FC Erzgebirge Aue: "So ein Ergebnis gab es vielleicht zuletzt in der Amateur-Oberliga"

Aue - Klubchef Helge Leonhardt (62) hatte sich selbst nach der herben 3:8-Klatsche eine Nacht Bedenkzeit zugestanden, um aus der Emotion heraus nichts zu überstürzen.

Florian Ballas (28, M.) kam nicht nur beim 2:2 durch Sven Michel (30) einen Schritt zu spät.
Florian Ballas (28, M.) kam nicht nur beim 2:2 durch Sven Michel (30) einen Schritt zu spät.  © picture point/Sven Sonntag

Vielleicht hoffte er auch nur, schlecht geträumt zu haben, denn was der FC Erzgebirge Aue am Sonntag gegen den SC Paderborn anbot, passte eigentlich so gar nicht zur bisherigen Saison.

Oder doch?

Seitdem Aue sportlich gerettet ist, fehlte oftmals die Konsequenz. Nun war der Klassenerhalt mit dem 2:0 gegen Sandhausen praktisch durch.

Der frühe Zeitpunkt war gut fürs Nervenkostüm, schlecht für die Performance, da noch acht Partien ausstanden. Sechs davon sind gespielt, drei wurden verloren - Pauli, Nürnberg und Paderborn.

"Es zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Heimspiele, mit diesem Höhepunkt", kam die Niederlage für Leonhardt nicht aus heiterem Himmel. Dass sie derart heftig ausfiel, brachte auch ihn, der in rund 30 Jahren beim FCE viel erlebt hat, ins Grübeln.

"So ein Ergebnis gab es vielleicht zuletzt in der Amateur-Oberliga. Da haben wir die Spiele aber gewonnen", entwischte "Leo" ein verbaler Schmunzler.

Immerhin hat er die gute Laune nicht ganz eingebüßt.

Mehr als die Hälfte der Gegentore resultieren aus eigenen Fehlern bei den Veilchen

FCE-Coach Dirk Schuster (53) schlug die Hand vors Gesicht.
FCE-Coach Dirk Schuster (53) schlug die Hand vors Gesicht.  © picture point/Sven Sonntag

Wenn der Klubpatriarch zürnt, geht man besser in Deckung - oder tritt die Flucht nach vorn an.

Aue hätte genau das am Sonntag gutgetan, um sich der Paderborner Angriffe zu erwehren und die völlig überforderte Abwehr zu entlasten.

Doch genau das passierte erst zur zweiten Halbzeit, die Coach Dirk Schuster (53) mit dem gleichen Personal anging, das bis dahin durch hinten Einigeln ein 2:0 verspielte und bereits 2:4 zurücklag.

Erst zur 69. Spielminute erfolgte beim Stand von 3:5 der erste Doppelwechsel.

Als Niklas Jeck (19) zur 88. Minute als fünfter Neuer hineinkam, war das Debakel längst perfekt.

"Von den acht Gegentoren haben wir mehr als die Hälfte durch individuelle Fehler begünstigt, weil wir in der letzten Reihe den Ball verlieren, den Gegner nicht richtig markieren oder im Zweikampfverhalten nicht griffig sind. Das war bisher nicht so in dieser geballten Ladung von uns zu sehen", sah Schuster viel "Slapstick".

Aue-Spieler sehnten nach dem 3:6 nur noch den Schlusspfiff herbei

Klubpatriarch Helge Leonhardt nahm das Debakel nach außen stoisch hin - innerlich brodelte es aber heftig.
Klubpatriarch Helge Leonhardt nahm das Debakel nach außen stoisch hin - innerlich brodelte es aber heftig.  © picture point/Sven Sonntag

Zum Beispiel von Florian Ballas (28). Beim 2:2 tanzte ihn Sven Michel (30) aus und vor dem 3:5 vertändelte er den Ball am eigenen Sechzehner gegen Vorlagengeber Dennis Srbeny (27).

Martin Männel (33, 2:2/2:4/3:6) sah gleich dreimal nicht gut aus. Calogero Rizzuto (29) mimte nach Ballverlust den sterbenden Schwan und half Paderborn genauso beim Toreschießen wie Sören Gonther (34).

Jeder, der mal gegen den Ball getreten hat, weiß, dass sich jedes Veilchen spätestens nach dem 3:6 nix sehnlicher wünschte, als durch den Schlusspfiff erlöst zu werden.

Da half auch nicht, dass Dimitrij Nazarov (31) mit seinem Dreierpack einen absoluten Sahnetag erwischte.

3:8! So ein Ergebnis stand wohl noch nie auf der Anzeigetafel im Erzegbirgsstadion.
3:8! So ein Ergebnis stand wohl noch nie auf der Anzeigetafel im Erzegbirgsstadion.  © picture point/Sven Sonntag

Nun ist aber auch bekannt, welche Automatismen nach dieser (Nicht-)Leistung greifen. "Wir werden uns einiges anhören müssen. Das wird auch seine Berechtigung haben", ist sich Schuster bewusst.

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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