"Berechtigtes Dasein": Darmstadt-Coach Lieberknecht lobt FC Erzgebirge Aue

Aue - Dreht es sich um die ganz Großen der 2. Liga, ist oft von Schalke 04, dem Hamburger SV oder Werder Bremen die Rede. Doch das greift zu kurz, findet der Cheftrainer von Aues letztem Gegner SV Darmstadt 98. Für Torsten Lieberknecht (48) sind Mannschaften wie der FC Erzgebirge Aue, diejenigen, die den Wettbewerb prägen.

Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht (48, l.) hatte nur warme Worte für den FC Erzgebirge Aue übrig. Aues Teamchef Marc Hensel (35) bedankt sich.
Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht (48, l.) hatte nur warme Worte für den FC Erzgebirge Aue übrig. Aues Teamchef Marc Hensel (35) bedankt sich.  © DPA/Robert Michael

"Für mich heißen die Großen Aue, Sandhausen oder Heidenheim, jene, die seit Jahren ihr berechtigtes Dasein in der Liga haben. Dort zu bestehen, ist das täglich Brot", betont Lieberknecht.

Die Veilchen zählen zum Inventar. Und doch bekamen sie diese Saison arge Schrammen ab. Zu Saisonbeginn ärgerte der FCE hintereinander Nürnberg (0:0), St. Pauli (0:0) oder Schalke (1:1).

Das ließ aufhorchen, übertünchte aber ein Stück weit, dass mit Kick an Rush komplett die Torgefahr abging. Die Konsequenz: Man wurde bis ans Tabellenende durchgereicht.

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Viel schlimmer noch: Aue erzielte in sieben Spielen unter dem vormaligen Cheftrainer Aleksey Shpilevski (33) drei (!) Tore. Im Schnitt also ein Treffer alle 210 Minuten. Eine abstiegsreife Performance.

Mit Shpilevskis Beurlaubung ging ein Systemwechsel einher, vom blanken Gebolze hin zum geordneten Spielaufbau mit Flachpassspiel.

Seit Beurlaubung von Ex-Coach Aleksey Shpilevski geht von Aue wieder mehr Torgefahr aus

Nicolas Kühn (21, r., gegen Darmstadts Mathias Honsak, 24) gehört zu den Entdeckungen der bisherigen Saison.
Nicolas Kühn (21, r., gegen Darmstadts Mathias Honsak, 24) gehört zu den Entdeckungen der bisherigen Saison.  © imago images/Jan Hübner

Das tat dem Auer Spiel gut. Die Mannschaft strahlt seither deutlich mehr Torgefahr aus und traf in jedem Spiel unter Teamchef Marc Hensel (35). Elf Tore in acht Partien entsprechen knapp 65 Minuten Aufwand pro Tor.

"Unser taktischer Ansatz ist, von hinten heraus klar aufzubauen und mit dem Ball spielerische Lösungen zu suchen, wobei wir vor allem das eigene Tempo ausspielen wollen, statt uns rein auf Konterspiel zu verlegen", erklärt Hensel.

Deswegen sucht man den klassischen Mittelstürmer, z.B. einen Babacar Gueye (26), Nikola Trujic (29) oder Antonio Mance (26), in Aues Startelf meist vergebens.

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Hensel: "Wir hatten zuletzt mit Omar Sijaric (20), Nicolas Kühn (21), Antonio Jonjic (22) und Dimitrij Nazarov (31) oder Jan Hochscheidt (34) - auch Tom Baumgart (24) - nicht den Strafraumstürmer, aber jeweils vier sehr offensiv ausgerichtete Spieler auf dem Feld, die Stürmeraufgaben übernehmen."

Hensel weiter: "Wenn die Wucht fehlt, wie wir das gegen Darmstadt in der ersten Halbzeit registrieren mussten, dann können wir aber sofort reagieren."

Titelfoto: DPA/Robert Michael

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