Eingeplantes Risiko in Aue! Aber versteht "Bäcker" Shpilevski sein Handwerk?

Aue - Der FC Erzgebirge Aue legte gegen Düsseldorf einen anderen Fußball an den Tag als zuvor. Mehr auf Ballbesitz und Passspiel bedacht, auch mal horizontal und nicht sofort vertikal in die Spitze. Die erste Abkehr vom dem "RB-Stil" entlehnten Fußball.

Noch glauben die Auer Fans, dass sich beim FCE alles zum Guten wendet.
Noch glauben die Auer Fans, dass sich beim FCE alles zum Guten wendet.  © picture point/Sven Sonntag

Dieser Impuls kam mehr aus der Mannschaft heraus.

Coach Aleksey Shpilevski (33) verfolgt nach wie vor seinen Weg, erbittet Geduld. Die wurde dem 33-Jährigen stets entgegengebracht.

Zugutehalten kann man ihm, dass im Angriff Babacar Gueye (26) als Vereinsloser aus der Kalten nach dem zweiten Spieltag kam, Antonio Mance (26) drei Tage vor der Länderspielpause. Der befand sich bis dahin beim kroatischen Vizemeister NK Osijek im laufenden Wettbewerb.

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Nikola Trujic (29) hielt sich dagegen bei Partizan Belgrad fit, bekam vor Düsseldorf aber nicht rechtzeitig die Freigabe aus Griechenland, wo er zuletzt für AE Larissa spielte. Als Trainer sind einem da die Hände gebunden.

Dazu die Verletzungen von Nicolas Kühn (21), Antonio Jonjic (22) oder Florian Ballas (28). Ganz zu schweigen von Ognjen Gnjatic (29), dessen Krankenakte mittlerweile gefühlt so dick wie ein Roman von Stephen King ist.

Das entkernt noch lange nicht die Mannschaft. Das Gerüst der erfolgreichen letzten Jahre ist nach wie vor vorhanden, sofern man darauf baut - oder nicht daran rüttelt.

Shpilevskis Bäckerprinzip: Zweitligaspieler backt man nicht von jetzt auf gleich

Für FCE-Trainer Aleksey Shpilevski (33) und seine Veilchen muss es schnellstens nach oben gehen.
Für FCE-Trainer Aleksey Shpilevski (33) und seine Veilchen muss es schnellstens nach oben gehen.  © picture point/Sven Sonntag

Im aktuellen Kader sind Dimitrij Nazarov (31) und der verletzte Jan Hochscheidt (33) die Einzigen, die unter Ex-Coach Dirk Schuster (53) konstant und/oder oft trafen. Unter Shpilevski schlüpft Nazarov wieder in die Rolle wie unter Daniel Meyer (42), wo er ebenfalls nicht das volle Vertrauen genoss.

Das frustet den 31-Jährigen, was er am Sonntag auch wissen ließ. In der Mixedzone wollte sich Nazarov nicht äußern. Vielleicht aus Selbstschutz.

Shpilevski zieht gerne das Bäckerhandwerk heran, um den Entwicklungsprozess, den er einleiten soll und will, zu beschreiben. Verkürzt ausgedrückt: Zweitligaspieler backt man nicht von jetzt auf gleich.

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Das stellen auch die erfahrenen Recken wie Martin Männel (33) nicht infrage. "Die Sachen, die wir in der Vergangenheit nicht gut gemacht haben, waren teilweise der Unerfahrenheit geschuldet. Solche Fehler müssen wir abstellen, und dann bin ich mir sicher, dass wir uns nach und nach unten herausarbeiten", findet Männel.

Der erfahrene Rückhalt ruft auch einem jeden in Erinnerung, dass Aue dieses Risiko vor der Saison bewusst einging: "Es war schließlich eingepreist!" Nicht eingepreist ist der Abstieg, der allein mal fix acht Millionen Euro TV-Geld kosten würde. Nach dem neunten Spieltag ist das erste Viertel gespielt.

Wenn es dann in Aue noch immer im Magen grummelt, müssen Fragen erlaubt sein: Ist das Rezept falsch? Stimmen die Zutaten nicht? Versteht der Bäcker sein Handwerk nicht?

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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