Aue-Coach Müller enttäuscht: Können die Veilchen überhaupt Abstiegskampf?

Aue - "Zweikampfverhalten, Leidenschaft, füreinander einstehen, all das, was es benötigt, um Abstiegskampf zu führen und wir uns für das letzte Heimspiel vorgenommen hatten, ließen wir vermissen", zeigte sich Interimstrainer Carsten Müller (51) von seiner Mannschaft maßlos enttäuscht. Beim 0:2 (0:1) gegen den MSV Duisburg bot der FC Erzgebirge Aue den 6313 Zuschauern ein emotionsloses Heimspiel.

FCE-Interimstrainer Carsten Müller (51) schimpfte während der Partie wie ein Rohrspatz und sparte auch nachher nicht mit harscher Kritik.
FCE-Interimstrainer Carsten Müller (51) schimpfte während der Partie wie ein Rohrspatz und sparte auch nachher nicht mit harscher Kritik.  © Picture Point/Gabor Krieg

Da stand keine Mannschaft auf dem Feld, sondern elf Akteure, die mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt schienen. Die Gegentore - das 0:1 lenkte Alexander Sorge (29, 27.) mit dem Knie ins eigene Tor - und das 0:2 von Kolja Pusch (29, 49.) stärkten das Nervenkostüm nicht gerade.

Dazu kam eine Zebra-Herde, die Aue früh anstürmte, Passspiel unterband und dafür auch mal ruppig in die Zweikämpfe ging.

"Ich hatte manchmal das Gefühl, derjenige von uns, der den Ball hatte, war der ärmste Spieler", registrierte Müller das Alibi-Verhalten bei eigenem Ballbesitz. Nahezu das ähnliche Fazit zog Kapitän Martin Männel (34) vor sechseinhalb Wochen, als die Veilchen im Sachsenpokal bei Fünftligist Eilenburg mit Hängen und Würgen eine Runde weiterkamen.

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Damals folgten zwei Siege, darunter das 3:0 gegen Meppen - einer von nur zwei (!) Heimsiegen im Kalenderjahr 2022. Männel, der sich beim 0:3 in Köln vor die Mannschaft stellte, hätte nach der (Nicht-)Leistung gegen Duisburg wie Interimscoach Müller nicht mit Kritik sparen dürfen.

FCE-Keeper Martin Männel (34) krallte sich diesen Ball, landete dann aber hart auf dem Rücken.
FCE-Keeper Martin Männel (34) krallte sich diesen Ball, landete dann aber hart auf dem Rücken.  © imago/Jan Hübner
Martin Männel (34) wurde behandelt, musste aber früh raus.
Martin Männel (34) wurde behandelt, musste aber früh raus.  © imago/Jan Huebner

"In den letzten Heimspielen haben wir gezeigt, dass wir es anders können."

Alexander Sorge (29, r.) am Boden - er lenkte den Ball zum 0:1 ins eigene Tor.
Alexander Sorge (29, r.) am Boden - er lenkte den Ball zum 0:1 ins eigene Tor.  © IMAGO/Frank Kruczynski

Der 34-Jährige konnte es nicht, da er bereits zur neunten Minute mit Verdacht auf Rückenprellung verletzungsbedingt ausgewechselt wurde, wie später auch Boris Tashchy (29, 38./Knöchel) und Tom Baumgart (24, 75./Leistenprobleme).

Marvin Stefaniak (27) musste zudem kurzfristig wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel passen. Ihr Ausfall wiegt schwer.

Männel wäre vielleicht einer gewesen, der wenigstens mal eine Ansage auf dem Platz macht. Denn mit der Körpersprache verhielt es sich wie mit dem von Müller angesprochenen Zweikampfverhalten und der Leidenschaft: Sie war nicht vorhanden.

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"Es kann nicht sein, dass wir zwei, drei verletzte Spieler haben, uns aber selbst in den Zonen, wo es hart auf hart kommt und wehtut, nicht wehren", kritisierte Müller den laschen Auftritt.

Philipp Klewin (29) ersetzte den verletzten Martin Männel (34), sah beim 0:2 aber nicht sehr glücklich aus.
Philipp Klewin (29) ersetzte den verletzten Martin Männel (34), sah beim 0:2 aber nicht sehr glücklich aus.  © imago/Kruczynski
Nicht das erste Mal in dieser Saison: Die Auer Spieler mussten sich den enttäuschten Fans erklären.
Nicht das erste Mal in dieser Saison: Die Auer Spieler mussten sich den enttäuschten Fans erklären.  © Picture Point/Gabor Krieg

Können die Spieler keinen Abstiegskampf oder wollen sie nicht dahin gehen, wo es wehtut, wurde Müller gefragt. "In den letzten Heimspielen haben wir gezeigt, dass wir es anders können. Da gibt es auch keine Ausreden, denn so können wir in dieser Liga nicht bestehen. Das muss bei jedem ankommen!", fordert der 51-Jährige ein.

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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