Aue-Coach Schuster verrät Taktikgeheimnis: "In diesem System fühlt sich die Mannschaft am wohlsten"

Aue - Dreierkette, Viererkette, Fahrradkette: Starre Spielsysteme gehören längst der Vergangenheit an. Heutzutage ist es nicht unüblich, während einer Partie zwischen verschiedenen taktischen Ausrichtungen zu switchen. FCE-Coach Dirk Schuster (53) ist da keine Ausnahme.

Der Takt(ik)-Geber: FCE-Coach Dirk Schuster (53) lässt im Training speziell für das kommende Spiel Situationen einstudieren.
Der Takt(ik)-Geber: FCE-Coach Dirk Schuster (53) lässt im Training speziell für das kommende Spiel Situationen einstudieren.  © picture point/Sven Sonntag

Über die Zeit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der FC Erzgebirge Aue variabler geworden ist und beides kann: Dreier- und Viererkette. Dabei ist das "recht offensive" 4-3-3 nicht allein Schusters Favorit.

"In diesem System fühlt sich die Mannschaft am wohlsten", bezeichnet es der 53-Jährige gern als "Wohlfühlsystem", das leicht ins kompaktere 4-2-3-1 umfunktioniert wird: "Die Mannschaft hat es verinnerlicht und es kommt jedem entgegen."

Dass es erst in dieser Spielzeit effektiv zum Tragen kommt, liegt auch daran, dass Pascal Testroet (30) sowie Florian Krüger (22) weite Wege nach hinten gehen, Schuster zudem mit Linksverteidiger Gaetan Bussmann (30) sowie Außenstürmer Ben Zolinski (28) zwei Wunschspieler dazu bekam, die die fürs System nötige Laufarbeit verrichten.

Gegen Sandhausen (2:0) ließ er im 4-3-3 beginnen, entschied sich dann aber zur Pause angesichts 3:12 Torschüssen für die Gäste, auf Dreierkette umzustellen, um im Mittelfeld mit fünf Mann ein Übergewicht zu schaffen und die Räume zu verdichten.

Gleichzeitig rückte Krüger von außen in die Spitze zu Testroet. Maßnahmen, die fruchteten.

Aue-Trainer Schuster: "Wir legen uns immer einen Plan A und B zurecht"

Taktik im Team: Die Co-Trainer Sascha Franz (l.) und Marc Hensel sind fest eingebunden, wenn es darum geht, die Mannschaft perfekt einzustellen.
Taktik im Team: Die Co-Trainer Sascha Franz (l.) und Marc Hensel sind fest eingebunden, wenn es darum geht, die Mannschaft perfekt einzustellen.  © Picture Point/Roger Petzsche

"Wir legen uns im Trainerteam - immer auf den Gegner zugeschnitten - einen Plan A und B zurecht", erläutert Schuster. Ersterer sah gegen die Sandhäuser u.a. vor, Größe ins Spiel zu bringen.

"Sandhausen ist im Schnitt die körperlich größte Mannschaft der 2. Liga und die beste nach Standards beziehungsweise der zweiten Welle danach. Entsprechend mussten wir auf Größe und Wucht achten", erklärt Schuster.

Wichtigen Input hierzu liefern seine Assistenten. Co-Trainer Sascha Franz (47) scoutet Gegner, wenn möglich live vor Ort. Marc Hensel (34) bereitet die Videoanalyse vor. In der Trainer-Besprechung liefern dann Daniel Haas (37) und Marco Kämpfe (49) spezifischen Input zu Torwartspiel und Athletik.

Schuster: "Am Flipchart stellen wir den Gegner anhand voraussichtlicher Aufstellung, Positionsgruppen, Größe, Schussfuß, Verhalten im Spiel mit und gegen den Ball sowie des erwarteten Spielstils nach. Danach legen wir unsere Marschroute zurecht." Diese trägt Schuster der Mannschaft in Video-Sitzungen und praxisnah im Training vor.

Wie das konkret aussehen kann, erklärt Schuster anhand zweier Beispiele. "Gegen den KSC wollten wir früh attackieren und Christoph Kobald (22) als Anspielstation zustellen." So, dass Daniel Gordon (36) zwangsläufig oft den Ball hatte - und der Innenverteidiger ist nicht für tödliche Pässe in die Tiefe bekannt.

Anders verhielt es sich beim 1:0 gegen den VfL Bochum. "Da durften wir erst ab dem Mittelfeld pressen, um nicht Gefahr zu laufen, dass Torhüter Manuel Riemann seine präzisen langen Bälle hinter die Kette spielt", so Schuster.

Titelfoto: Picture Point/Roger Petzsche

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