Zuschauer-Flaute nach Corona-Pandemie? So kämpft Aue gegen die Fan-Abkehr

Aue - Fans, die ihre Leidenschaft zurückfahren, sich millionenfach vom Profi-Fußball abwenden - Fanforscher prophezeien eine düstere Zukunft. Die Corona-Pandemie beschleunige diese Abkehr noch. Durch sie erscheinen Verwerfungen zwischen "denen" und "uns" wie unter dem Brennglas. Beim FC Erzgebirge Aue treibt es Geschäftsführer Michael Voigt (48) um.

FCE-Geschäftsführer Michael Voigt (48) tut alles dafür, dass es in Aue nicht zu einem massenweisen Wegbleiben der Fans kommt.
FCE-Geschäftsführer Michael Voigt (48) tut alles dafür, dass es in Aue nicht zu einem massenweisen Wegbleiben der Fans kommt.  © picture point/Sven Sonntag

"Der Fußball ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse und führt vor Augen, dass sich ein Riss quer durch Land, Leute und Gesellschaftsschichten zieht. Außerdem sehe ich die latente Gefahr, dass die emotionale Bindung verloren geht, wenn man ein Dreivierteljahr kein Stadion betreten darf. Deshalb müssen wir unsere Mitglieder und Fans bei der Stange halten und gleichzeitig Voraussetzungen schaffen, dass die Zuschauer nach dem Lockdown wieder die Ränge füllen", so Voigt.

Eine Maßnahme wurde unlängst angeschoben. Die Vereinsgaststätte wird momentan von Aue-Fans zu einer reinen Fan-Kneipe umgestaltet.

"Das sind diese Mosaiksteinchen, die das Wir-Gefühl stärken und den Spieltag mehr als 90 Minuten dauern lassen", erklärt Voigt: "Mittlerweile sind wir der Ostverein mit der längsten Zugehörigkeit zur 2. Liga. Da gibt es viele Geschichten und Anekdoten zu erzählen, Traditionen zu pflegen."

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Jene Traditionspflege ist ein weiterer Faktor. Auch hier habe der Kumpelverein ein heißes Eisen im Feuer, wie Voigt verrät: "Im März feiert unsere Fußball-Abteilung 75. Geburtstag. Dafür bereiten wir etwas - natürlich Corona-konformes - vor."

Aue-Geschäftsführer Voigt: "Fußballer sind auch nur Menschen und nicht frei von Fehlern."

Proppenvoll gefüllte Tribüne im Auer Erzgebirgsstadion - gehören die der Vergangenheit an? Die Forscher gehen davon aus, dass sich immer mehr Fans vom Profi-Fußball abwenden.
Proppenvoll gefüllte Tribüne im Auer Erzgebirgsstadion - gehören die der Vergangenheit an? Die Forscher gehen davon aus, dass sich immer mehr Fans vom Profi-Fußball abwenden.  © picture point/Sven Sonntag

Denn es ist die Vorbildfunktion, die vom Profi-Fußball immer wieder eingefordert wird.

Durch Spieler, die gegen Corona-Regeln verstoßen, wie Gladbachs Breel Embolo, mit einem nächtlichen Party-Ausflug oder Bayerns Corentin Tolisso, der sich ein Tattoo stechen ließ, nährt die Debatte zur Fan-Abkehr.

Voigt salomonisch: "Schlechte Bilder schaden unserer Branche, aber Fußballer sind auch nur Menschen und nicht frei von Fehlern. Man darf nicht jeden über einen Kamm scheren, muss jedoch als Verein klarmachen, was erlaubt ist und was nicht. Bei unserer erfahrenen Mannschaft mit vielen Familienvätern, mache ich mir da wenig Gedanken. Sie wissen, was es heißt, verantwortungsvoll aufzutreten."

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Und die Fans? "Vorkommnisse, wie gegen Düsseldorf darf es nicht mehr geben. Man sollte aber auch die Kirche im Dorf lassen, denn es zeigt, wie sehr ihnen die Bindung zum Stadion fehlt", meint Voigt.

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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