Bei Saisonabbruch: Aue-Boss Leonhardt will Relegation um Auf- und Abstieg

Aue - Helge Leonhardt war der erste Vereinsboss, der einen Abbruch der aktuellen Saison aufgrund des Coronavirus befürworten würde (TAG24 berichtete). 

Helge Leonhardt würde einen Abbruch der aktuellen Saison aufgrund des Coronavirus befürworten.
Helge Leonhardt würde einen Abbruch der aktuellen Saison aufgrund des Coronavirus befürworten.  © picture point/Sven Sonntag

Der Präsident des FC Erzgebirge redet das nicht nur so daher. Er will der DFL am Montag zur außerordentliche Mitgliederversammlung in Frankfurt/M. einen Vorschlag unterbreiten, wie es trotzdem Meister, Auf- und Absteiger geben könnte, wenn die zeitliche Verschiebung nicht möglich wäre. Mit TAG24 hat der 61-jährige Unternehmer darüber gesprochen.

TAG24: Herr Leonhardt, Abbruch der Saison - Panikmache oder Weitsicht?

Leonhardt: "Mittlerweile ist es keine Panikmache mehr. Die jetzigen Geisterspiele will doch keiner. Ich habe am Mittwoch Mönchengladbach gegen Köln gesehen, sorry, überspitzt formuliert ist auf jedem Friedhof im Erzgebirge mehr Stimmung. Dann dürfen wir nicht blauäugig sein. Der Coronavirus wird keinen Bogen um die 56 Profivereine machen. 

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FC Erzgebirge Aue Aues Sportdirektor Heidrich verzichtet auf späte Transfers

Die Spieler leben nicht in goldenen Käfigen, zumindest meine nicht. Mit Timo Hübers von Hannover 96 haben wir den ersten Fall. Hier ist es wirklich Glück, dass er keinen Kontakt mehr zu seinen Mitspielern hatte. Das wird aber nicht immer so sein. Infiziert sich ein Spieler, Trainer oder einer, der nah an der Mannschaft dran ist, kommt das komplette Team zwei Wochen in Quarantäne. Wenn es dumm läuft der Gegner gleich mit. 

Dann ist das alles sowieso nicht mehr zu halten. Du bist zwei Wochen raus und kannst nicht am Tag nach Ende Quarantäne ein Punktspiel bestreiten."

TAG24: Wie sieht Ihr Vorschlag aus, den Sie am Montag unterbreiten wollen?

Leonhardt: "Ich habe mir in den letzten Stunden viel angehört, viel gelesen. Natürlich wäre eine Aussetzung der Spiele für drei Wochen das Beste. Die Partien könnten bis Juni nachgeholt werden. Aber Corona kann man nicht befehlen. Plan B wäre für mich das mögliche italienische Modell. Das wäre eine Relegation um Meisterschaft, Auf- und Abstiege. Wir machen jetzt einen Cut und warten, bis sich die Katastrophe gelegt hat, gern auch bis Juni. In der Bundesliga spielen die ersten vier den Meister aus. Die letzten vier kämpfen gegen den Abstieg. Der Beste bleibt drin, der Zweitbeste geht in die Abstiegsrelegation, die anderen beiden steigen ab. In der 2. Liga spielen die ersten vier um den Aufstieg, die zwei ersten gehen hoch, der dritte in die Relegation. Zwischen 2. und 3. Liga läuft es genauso. In der 3. Liga spielen die letzten sechs um den Klassenerhalt. Das wäre eine salomonische Sache."

EM 2020 absagen?

TAG24: Sie sagen bis Juni. Da läuft die EM aber schon...

Leonhardt: "Präventiv absagen. Die ist jetzt nicht wichtig. Die kann auch 2021 gespielt werden. Wichtig sind die europäischen Profiligen, die müssen geschützt, gestützt und stabilisiert werden. Da stehen nicht nur elf Mann auf dem Rasen, das sind alles Wirtschaftsunternehmen, da hängen Tausende von Arbeitsplätzen dran. Die gilt es zu sichern."

TAG24: Was wünschen Sie sich am Montag und für die nahe Zukunft?

Leonhardt: "Kluge Entscheidungen. Die Intelligenz der Verantwortlichen sollte da sein, sonst wären sie nicht auf diesen Posten. Ich will da auch nicht klug daherreden, sondern nur meine Erfahrungen einbringen, weil ich als Unternehmer viele Krisen bewältigen musste. Wichtig wäre, dass Deutschland für dieses eine Mal seinen Föderalismus links liegen lässt. Es kann nicht sein, dass jedes Bundesland für sich entscheidet. Es braucht eine klare Linie von oben nach unten. Wenn notwendig müssen dafür sofort Dekrete erlassen werden, ohne das jeder seinen Senf dazu gibt. Die Not zwingt zu kompromisslosem Handeln. Das betrifft die Politik, da ist nicht nur der DFB und die DFL gefragt. Wir brauchen klare einheitliche Verfahren für alle. Ich bin guter Hoffnung das wir das gemeinsam schaffen."

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