Veilchen-Krise! Zerlegt sich der FC Erzgebirge Aue selbst oder gelingt der Neuanfang?

Aue - Timo Rost (44) war beim FC Erzgebirge Aue angetreten, um den langjährigen Zweitligisten nach einer katastrophalen Abstiegssaison wieder in die Spur und letztlich zurück in die 2. Bundesliga zu bringen. Verkürzt auf Bilanz und Tabelle geblickt, ist der 44-Jährige gescheitert - am 9. Spieltag.

FCE-Trainer Timo Rost (44, M.) und seine Spieler mussten sich zuletzt regelmäßig die Vorwürfe der Fans anhören.
FCE-Trainer Timo Rost (44, M.) und seine Spieler mussten sich zuletzt regelmäßig die Vorwürfe der Fans anhören.  © picture point/Sven Sonntag

Erhält er die Chance, den von allen (!) - Verein wie Umfeld - geforderten Umbruch durchzuziehen und in eine neue homogene Einheit zu formen, die zeitnah Ergebnisse abliefern muss, oder nicht?

Nicht wenige horchten auf, als Rost bei seiner Vorstellung Anfang Juni klipp und klar erklärte, er würde sich keine Neuzugänge aufschwatzen lassen, sondern selbst die Zusammenstellung des neuen Kaders orchestrieren. Insofern schlägt jeder Neue, der nicht liefert, auf ihn durch.

Als Rost im Herbst 2018 in Bayreuth übernahm und dort eine neue Spielphilosophie und Hierarchie implementierte, reichte es zum Klassenerhalt. Letzte Saison zerlegte er mit der SpVgg die Regionalliga Bayern und stieg in die 3. Liga auf. Die offensive Note hatten sich viele im Lößnitztal erhofft. Bislang kommt diese nicht zum Tragen, da Rosts Spielphilosophie nicht eins zu eins von der vierten auf die dritte Liga übertragbar war.

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Das hat er mittlerweile erkannt und steuert gegen. Das schlug sich in den häufigen Rotationen in der Startelf nieder, was unweigerlich dazu führt, dass sich die Mannschaft noch nicht finden konnte.

Aue-Spieler Steffen Nkansah nimmt Trainer Rost in Schutz: "Es ist allein die Schuld von mir und den Spielern"

Aue-Kicker Elias Huth (25, r.) weiß, dass er und seine Spieler jetzt ordentlich Gas geben müssen.
Aue-Kicker Elias Huth (25, r.) weiß, dass er und seine Spieler jetzt ordentlich Gas geben müssen.  © picture point/Sven Sonntag

So hängen die Stürmer noch zu oft in der Luft, wie zuletzt Elias Huth (25) in München. Er ging viele Wege, rieb sich auf, bekam aber kaum einen Ball. Gefahr brachten Standards, bei denen vorrangig Steffen Nkansah (26) gesucht wurde, dem aber das Timing fehlte.

"Ich habe drei Chancen, wo ich den Ball auf das Tor bringen muss, kriege es aber nicht hin. Es ist allein die Schuld von mir und den Spielern, die auf dem Platz stehen, dass wir es nicht schaffen, Tore zu machen", nahm Nkansah sich und seine Mitspieler in die Pflicht und Rost aus der Schusslinie.

Damit zeigt er Charakter, was viele Führungsspieler bislang nicht vermochten. Ulrich Taffertshofer (30) tat es ihm am Freitag bei 1860 gleich und ging auch weit mehr voran als zuvor. Die Länderspielpause birgt für Rost die Möglichkeit, seine Mannschaftsstruktur noch mal auf den Prüfstand zu stellen.

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Vielleicht gelangt er dabei auch zu dem Ergebnis, dass die Binde für Dimitrij Nazarov mehr Bürde denn Schub bedeutet.

Aue-Spieler Nkansah: "Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ob er die Leistung im Moment auf den Platz bringen kann, die in der 3. Liga erforderlich ist"

Steffen Nkansah (26) vergräbt frustriert sein Gesicht im Trikot. Aues Defensivmann hatte in München drei gute Möglichkeiten, versemmelte die aber alle.
Steffen Nkansah (26) vergräbt frustriert sein Gesicht im Trikot. Aues Defensivmann hatte in München drei gute Möglichkeiten, versemmelte die aber alle.  © imago/foto2press

Das Landespokal-Spiel in Eilenburg bietet die Möglichkeit, eine Elf an den Start zu bringen, die auf Dauer Bestand hat - und mit dem torgefährlichen Philip Türpitz (31), den Rost als Neuzugang gerne holen will.

Bleibt noch die Kopfsache. Inklusive Pokal steht Aue zehnmal ohne Sieg da. Das zehrt am Selbstvertrauen. Dazu die Querelen im Umfeld. Die kann keiner ausblenden. Im Derby wurden Zwickauer Spieler tätlich angegangen. So kurz, wie die Zündschnur ist, trifft es demnächst einen selbst?

Rost wäre gut beraten, in Einzelgesprächen herauszufinden, wer mit der aktuellen Situation klarkommt und wer überfordert ist. Zweifelsohne stellt sich diese Frage.

Aue Trainer Rost will Philip Türpitz (31) als Neuzugang ins Erzgebirge holen.
Aue Trainer Rost will Philip Türpitz (31) als Neuzugang ins Erzgebirge holen.  © Picture Point/Roger Petzsche

So meint Nkansah: "Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ob er die Leistung im Moment auf den Platz bringen kann, die in der 3. Liga erforderlich ist, um erfolgreich zu sein."

Titelfoto: imago/foto2press, Picture Point/Sven Sonntag

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