Aue-Kicker Gonther vor Rückkehr ans Millerntor traurig: "Hätte gerne die volle Dröhnung erlebt"

Aue/Hamburg - Ist das bitter! Am Samstag (13.30 Uhr) trifft Sören Gonther (35) mit Erzgebirge Aue auf seinen Ex-Klub FC St. Pauli. Dennoch hält sich die Vorfreude des Abwehrspielers vor dem Wiedersehen in Grenzen.

Aue-Profi Sören Gonther (35) trug fünf Jahre lang das Trikot des FC St. Pauli. Hier jubelt er über einen Treffer im DFB-Pokal in der Saison 2016/17.
Aue-Profi Sören Gonther (35) trug fünf Jahre lang das Trikot des FC St. Pauli. Hier jubelt er über einen Treffer im DFB-Pokal in der Saison 2016/17.  © Axel Heimken/dpa

Ein Geisterspiel wird die Begegnung nun doch nicht, dennoch dürfen nur 2000 Fans die Partie am Millerntor verfolgen.

"Am Schönsten wäre es gewesen, vor vollem Haus zu spielen", gestand der 35-Jährige im Gespräch mit TAG24, auch wenn er wusste, dass es dann "für uns sehr schwer gewesen wäre".

Aber schließlich sei er Fußballer geworden, um vor Zuschauern zu spielen. Seitdem er in Aue unter Vertrag spielt, fanden die bisherigen beiden Begegnungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Spiel am Samstag ist also immerhin schon mal eine Steigerung.

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Dennoch hätte Gonther - sein Vertrag im Erzgebirge läuft noch bis zum Sommer 2023 - gerne noch einmal vor einer vollen Hütte gespielt. "Weil die Zuschauer eben das sind, was das Millerntor so besonders macht und worauf man sich am meisten gefreut hat", erzählt er mit einem weinenden Auge.

"Mich hätte es total angespornt", gestand er. "Ich hätte es toll gefunden, noch einmal die Atmosphäre und die volle Dröhnung zu bekommen." So dürfte er sich freuen, dass immerhin ein paar Zuschauer dabei sein werden.

Sören Gonther freut sich auf "Frotzeleien" mit Ex-Mitspieler Christopher Buchtmann

Früher Kollegen, heute Gegenspieler: Der 35-Jährige spielte beim FC St. Pauli noch mit Philipp Ziereis (28) zusammen.
Früher Kollegen, heute Gegenspieler: Der 35-Jährige spielte beim FC St. Pauli noch mit Philipp Ziereis (28) zusammen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Mit Dynamo Dresden habe er die Atmosphäre zweimal genießen können, mit Aue eben jedoch noch nicht. Und der gebürtige Schrecksbacher (Hessen) geht davon aus, dass sich die Wege der beiden Vereine in der kommenden Saison nicht mehr kreuzen werden.

"Wenn nichts passiert, werden sie meiner Meinung nach am Ende einen der ersten beiden Plätze belegen", ist sich Gonther sicher.

Trotz der traurigen Umstände kann der 35-Jährige seiner Rückkehr nach Hamburg dann doch noch etwas Gutes abgewinnen: "Nichtsdestotrotz freue ich mich immer zurückzukommen und noch einige bekannte Gesichter zu sehen."

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Gonther, der zwischen 2012 und 2017 fünf Jahre lang das braun-weiße Trikot trug, spielte während seiner Zeit noch mit den aktuellen Kiezkickern Christopher Buchtmann (29) und Kapitän Philipp Ziereis (28) zusammen.

Während der 35-Jährige noch vor wenigen Tagen mit Ziereis Kontakt hatte, um ihm zur Geburt seines Sohnes Lio zu gratulieren ("Tolle Nachrichten"), freute er sich hingegen schon auf ein paar nette "Frotzeleien" mit Buchtmann.

Generalprobe von Erzgebirge Aue ging gegen Dynamo Dresden mächtig in die Hose

Die aktuelle Situation von Erzgebirge Aue ist zum Haareraufen.
Die aktuelle Situation von Erzgebirge Aue ist zum Haareraufen.  © imago / Picture Point

"Ein paar Scharmützel vor dem Spiel habe ich immer ganz gerne, das gehört dazu", gesteht Gonther, der aber auch ankündigte: "Auf dem Platz werde ich alles geben. Da gibt es keine Freunde auf der anderen Seite." Davor und danach sei es jedoch etwas anderes.

Schließlich steht für die Auer in Hamburg viel auf dem Spiel. Mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und sechs Zählern auf Platz 15 gehen die Veilchen in die verbleibenden 16 Begegnungen. "Es geht für uns mehr denn je um drei Punkte."

Kein Wunder, dass niemand von den Gästen etwas am Samstag erwartet. Zumal die Generalprobe mit 0:5 gegen Liga-Konkurrent Dresden gehörig in die Hose ging.

"Das war ein herber Dämpfer", gestand Gonther, der am Abend zu Hause bei seiner Familie "sehr schlechte Laune" gehabt habe. "Ich will es nicht schönreden, aber es war zum Glück nur ein Testspiel. Es liegt an uns eine Reaktion zu zeigen, egal, wie schwer das wird."

Mit Tabellenführer St. Pauli wartet ausgerechnet ein echter Brocken auf die Veilchen. In der bisherigen Saison haben die Kiezkicker alle acht Heimspiele gewonnen. "Und jetzt kommt der Vorletzte, da sind die Erwartungen klar", spielte der 35-Jährige auf die Tabellensituation an. "Dass niemand von uns etwas erwartet, außer uns selbst, ist aber unsere Chance."

Sören Gonther will bis zum Ende mit Erzgebirge Aue um den Klassenerhalt kämpfen

Der Abwehrspieler geht resolut, wie hier gegen Ingolstadts Merlin Röhl, in die Zweikämpfe.
Der Abwehrspieler geht resolut, wie hier gegen Ingolstadts Merlin Röhl, in die Zweikämpfe.  © Matthias Balk/dpa

Vor der Winterpause habe Kiel gezeigt, wie man St. Pauli ärgern könne. "Wenn man die richtigen Schlüsse zieht und sich geschickt anstellt, können wir sie ähnlich ärgern und punkten", ist Gonther überzeugt.

Dennoch weiß der erfahrene Profi, dass das Spiel am Samstag noch nicht über den Klassenerhalt oder Abstieg entscheiden werde. "Ich habe schon Situationen erlebt, auch bei St. Pauli, da sah es schlechter aus."

In der diesjährigen zweiten Liga sei alles möglich, da werde es bis zum 34. Spieltag darum gehen, zu kämpfen und alles zu geben, "als wäre das letzte Spiel, so wie ab Mitte der Hinrunde".

Ein Dreier zum Jahresauftakt in Hamburg wäre aber schon ein guter Anfang für Gonther und seine Auer, um dem Ziel Klassenerhalt näherzukommen.

Titelfoto: Fotomontage: Axel Heimken/dpa, IMAGO / Picture Point

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