Gelingt die Kehrtwende oder teilt Aue das Würzburger Schicksal?

Aue - Der FC Erzgebirge Aue steht nach dem achten Spieltag am Scheideweg: Entweder gelingt die Kehrtwende oder Aue teilt das Schicksal der Würzburger Kickers, die letztes Jahr von der 2. in die 4. Liga durchgereicht wurden.

Trainer Timo Rost (44) hat sich eine Mannschaft zusammengestellt, die bisher den Nachweis ihrer Drittligatauglichkeit schuldig blieb.
Trainer Timo Rost (44) hat sich eine Mannschaft zusammengestellt, die bisher den Nachweis ihrer Drittligatauglichkeit schuldig blieb.  © picture point/Sven Sonntag

Es ist an der Zeit, dass sich alle im Schacht hinterfragen, denn gerade das Derby gegen den FSV Zwickau (0:1) war ein Komplettversagen auf allen Ebenen.

Trainer

Timo Rost hat die 3. Liga unter- und seine Mannschaft überschätzt. Anders lässt sich nicht erklären, dass er sich selbst hinterfragen will, warum seine Spieler die Vorgaben Wochenende für Wochenende nicht umsetzen. Dazu hat der 44-Jährige bis zum achten Spieltag noch nicht die erste Elf gefunden.

FC Erzgebirge Aue testet auch gegen Thalheim und Cottbus
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Ständige Rotationen tragen weder dazu bei, dass sich die Mannschaft findet und eingespielt ist, noch fördert es das Selbstvertrauen, sondern verunsichert die Spieler eher. Weiter verwundert, wieso ein Marco Schikora, der u.a. wegen seiner Torgefahr nach Standards geholt wurde, zuletzt die Restraumabsicherung übernahm, statt in der Box auf die Bälle zu lauern oder ein Steffen Nkansah als Rechtsfuß den linken Innenverteidiger spielt.

Mannschaft

Es fehlt an einer klaren Hierarchie und Charakteren, die vornweg gehen. Kapitän Dimitrij Nazarov reklamiert mehr, als das er führt. Ulrich Taffertshofer, Alexander Sorge oder Korbinian Burger sind auf dem Platz auch mehr mit sich beschäftigt, statt die Nebenleute an die Hand zu nehmen und mitzuziehen.

Auftreten der Fans keine Werbung für potenzielle Neuzugänge

Szenen wie diese kannte man in der Vergangenheit aus dem Erzgebirgsstadion eher nicht.
Szenen wie diese kannte man in der Vergangenheit aus dem Erzgebirgsstadion eher nicht.  © Picture Point/Gabor Krieg

Vereinsführung

Klubchef Helge Leonhardt (63) hielt sich im Sommer bei der Kaderplanung mehr im Hintergrund und ließ Rost jenen Spielraum, den seine Vorgänger nicht derart hatten. Insofern hat er aus vergangenen Fehlern gelernt.

Ob er aber den richtigen Trainer geholt hat oder den vierten Wechsel auf der Bank binnen nicht mal anderthalb Jahren vornehmen muss, wird sich zeitnah erweisen. Doch auch die operative Geschäftsführung gibt keine gute Figur ab, wie die Derbys gegen Dresden und vor allem Zwickau bewiesen.

Aue-Neuzugänge im Check: Wer war eine Verstärkung?
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Das Sicherheitskonzept vom Sonntag war ein Witz: Aue-Fans, die fast über das komplette Feld stürmen konnten, wobei die Security viel zu langsam reagierte und anschließend wie Platzanweiser die Chaoten nach draußen geleiteten. Zigfacher Pyro-Einsatz. Dazu ein versuchter und ein vollzogener tätlicher Angriff auf FSV-Spieler. Ganz zu schweigen von Pöbeleien und Beleidigungen, als die Zwickauer aus dem Mannschaftsbus stiegen.

Fans

Zugegeben sind Verein und Fans immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und nach über zwei Corona-Jahren, Energiekrise und Inflation ist die Zündschnur kurz. Das rechtfertigt oder entschuldigt aber mitnichten tätliche Angriffe auf gegnerische Spieler, Beleidigungen oder Becherwürfe und Pöbeleien gegen Spielerfrauen und deren Kinder.

Den eigenen Spielern bei allem verständlichen Frust bereits am achten Spieltag entgegenzuschleudern "Wir sind Aue und ihr nicht!", ist kontraproduktiv. Das ist kein Wachrütteln, sondern Verunsichern. Das sorgt für Beklommenheit und jeder Spieler geht mit mentaler Anspannung in die nächste Partie. Außerdem ist dieses Auftreten keine Werbung für potenzielle Neuzugänge.

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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