Fehler im System FCE? Aue handelte ohne Not und steckt in höchsten Nöten

Aue - Teilt der FC Erzgebirge dieses Jahr das Schicksal der Würzburger Kickers? Der Aufsteiger lieferte keine Ergebnisse und hing früh tief in der Abstiegszone fest. Als sich die Resultate einstellten und in der Rückrunde regelmäßig gepunktet wurde, war die Hypothek bereits zu groß.

Noch scheint die Chemie zwischen Trainer Aleksey Shpilevski (33, 2.v.r.) und seiner Mannschaft nicht zu stimmen.
Noch scheint die Chemie zwischen Trainer Aleksey Shpilevski (33, 2.v.r.) und seiner Mannschaft nicht zu stimmen.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist eine Blaupause, die kein Club gerne vor sich liegen hat. Schnell weg, ab in den Papierkorb damit. Doch Aue droht ein ähnliches Szenario, wenn nicht ... Ja, was eigentlich?

Der eingeschlagene Weg wurde bewusst gewählt. Dirk Schuster (53) schickte der Kumpelverein trotz zwei souveräner Klassenerhalte in die Wüste, weil die Mannschaft mental ausgebrannt schien.

Das i-Tüpfelchen lieferte ein 3:8 gegen Paderborn. Das kratzte massiv an der Ehre der Wismut-DNA.

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Eine Niederlage kann man am Trainer festmachen. Doch es stehen auch noch elf Mann auf dem Feld, die die Höhe in Grenzen halten können, statt in ihre Einzelteile zu fallen. Schließlich wird gefordert, dass jeder in Lila-Weiß jene Vereins-DNA verinnerlicht hat.

Der Cheftrainer kann sie nicht einimpfen. Aue muss man leben und nicht nur davon reden, weil es bei den Fans gut ankommt.

Ist das neue System schon gescheitert?

Der Blick geht trotz aller Schwierigkeiten voraus: FCE-Coach Aleksey Shpilevski hat jetzt zwei Wochen Zeit, um seine Truppe in die Spur zu bringen.
Der Blick geht trotz aller Schwierigkeiten voraus: FCE-Coach Aleksey Shpilevski hat jetzt zwei Wochen Zeit, um seine Truppe in die Spur zu bringen.  © Frank Molter/dpa

Deswegen ist das auch nicht die Aufgabe von Aleksey Shpilevski (33), der noch weniger regional verwurzelt ist als ein Schuster. Andersherum ist Herkunft kein Ausschlusskriterium, siehe Domenico Tedesco (35). Der schaffte es, alles abzurufen, was ging.

Allerdings startete er nicht mit der Bürde, einmal nahezu alles auf links zu drehen. Shpilevski sollte es. Er tat es rigoros. Kannte keine Tabus.

Pascal Testroet (30) passte nicht ins System. Mit 30 Jahren ohnehin zu alt - und seit Corona mittlerweile auch zu teuer? Medial der Super-GAU. Von der Chefetage gutgeheißen, weil nicht verhindert. Schließlich braucht nur der Überbringer der Nachricht ein schnelles Pferd.

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Man hätte auch zweigleisig agieren können. Testroet halten und ihn fordern, sich im Training anzubieten. Zeitgleich Shpilevski nahelegen, Aues besten Torjäger der letzten drei Jahre ins neue System einzubinden.

Fest steht doch: Scheitert das neue System - und damit dann auch Shpilevski - besinnt man sich auf das zurück, was die letzten Jahre erfolgsversprechend war. Nur jetzt ohne Torgarant Testroet.

Das ist der Fehler im System, der nicht nur auf der Trainerbank zu suchen ist.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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