Krise beim FC Erzgebirge Aue: Schoss das Team den Trainer ab?

Aue - Allen Treueschwüren zum Trotz hat FCE-Präsident Helge Leonhardt (62) doch nach nur sieben Spieltagen bei Aleksey Shpilevski (33) die Reißleine gezogen. Die Trennung war nach dem 1:4 gegen den SC Paderborn zwangsläufig. Weniger des Resultats wegen, sondern wie es zustande kam und was es für ein Echo erzeugte.

FCE-Boss Helge Leonhardt (62) stand lange felsenfest hinter Aleksey Shpilevski (33, r.) - zu lange?
FCE-Boss Helge Leonhardt (62) stand lange felsenfest hinter Aleksey Shpilevski (33, r.) - zu lange?  © imago images/Team2

Fortuna Kölns Mäzän Jean "De Schäng" Löring schmiss seinen Coach Toni Schumacher einst im Dezember 1999 in der Pause raus. Bis heute die legendärste Entlassung in der 2. Liga. In Aue hielten sie am Sonntag bis 15 Minuten nach Abpfiff still. Die Entscheidung stand da schon fest. Shpilevski hatte fertig.

Die offensiv ausgerichtete Aufstellung des 33-Jährigen gegen konterstarke Ostwestfalen erschien gewagt. Antonio Mance, Babacar Gueye, Nikola Trujic und Ben Zolinski sollten durch Kick and Rush für Tore sorgen. Im Mittelfeld spielte sich kaum etwas ab, es war schlichtweg abgemeldet.

Ebenfalls nur physisch auf dem Feld die Abwehr, die dieser Bezeichnung spottete. Marco Stiepermann (4./48.) Sven Michel (26.) und Felix Platte (38.) wurden regelrecht angefleht, man möge sie doch abschießen. Und von Shpilevski erlösen?

Noch sieglos, aber Aue-Teamchef Hensel sicher: "Definitiv in der Lage, jeden Gegner zu schlagen!"
FC Erzgebirge Aue Noch sieglos, aber Aue-Teamchef Hensel sicher: "Definitiv in der Lage, jeden Gegner zu schlagen!"

Gegen den Trainer zu spielen, ist ein straffer Vorwurf, doch Leonhardts Worte geben Raum für Interpretationen. "Ich hatte mich mit Aleksey ausgesprochen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht oder sie ihn. Wie man es auch hinstellen will", so Leonhardt.

Nachfragen waren nicht gestattet und Leonhardt präzisierte seine Aussagen später auch nicht weiter. Man braucht aber kein Elefantengedächtnis, um sich ans vorige Heimspiel gegen Paderborn zu erinnern. Das 3:8 besiegelte einst mit das Schicksal von Dirk Schuster. Im Frühjahr wähnte Leonhardt die Mannschaft mental ausgebrannt. Sonntagnachmittag war es um sie nicht besser bestellt.

Die Auer Verlierer trauten sich nach dem Spiel nur zaghaft in die Fankurve.
Die Auer Verlierer trauten sich nach dem Spiel nur zaghaft in die Fankurve.  © Picture Point/Gabor Krieg

Ist Ex-Dynamo-Coach Kauczinski heißer Kandidat für Aue?

Markus Kauczinski (51) war zuletzt bei Dynamo, ist aber seit Sommer vertragslos.
Markus Kauczinski (51) war zuletzt bei Dynamo, ist aber seit Sommer vertragslos.  © Lutz Hentschel

Dimitrij Nazarov (31) stellte deswegen die Charakterfrage. "Wir machen unfassbare Fehler, die in der 2. Liga alle knallhart bestraft werden. Das sind gestandene Männer, die wissen, was los ist, und die haben den Kopf unten, als ob das Spiel schon vorbei wäre. Das wird knallhart angesprochen, denn so kann es nicht weitergehen", wetterte "Dima" gegenüber dem MDR: "Jeder muss in den Spiegel gucken, ob das für die 2. Liga reicht. Wenn wir nicht Klartext reden, gibt es ein böses Erwachen. Egal ob jung oder alt, jeder muss jetzt die Eier auf dem Platz haben."

Seine Einwechslung in der 69. Minute hatten die Auer Ultras vorher vehement gefordert. Eine schallende Ohrfeige für Shpilevski, der Nazarov zuletzt links liegen ließ.

Im sonst stimmungsvollen Fanblock herrschte nach dem Seitenwechsel weitestgehend Totenstille. Die Quittung für einen beschämenden Auftritt. Leonhardt und gerade Geschäftsführer Michael Voigt sind dafür bekannt, das Grundrauschen in der Fanszene ernst zu nehmen.

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Die unweigerliche Konsequenz folgte eine Viertelstunde nach Spielende, als die versammelte Chefetage durch die Mixedzone in den Kabinentrakt stürmte. Leonhardt übernahm den Part, auf der obligatorischen Spieltagspressekonferenz die Beurlaubung bekannt zu geben - und auch eigene Fehler einzugestehen: "Ich habe an das Projekt geglaubt, aber so ist es nicht umsetzbar. Wir müssen ein neues Projekt starten, in der Hoffnung und Zuversicht, dass wir wieder auf Kurs kommen." Nach dem feststehenden achten Trainerwechsel während seiner Präsidentschaft blieb ihm auch kaum etwas anderes übrig.

Zur nächsten Partie am Freitagabend bei Jahn Regensburg könnte Co-Trainer Marc Hensel (35) interimsweise einspringen, sofern die FCE-Bosse bis dahin noch keinen Shpilevski-Nachfolger verpflichtet haben. Nach TAG24-Informationen ist der im April bei Dynamo Dresden beurlaubte Markus Kauczinski (51) ein heißer Kandidat.

Dimitrij Nazarov (31) musste wieder lange warten, bis er sein Trikot überstreifen durfte.
Dimitrij Nazarov (31) musste wieder lange warten, bis er sein Trikot überstreifen durfte.  © imago images/Eibner

Titelfoto: imago images/Eibner

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