Prozess gegen Aue-Profi Fandrich: "Wochenlang hatte ich Bauchschmerzen"

Aue - Stundenlanges Hoffen und Bangen bei der Berufungsverhandlung vor dem DFB-Bundesgericht endeten für Clemens Fandrich (30) in einem Teilerfolg. Nicht sieben Monate, sondern sieben Meisterschaftsspiele beträgt die Sperre für den 30-jährigen Mittelfeldspieler des FC Erzgebirge Aue. Dazu wurde der Tatvorwurf "Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter-Assistenten" kassiert und stattdessen eine "grobe Unsportlichkeit" geahndet.

Schiedsrichter Nicolas Winter (29, r.) hatte Clemens Fandrich (30) wegen einer mutmaßlichen Spuckattacke die Rote Karte gezeigt.
Schiedsrichter Nicolas Winter (29, r.) hatte Clemens Fandrich (30) wegen einer mutmaßlichen Spuckattacke die Rote Karte gezeigt.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Als der Urteilsspruch erging, fiel Fandrich eine zentnerschwere mentale Last von den Schultern. "Das war ein nervenaufreibender Prozess. Wochenlang hatte ich Bauchschmerzen wegen des drohenden Saisonaus für etwas, was ich nicht getan hatte", spricht er die ihm vorgeworfene angebliche Spuckattacke gegen Linienrichter Roman Potemkin beim Heimsieg gegen Ingolstadt an.

"Jeder, der mir nahe steht, wurde damit konfrontiert und wäre es weiterhin geworden. Umso glücklicher bin ich, dass dieser falsche Vorwurf und die damit einhergehende Stigmatisierung vom Tisch sind."

Statt bis Saisonende muss "Fanne" (nur) noch fünf Spiele zuschauen - zwei Partien hat er mit Hannover und Heidenheim bereits abgesessen. Er ist somit zum 19. Spieltag bei St. Pauli wieder spielberechtigt.

Aue-Sportchef hüllt sich vorerst zur Trainer-Entscheidung im Schweigen
FC Erzgebirge Aue Aue-Sportchef hüllt sich vorerst zur Trainer-Entscheidung im Schweigen

Mit dazu geführt hat dreierlei. Erstens: FCE-Vereinsjustiziar Kay Werner ging vehement gegen den Urteilsspruch des DFB-Sportgerichts vor, berief sich zudem auf den Funkverkehr der Unparteiischen des Ingolstadt-Spiels. Zweitens: Das DFB-Bundesgericht sah keine geschlossene Indizienkette, die für eine Tätlichkeit sprach. Drittens: Fandrichs tadellose Sportlerkarriere mit u.a. nur einer Gelb-Roten Karte in zwölf Profi-Jahren.

Den Ruf wiederhergestellt zu wissen, für Fandrich Balsam auf die geschundene Seele: "Ich danke meinem Anwalt Kay Werner. Das war ein super Job!"

Clemens Fandrich (30) mit Oskar Riedmeyer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Bundesgerichts.
Clemens Fandrich (30) mit Oskar Riedmeyer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Bundesgerichts.  © Alex Grimm/Getty Images

Bleibt nur die Frage, ob die Abänderung von Urteil und Strafmaß als Pyrrhussieg oder vollumfänglicher Erfolg zu werten sind. Fandrich begegnet weiteren rechtlichen Schritten seinerseits gegen den Urteilsspruch vom Donnerstag pragmatisch: "Ich muss das alles erstmal zwei Nächte sacken und mich beraten lassen."

Titelfoto: Alex Grimm/Getty Images

Mehr zum Thema FC Erzgebirge Aue: