Sprachlos, ratlos, fassungslos! Pokal-Aus erschüttert Aue bis ins Mark

Aue - Sprachlos, ratlos, fassungslos: Das frühe Aus im DFB-Pokal bei Regionalligist SSV Ulm 1846 (0:2) traf den FC Erzgebirge ins Mark. Der Auftritt war blamabel und die Prämie für den Einzug in die zweite Runde - 2019/20 gab es hierfür 351.000 Euro - wurde fahrlässig verspielt.

Die Ulmer feierten ausgelassen ihren Sieg auf dem Rasen.
Die Ulmer feierten ausgelassen ihren Sieg auf dem Rasen.  © dpa/Stefan Puchner

Wie geprügelte Knaben schlichen die Veilchen kurz nach 20.15 Uhr vom Spielfeld. 

Kapitän Martin Männel und Florian Ballas besaßen als einzige Spieler die Traute, um Rede und Antwort zu stehen. 

"Ganz klar nervt diese Niederlage extrem. Sie war unterm Strich auch verdient. Die Ulmer drehen deswegen ihre Siegerrunde im Stadion und feiern sich zurecht", erkannte Männel neidlos an. 

Er ließ keine Ausreden gelten, hatte er doch eindringlich gewarnt, dass man als Zweitligist ohnehin nur verlieren könne: "Es ist genau das eingetreten, was alle befürchtet hatten."

Spätestens nach der misslungenen Generalprobe gegen Dynamo Dresden wussten sie im Erzgebirge, dass es am Zweikampfverhalten hapert, die Spritzigkeit fehlt und wenn sich vorne einmal Großchancen bieten, diese fahrlässig vergeben werden. 

All das fiel gegen Ulm auf die Füße.

Aue-Keeper Männel: "Wir verteidigen den Standard nicht gut zu Ende"

Parierte mehrfach großartig, konnte die Niederlage aber auch nicht verhindern: Aues Keeper Martin Männel.
Parierte mehrfach großartig, konnte die Niederlage aber auch nicht verhindern: Aues Keeper Martin Männel.  © imago images/Baur

Das 0:1 entstand im Anschluss an einen Freistoß. Vinko Sapina wurde nicht attackiert und konnte so den Ball mit dem Rücken zum Tor in den Strafraum chippen. 

Dort setzte sich Angelo Rinaldi durch und legte per Kopf für Tobias Rühle auf. "Wir verteidigen den Standard nicht gut zu Ende. Das ist ein altes Leid aus den letzten Saisons, das wir anscheinend konstant mit in die neue Saison nehmen", zeigte sich Männel etwas ratlos.

Da war es 20.34 Uhr. 

FCE-Coach Dirk Schuster saß währenddessen schon seit Minuten alleine und gedankenversunken in seinem Trainerstuhl, die Arme verschränkt. Man musste kein Prophet sein, um zu wissen, dass ihm das Gesehene und Geschehene an die Nieren ging.

 "Wir wussten von vornherein, was Ulm vorhat, haben es aber einfach nicht verstanden, diese kompakte Mannschaft mit ihrer Aggressivität - auch das haben wir gewusst - so zu bremsen, dass wir unseren Fußball besser aufziehen konnten", kritisiert Schuster.

Die Auer schlichen nach Spielende enttäuscht vom Platz.
Die Auer schlichen nach Spielende enttäuscht vom Platz.  © picture point/Sven Sonntag

FCE-Trainer Schuster: "Haben zu viele einfache Fehler gemacht"

Hockte nach dem Abpfiff gedankenversunken auf seinem Stuhl, war nach der Pokal-Pleite ratlos: FCE-Coach Dirk Schuster.
Hockte nach dem Abpfiff gedankenversunken auf seinem Stuhl, war nach der Pokal-Pleite ratlos: FCE-Coach Dirk Schuster.  © picture point/Sven Sonntag

Stießen die Vorgaben des Fußballlehrers auf taube Ohren? "Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht und nicht genügend Tempo in unseren Aktionen gehabt", schenkte Schuster den anwesenden Journalisten reinen Wein ein, während im Hintergrund, in den Katakomben unterhalb der Haupttribüne des Ulmer Donaustadions ein Sektkorken knallte.

Sekt für Ulm, Selters für Aue - das passte zur Szenerie. 

"Wir haben uns klar den Schneid abkaufen lassen, was die unterklassige Mannschaft im Pokal immer probiert und wir auch wussten, nur nicht entsprechend reagiert haben", arbeitete es in Schuster. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: "Mehr als darauf hinweisen, wer die gefährlichen Spieler sind, wie die Automatismen sind und das in die Spielformen einzubringen sowie die Lösungsvorschläge dazu, ist neben der Motivation der Mannschaft nicht machbar."

Eine solche Manöverkritik hat man vom 52-Jährigen in Aue bisher kaum gehört.

Titelfoto: Picture Point/Sven Sonntag/

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