurzen Weg zum Tor zu haben. Sich einfach nur auf das reine Umschaltspiel aus einer geordneten Defensive in der eigenen Hälfte zu verlassen, ist nicht der Ansatz. Wir wollen auch aktiv nach vorn verteidigen und guten Offensivfußball zeigen, wie es uns vor allem zum Saison-Ende wieder richtig gut gelungen ist. An diese positive Entwicklung wollen wir anknüpfen. Dafür brauchen wir Spielertypen mit einer gewissen Grundschnelligkeit."

Gute Laune bei Dirk Schuster - das Camp war ein voller Erfolg.
Gute Laune bei Dirk Schuster - das Camp war ein voller Erfolg.  © Picture Point/Roger Petzsche

TAG24: Genau nach diesen Typen halten Sie noch Ausschau?

Schuster: "Richtig, da wollen wir noch ein, zwei gute Spielertypen finden, die idealerweise auf der Außenbahn und in der Spitze eingesetzt werden können."

Titelfoto: Picture Point/Roger Petzsche

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