Aue-Coach Dirk Schuster: "Gute Vertrauensbasis mit den Spielern ist wichtiger denn je!"

Aue - Die Corona-Pandemie hat den Profifußball verändert. Doch inwiefern? Viele Einblicke, die früher gang und gäbe waren, fallen den mit den Hygieneauflagen einhergehenden Abstandsregeln anheim.

Er achtet auf seine Spieler: Trainer Dirk Schuster (l.) ließ Dimitrij Nazarov aus Fürth abreisen, damit er sich um seine Familie kümmern konnte.
Er achtet auf seine Spieler: Trainer Dirk Schuster (l.) ließ Dimitrij Nazarov aus Fürth abreisen, damit er sich um seine Familie kümmern konnte.  © picture point/Sven Sonntag

Bekannt ist, dass das Transfergebaren schaumgebremst war und Trainingslager im Winter entfielen. Doch wie gehen Spieler und vor allem Trainer mit den sich ändernden Bedingungen um? TAG24 hakte bei FC Erzgebirge-Coach Dirk Schuster (53) nach zu ...

... der überschaubaren zweiten Transferperiode und deren Auswirkungen auf die Rückrunde:

Dirk Schuster: "Verschiedene Vereine greifen normalerweise nochmal tief in die Schatulle, um ihre sportlichen Ziele zu realisieren. Der rückläufige Trend ist wohl in erster Linie Corona geschuldet, da die Klubs noch mehr darauf schauen, was sie in der Hosentasche haben, anstatt das Geld wie früher mit der Gießkanne zu verteilen. Das muss keine schlechte Entwicklung für den Fußball generell sein. Zumal es dem Qualitätslevel innerhalb der 2. Liga bisher keinen Abbruch tut. Die einzelnen Transfers müssen dann sitzen, man darf keine Fahrkarte schießen."

... der fehlenden Wintervorbereitung:

Schuster: "Jeder Verein muss damit umgehen, dass die Trainingslager weggefallen sind. Und jeder muss nun zusehen, in den Einheiten zwischen den Pflichtspielen jene Themen und Inhalte abzuarbeiten, um sich gezielt zu verbessern. Unsere Problematik dahingehend ist vor allem das Umschaltspiel in die Offensive. Hier muss es uns gelingen, häufiger die richtigen Lösungen zu finden. Das betrifft unter anderem die Passschärfe und -qualität sowie das Tempo mit dem Ball."

... Mannschaftsführung und Teambuilding in Corona-Zeiten:

Schuster: "Die Gesundheit ist das höchste Gut. Das betrifft unsere Spieler wie deren Angehörige - und das steht klar über dem Wettbewerb. Sobald die Gesundheit der Spieler infrage gestellt ist oder Familienangehörige betroffen sind, stellen wir sie vor die freie Wahl. Das war gegen Fürth bei Dimitrij Nazarov der Fall, der in der Nacht zuvor aus dem Mannschaftshotel abgereist ist, weil ein gesundheitliches Problem im engen Familienkreis bestand. Eine gute Vertrauensbasis mit den Spielern ist momentan wichtiger denn je, um gewisse Befindlichkeiten auszuloten und als Mannschaft in dieser speziellen Zeit zusammenzustehen. Teambuilding durch Kegelabend oder Hochseilgarten geht derzeit eben nicht. Da setzen wir auf viele Gespräche und abwechslungsreiche Trainingsprogramme, zum Beispiel zuletzt mal ein Übungsspiel im Schnee."

Was für eine Matte: Dirk Schuster 1994 im Trikot des Karlsruher SC. Trotz geschlossener Firsörläden, "Vokuhila" kommt für den FCE-Trainer heute nicht mehr infrage.
Was für eine Matte: Dirk Schuster 1994 im Trikot des Karlsruher SC. Trotz geschlossener Firsörläden, "Vokuhila" kommt für den FCE-Trainer heute nicht mehr infrage.  © imago images/Pressefoto Baumann

... einer Renaissance des "Vokuhila" im Friseur-Lockdown:

Schuster: "Sie zielen auf meinen Style als aktiver Fußballer ab (lacht). Bisher kam noch kein Spieler auf mich zu. Es ist auch nicht mehr zeitgemäß, denn das war eine andere Zeit und eine andere Art von Spielern auf dem Platz. Seither hat sich viel gewandelt. Ich bin mir sicher: Bevor sich unsere Spieler solche Frisuren zulegen, greifen sie lieber selbst zur Schere (lacht)."

Titelfoto: imago images/Pressefoto Baumann

Mehr zum Thema FC Erzgebirge Aue:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0