Aue-Boss Leonhardt spricht Klartext: "Mir wird im Osten zu viel gejammert"

Aue - Helge Leonhardt bemüht das Bild der Landkarte. "Von der Ostsee bis nach Oberwiesenthal bleibt alles weiß. Bis auf Aue. Wir halten die Fahne des Ostens hoch", sagt der Präsident des FC Erzgebirge Aue mit Stolz in der Stimme.

Aue-Coach Dirk Schuster wünscht sich mehr Ostklubs in der 2. Liga.
Aue-Coach Dirk Schuster wünscht sich mehr Ostklubs in der 2. Liga.  © Picture Point/ Sven Sonntag

Der sächsische Rivale Dynamo Dresden ist abgestiegen, der FC Hansa Rostock schaffte es nicht nach oben. Somit ist Aue der einzige ostdeutsche Vertreter in der kommenden Saison der 2. Bundesliga.

Leonhardt hat aber auch die Ligen darunter im Blick. Dass sich mit dem FC Carl Zeiss Jena und dem Chemnitzer FC zwei weitere Traditionsklubs aus der 3. Liga und damit aus dem Profifußball verabschiedet haben, macht dem Aue-Boss Sorgen. 

"Es ist einerseits schade, andererseits wird mir im Osten mitunter zu viel gejammert und sich zu sehr selbst bemitleidet", meint Leonhardt.

Dass die Fußballstandorte das oft zitierte Spiegelbild der Gesellschaft und das der regional begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten abbilden sollen, lässt Leonhardt nicht als Argument gelten. 

"Zu uns ist auch keiner gekommen und hat einen Scheck ausgestellt. Wir sind eher in einer strukturschwächeren Region angesiedelt, haben uns den Erfolg über Jahre selbst hart erarbeitet", betont der 61-Jährige.

FC Erzgebirge Aue voller "Stolz und Freude", weiterhin in der 2. Bundesliga zu sein

Hat seinen Verein fest im Griff und hält ihn seit Jahren auf Erfolgskurs: FCE-Boss Helge Leonhardt.
Hat seinen Verein fest im Griff und hält ihn seit Jahren auf Erfolgskurs: FCE-Boss Helge Leonhardt.  © Picture Point/ Sven Sonntag

Seit 2003 spielt das 16.000 Einwohner zählende Aue mit wenigen Unterbrechungen fast durchgängig in der 2. Bundesliga. Doch noch nie gingen die Sachsen als einzige Ost-Mannschaft in eine Saison. 

"Ich bin ein bisschen traurig darüber und hoffe, dass sich dieses Bild im Spieljahr 2021/22 wieder ändert. Man wünscht sich schon Vereine wie Rostock, Magdeburg oder Dresden. Das sind für mich vom Potenzial her Minimum Zweitligisten", erklärte Trainer Dirk Schuster. 

"Auf der anderen Seite erfüllt es uns mit sehr viel Stolz und Freude, dass wir es wieder geschafft haben, weiter in der 2. Liga zu bleiben."

Ein Patentrezept, wie es andere Klubs aus dem Osten dem FC Erzgebirge nachmachen könnten, hat Leonhardt freilich nicht.

 "Jeder Verein hat andere Strukturen und Voraussetzungen. Ich kann nur für uns sprechen. Wir geben nur das Geld aus, was uns zur Verfügung steht. Und zweitens müssen der Verein und die Profiabteilung wie ein Wirtschaftsunternehmen knallhart geführt und nicht nur verwaltet werden."

Titelfoto: Picture Point/ Sven Sonntag

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