"Wir fahren lieber nach Bochum ..." Fan-Frust in Aue nach Derby-Pleite

Aue - Es gibt schmerzhafte Pleiten. Nicht jede Niederlage fällt darunter, aber jede Derbypleite. Nix wurmt mehr und hallt bei fast allen bis zum nächsten Duell nach. Von alldem war beim FC Erzgebirge nach dem 1:2 bei Dynamo Dresden wenig zu spüren.

Die Fans ließen am Sonntag mit diesem Banner am Auer Stadion ihren Frust raus.
Die Fans ließen am Sonntag mit diesem Banner am Auer Stadion ihren Frust raus.  © privat

Martin Männel war noch am meisten gefrustet. Klar, machte er doch ein halbes Dutzend an klaren Möglichkeiten zunichte und musste dennoch zwei Mal hinter sich greifen. "Ich stelle mich nach einem 1:2 nicht hin und hebe irgendjemanden heraus", schwoll Männel der Kamm.

Dabei war der Weg nach dem frühen Führungstreffer von Jan Hochscheidt bereitet. Bis Mitte der ersten Halbzeit hatte Aue viel Zugriff und ließ dann plötzlich abreißen. 

"Vielleicht wurden wir zu euphorisch und deswegen ausgekontert. Das darf uns so nicht passieren", schüttelt Hochscheidt den Kopf. Dzenis Burnic spielte den öffnenden Ball auf die verwaiste rechte Auer Seite. Godsway Donyoh, den Tom Baumgart selten in den Griff bekam, fand Patrick Schmidt - der Ausgleich, die Wende.

Ab da fügte sich Aue seinem Schicksal. Hält Männel nicht weiter überragend, ist früher Schicht im Schacht und es gibt eine echte Derby-Klatsche. 

"Jedes verlorene Derby tut weh"

Die Auer Veilchen um Jan Hochscheidt verlassen am Sontag nach dem Derby frustriert den Platz.
Die Auer Veilchen um Jan Hochscheidt verlassen am Sontag nach dem Derby frustriert den Platz.  © picture point/Sven Sonntag

Vom eigenen Anhang bekamen die Lila-Weißen ordentlich die Leviten gelesen. Sonntagabend prangte ein Banner am Begrenzungszaun am Stadion, auf dem geschrieben stand: "Wir fahren lieber nach Bochum als nach Dresden! Keine Geschenke für SGD Hurensöhne!! Schämt euch!!"

Damit bekamen alle ihr Fett weg, auch Klubboss Helge Leonhardt, der vor der Partie betonte, er ziehe die Auswärtsfahrt nach Dresden der ins entfernte Bochum vor - mit der Betonung, dass bei Dynamo ein Sieg her muss. Sicherlich erfreut sich ein Sachsenderby höherem Zuschauerzuspruch und spült mehr an Spieltagseinnahmen in die Vereinskasse, wie Heimspiele gegen Sandhausen, Fürth oder Bochum. Ökonomisch nachvollziehbar, den Fans trotzdem schwer zu verkaufen.

Denn umgedreht müsste es heißen: Würde Dynamo in gleicher Situation ähnlich verfahren oder Aue mit breitem Grinsen in die 3. Liga schießen? Und was würde eine großmütige Geste nützen, wo sie an der großen Elbe auch künftig finanziell einfach in anderen Sphären schweben, bei der Spielersuche in andere Regale greifen können, als am kleinen Lößnitzbach?

Zuletzt die Gretchenfrage: Braucht man künftig noch von Rivalität zu schwadronieren, um die Menge hinter sich zu scharen? Leonhardt bezieht klar Stellung: "Jedes verlorene Derby tut weh. Ich kann den Frust komplett verstehen, weil wir sehr gut begonnen haben. Wir alle ärgern uns, weil wir unbedingt gewinnen wollten!"

Er stellt aber auch fest: "Aue gegen Dynamo ist das einzig verbliebene Ostderby in der 2. Liga. Alle anderen sind abgestorben!"

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