Neubeginn für den FC Erzgebirge Aue: "Wir müssen zum Trainer stehen"

Aue - Der FC Erzgebirge Aue sitzt zwischen Baum und Borke. Corona engt den finanziellen Spielraum ein. Die Abgänge sind gravierend, die bisherigen Zugänge nicht der große Wurf. Gleichzeitig wurde eine bewusste Abkehr vom geradlinigen Dirk-Schuster-Stil hin zu etwas Neuem herbeigeführt. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Und dann wird es richtig teuer!

Werden Tom Baumgart (23) & Co. die Vorstellungen von Aleksey Shpilevski (33, l.) umsetzen können?
Werden Tom Baumgart (23) & Co. die Vorstellungen von Aleksey Shpilevski (33, l.) umsetzen können?  © Picture Point/Roger Petzsche

Derzeit streicht der Kumpelverein rund 8,25 Millionen Euro an Fernsehgeldern ein. Im Abstiegsfall sackt der Betrag auf etwas mehr als eine Mio. Euro ab. Um dies zu verhindern, braucht Aue eine konkurrenzfähige Mannschaft. Genau daran hapert es.

Florian Krüger (22) war wegen der im Zuge der Vertragsverlängerung zugestandenen Ausstiegsklausel von einer Million Euro nicht länger zu halten. Pascal Testroet (30) dagegen wurden keine Steine in den Weg gelegt, weil Coach Aleksey Shpilevski (33) in seinem System keinen Platz für den 30-jährigen Angreifer sah.

Mag sein, dass sich Testroet auch hätte hineinfuchsen können und selbst den Weg des geringeren Widerstands wählte, zumal sich mit Sandhausen ein dankbarer Abnehmer fand. Dass die Chefetage um Klubchef Helge Leonhardt dies so einfach geschehen ließ, lässt aufhorchen.

Das Knie! Erzgebirge Aue-Verteidiger Kalig macht Schluss
FC Erzgebirge Aue Das Knie! Erzgebirge Aue-Verteidiger Kalig macht Schluss

Unter Schuster gab es noch Knatsch, als dieser 2019 mit Testroet über Kreuz lag. Da bat Leonhardt zum Krisengespräch und alle rauften sich zusammen. Das Ergebnis waren zweimal der souveräne Klassenerhalt und ein Torjäger, der garantiert zweistellig traf.

Aue-Boss Leonhardt: "Wir müssen den Kader verjüngen."

FCE-Boss Helge Leonhardt (62, l.) bittet um Geduld mit Neu-Coach Aleksey Shpilevski (33).
FCE-Boss Helge Leonhardt (62, l.) bittet um Geduld mit Neu-Coach Aleksey Shpilevski (33).  © Picture Point/Roger Petzsche

Wenig verwunderlich rumort es im Erzgebirge. Shpilevski schlug im Lößnitztal auf wie die Sojus-Kapsel in der kasachischen Steppe. Seine Vergangenheit bei RB Leipzig macht es dem 33 Jahre alten Weißrussen in Fankreisen nicht leichter. Sich mit diesem Leumund die Sporen zu verdienen, kann gelingen oder in einer Bruchlandung münden.

Klubpatriarch Leonhardt weiß dies. "Wir müssen zum Trainer stehen. Wir machen einen Neubeginn. Wir müssen den Kader verjüngen. Es ist schwierig, einen Generationswechsel zu vollziehen. Mit der Rückrunde wärst Du abgestiegen. Die Mannschaft war ausgebrannt, war satt, war tot", bat Leonhardt (62) um Geduld.

Sein Wort ist noch immer Gesetz. Der 62-Jährige vermag es, die Reihen zu schließen, selbst bei einem Fehlstart, der bei dem knackigen Auftaktprogramm in Nürnberg, gegen St. Pauli, auf Schalke und danach Sandhausen drin ist.

"Veilchen" weiter sieglos: Hensels Joker lassen Aue nur kurz hoffen
FC Erzgebirge Aue "Veilchen" weiter sieglos: Hensels Joker lassen Aue nur kurz hoffen

Wie man dann zu Shpilevski steht, bleibt abzuwarten. Zumal der Neu-Trainer dann auch an Aussagen gemessen wird, wie die, er habe eine Mannschaft in desolater Verfassung vorgefunden. Eine Spitze gegen seinen Vorgänger im Amt, der damit souverän die 2. Liga hielt.

Titelfoto: Picture Point/Roger Petzsche

Mehr zum Thema FC Erzgebirge Aue: