Vor 30 Jahren: DDR-Länderspiel in Karl-Marx-Stadt mit Aue-Coach Schuster

Aue/Chemnitz - 11. April 1990 - heute vor 30 Jahren fand das letzte Heimspiel einer DDR-Nationalmannschaft statt. 

Nur 1000 Zuschauer wollten vor 30 Jahren im Thälmann-Stadion das Spiel der DDR-Auswahl um Matthias Sammer gegen Ägypten sehen.
Nur 1000 Zuschauer wollten vor 30 Jahren im Thälmann-Stadion das Spiel der DDR-Auswahl um Matthias Sammer gegen Ägypten sehen.  © Frank Kruczynski

In Karl-Marx-Stadt ging es gegen Ägypten (2:0). Die Partie hätte eigentlich in Aue stattfinden sollen, durch Bauarbeiten im damaligen Otto-Grotewohl-Stadion wurde die Partie in die Bezirkshauptstadt verlegt. 

Damals in der Startelf stand Dirk Schuster, er ist in Karl-Marx-Stadt geboren und heute Trainer der Veilchen.

TAG24: Herr Schuster, die Partie gegen Ägypten war Ihr zweites Länderspiel und dann in Ihrer Heimat. War es in der Wendezeit damals dennoch etwas Besonderes?

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FC Erzgebirge Aue Aue-Spieler absolvieren Laktattest vorm scharfen Start

Schuster: "Absolut, das löste schon ganz besondere Gefühle aus. Jedes Länderspiel war speziell für mich, aber dann noch in der Heimatstadt für sein Heimatland spielen zu dürfen – das war eine große Ehre und erfüllte mich mit Stolz."

TAG24: Die Partie im Thälmann-Stadion sahen vor 30 Jahren lediglich 1000 Zuschauer, weniger waren es nie zuvor. War es von der Atmosphäre genauso traurig, wie es die Zahl erahnen lässt?

Sein erstes Länderspiel: Für die DDR-Auswahl stand Dirk Schuster (5.v.l.) am 26. März 1990 gegen die USA in der Startaufstellung.
Sein erstes Länderspiel: Für die DDR-Auswahl stand Dirk Schuster (5.v.l.) am 26. März 1990 gegen die USA in der Startaufstellung.  © imago images/Magic

Schuster: "Von Fußballatmosphäre konnte man tatsächlich nicht sprechen, das erinnerte an Bezirkssportanlage an diesem Tag. Die Menschen hatten in der speziellen Zeit nach dem Mauerfall erstmal andere Interessen, zudem war es vom Namen her natürlich nicht der Topgegner."

TAG24: Ihre Länderspiele drei und vier führten Sie dann in zwei Fußball-Tempel – in den Hampden-Park nach Glasgow und ins Maracana nach Rio. Das dürfte doch nach dem Geschmack jedes Fußballers gewesen sein, oder?

Schuster: "In beiden Stadien war die Atmosphäre einfach überragend. In Glasgow gewannen wir mit 1:0 vor frenetischen Fans, die eine sensationelle Stimmung fabrizierten, das war Gänsehaut, unvergesslich. Und klar, einmal im Maracana zu spielen, diesen Traum haben viele, von daher bin ich sehr dankbar, das erlebt haben zu dürfen. Nach einem 1:3-Rückstand konnten wir noch ein 3:3 holen – aber ohnehin, die ganze Reise war sehr speziell."

TAG24: Sie sind einer der wenigen Spieler, die für die DDR und das vereinte Deutschland gespielt haben. Ist Ihnen bewusst, dass Sie keins Ihrer sieben Länderspiele verloren haben?

Schuster: "Bei der überschaubaren Anzahl an Länderspielen weiß man das schon (lacht). Für mich ist das etwas Außergewöhnliches und Schönes, in der Vita Spiele für beide Mannschaften stehen zu haben. Ich empfand jedes Spiel als Ehre und habe diese tollen Erlebnisse in bester Erinnerung."

Titelfoto: imago images/Magic

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