Neuer Projektleiter oder Verwalter? Was Erzgebirge Aue jetzt braucht

Aue - Aleksey Shpilevski (33) ereilte dasselbe Schicksal wie seinen Vorgänger Dirk Schuster (53). Ein katastrophaler Auftritt gegen den SC Paderborn besiegelte das Aus beim FC Erzgebirge Aue. Zwei Trainer, zwei unterschiedliche Typen, ein Los.

Da war die Laune noch gut: Helge Leonhardt (62) stellte Aleksey Shpilevski (33) Mitte Juni als neuen Trainer vor.
Da war die Laune noch gut: Helge Leonhardt (62) stellte Aleksey Shpilevski (33) Mitte Juni als neuen Trainer vor.  © Picture Point / Sven Sonntag

Legt man das 3:8 vom Frühjahr und das 1:4 am Sonntag übereinander, ergeben sich gewisse Parallelen. Von haarsträubenden Fehlern zu reden, ist noch untertrieben. Dass sie teils den gleichen Spielern unterliefen oder von ihnen (Nicht-)Leistungen gezeigt wurden, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Zuschauers.

Rund 5000 investierten ihr sauer erarbeitetes Geld in ein Ticket, um ihren Kumpelverein live im Erzgebirgsstadion zu erleben. Und aufgrund persönlicher Befindlichkeiten bitter enttäuscht zu werden?

FCE-Geschäftsführer Michael Voigt (49) zeigte sich enttäuscht von den Profis, Angestellte des Vereins. Auf der angesichts der prekären Lage für Montag einberufenen Dringlichkeitssitzung der Vereinsgremien stand dies zur Sprache. Letztlich vergossene Milch.

Dotchev und Hensel: Dieses Duo soll Erzgebirge Aue in die Spur bringen
FC Erzgebirge Aue Dotchev und Hensel: Dieses Duo soll Erzgebirge Aue in die Spur bringen

Entscheidend ist zweierlei: Welche Lehren und/oder Konsequenzen werden gezogen? Opponiert ein Spieler gegen den Trainer, greift er die Integrität der Vereinsführung an. Präsident Helge Leonhardt (62) musste feststellen, dass Shpilevski die Mannschaft nicht mehr erreichte oder sie ihn.

Weil sich Shpilevski nicht um Erbhöfe scherte und keine Bonuspunkte verteilte für jene, die die letzten Jahre die Knochen hinhielten.

Verträgt Aue einen neuen Projektleiter überhaupt oder braucht es vielmehr einen Stabilisator?

Dirk Schuster (53, l.) und Präsident Helge Leonhardt (62) im Februar 2020. Am 28. Mai 2021 trennte man sich.
Dirk Schuster (53, l.) und Präsident Helge Leonhardt (62) im Februar 2020. Am 28. Mai 2021 trennte man sich.  © Picture Point / Roger Petzsche

Schuster rieb sich zwar zu Beginn an Pascal Testroet (30) und brauchte Zeit, Florian Krüger (22) in sein System einzubinden, vertraute aber auf das bestehende Korsett - und scheiterte trotzdem.

Dabei sprachen zwei souveräne und frühe Klassenerhalte für sich. Doch die Mannschaft wähnte man mental ausgebrannt, die Leistung im Frühjahr abstiegsreif. Doch genau diese Entwicklung schreibt Aue in der Herbstrunde 2021/22 fort. Trotz neuer Impulse, trotz elf Zugängen und neuem Trainer samt Stab mit Athletiktrainer und Videoanalyst.

"Ich habe an das Projekt geglaubt, aber so ist es nicht umsetzbar. Wir müssen ein neues Projekt starten, in der Hoffnung und Zuversicht, dass wir wieder auf Kurs kommen", sagte Leonhardt Sonntagnachmittag.

Nach mutmaßlicher Spuck-Attacke von Aue-Spieler Fandrich: Gerichtstermin steht fest
FC Erzgebirge Aue Nach mutmaßlicher Spuck-Attacke von Aue-Spieler Fandrich: Gerichtstermin steht fest

Verträgt Aue einen neuen Projektleiter überhaupt oder braucht es vielmehr einen Stabilisator, der die geknickten Veilchen wieder aufrichtet. Und nicht an den Wurzeln zerrt. Das obliegt der Chefetage im nächsten Sommer, denn sonst ist der nächste Trainer wieder nur einer auf Abruf.

Und täglich grüßt das Murmeltier... Marc Hensel muss erneut als Feuerwehrmann bei den Veilchen einspringen, wird die Mannschaft wieder einmal interimsmäßig betreuen.
Und täglich grüßt das Murmeltier... Marc Hensel muss erneut als Feuerwehrmann bei den Veilchen einspringen, wird die Mannschaft wieder einmal interimsmäßig betreuen.  © Frank Kruczynski
Liegen auf einer Wellenlänge: Helge Leonhardt (62, l.) freut sich mit Marc Hensel (35) nach dem 1:1 auf Schalke.
Liegen auf einer Wellenlänge: Helge Leonhardt (62, l.) freut sich mit Marc Hensel (35) nach dem 1:1 auf Schalke.  © Picture Point / Sven Sonntag

Solange der Neue nicht gefunden ist, übernimmt 'Co' Marc Hensel (35) die Verantwortung. Laut Geschäftsführer Voigt dürfe dieser bis zu 15 Tage interimsweise fungieren.

Titelfoto: Bildmontage: Picture Point / Sven Sonntag, Picture Point / Roger Petzsche, Frank Kruczynski

Mehr zum Thema FC Erzgebirge Aue: