FC Schalke 04 in der Bundesliga-Vorschau: Droht S04 eine Horror-Saison?

Gelsenkirchen - Finanzielle Schieflage! Die Corona-Krise hat den FC Schalke 04 hart getroffen. Teure Neuzugänge können sich die Knappen nicht leisten. Gelingt ihnen trotzdem zumindest der Klassenerhalt? Alles dazu in der TAG24-Bundesliga-Vorschau.

Vedad Ibisevic ist der Top-Transfer des FC Schalke 04

Seine Erfahrung kann Gold wert sein! Vedad Ibisevic (36), dessen Vertrag bei Hertha BSC nicht verlängert worden war, schloss sich den Knappen ablösefrei und für ein Jahresgehalt von lediglich 100.000 Euro an. 

Der erfahrene Vollblutstürmer, der in 340 Bundesliga-Einsätzen 127 Tore erzielt und 52 Vorlagen gegeben hat, ist mit seiner giftigen und aggressiven Spielweise ein äußerst unangenehmer Gegner für die Abwehrleute - auch noch im Herbst seiner Karriere!

Dennoch muss man abwarten, inwieweit sich der 83-fache bosnische Nationalspieler gegen seine Konkurrenten behaupten kann. Sicher ist: er wird auch außerhalb des Feldes als einer der Wortführer vorangehen und Verantwortung übernehmen - nicht grundlos war er in den vergangenen vier Spielzeiten Herthas Kapitän. 

Vedad Ibisevic soll dem FC Schalke 04 mit seinem Torinstinkt, seiner Erfahrung und seinen Führungsqualitäten weiterhelfen.
Vedad Ibisevic soll dem FC Schalke 04 mit seinem Torinstinkt, seiner Erfahrung und seinen Führungsqualitäten weiterhelfen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Gonçalo Paciência, Sebastian Rudy, Mark Uth und Ralf Fährmann sind die S04-Verstärkungen

Ein weiterer externer Neuzugang soll Schalke im Sturm verstärken: am heutigen Dienstagnachmittag gaben die Königsblauen die Leihe von Eintracht Frankfurts bulligem Angreifer Gonçalo Paciência (26) bekannt. Der 1,84 Meter große Mittelstürmer kam für die SGE in 61 Einsätzen auf 15 Tore und sieben Vorlagen. Bei den Knappen sind seine Chancen auf regelmäßige Einsätze größer. Schalke besitzt zudem eine Kaufoption für den zweimaligen portugiesischen Nationalspieler.

Davon abgesehen setzt S04 ausschließlich auf Spieler aus der eigenen Jugend und Leih-Rückkehrer. Hier ist besonders Ralf Fährmann (31) hervorzuheben, der an den Premier-League-Absteiger Norwich City FC ausgeliehen war und kurzzeitig an den SK Brann Bergen, ehe das Corona-Chaos ihn zu einer vorzeitigen Rückkehr nach Gelsenkirchen bewegte. Der einstige Knappen-Kapitän geht als neue Nummer eins in die kommende Saison und dürfte auf Einsätze brennen, nachdem er in den letzten eineinhalb Jahren in lediglich drei Partien auf dem Feld stand.

Weiterhin kam auch der einstige deutsche Nationalspieler Sebastian Rudy (30; von der TSG 1899 Hoffenheim) zurück. Der gelernte zentrale Mittelfeldspieler ist unter Coach David Wagner (48) fest als Rechtsverteidiger eingeplant. 

Vorne soll Mark Uth (28), der in der vergangenen Rückrunde auf fünf Treffer und sechs Vorlagen in 15 Einsätzen für den 1. FC Köln kam, für Tore sorgen. Ob ihm das im zweiten Anlauf auf Schalke besser gelingt?

Gleiches gilt für den vielseitigen Angreifer Steven Skrzybski (27), der mit Fortuna Düsseldorf aus der 1. Bundesliga abstieg, nachdem er bei den Knappen in der Hinrunde überhaupt nicht zum Einsatz gekommen war.

Ebenfalls wieder zurück im Ruhrpott ist Linskverteidiger Hamza Mendyl (22), der zuletzt beim französischen Erstligisten Dijon FCO Stammspieler war.

Aus der eigenen "Knappenschmiede" wurden zudem U19-Kapitän Can Bozdogan (19), der im offensiven Mittelfeld agiert, Innenverteidiger-Talent Malick Thiaw (18), der polyvalente Abwehrspieler Timo Becker (23) und der zentrale Mittelfeldmann Nick Taitague (21) zu den Profis befördert.

Es ist davon auszugehen, dass sich hier noch etwas tut. Wenn die Chance auf ein Schnäppchen da ist, wird  Schalke zuschlagen. Ganz dicht vor einem Wechsel zu S04 steht dem Vernehmen nach Goncalo Paciencia (26) von Eintracht Frankfurt, der schon den Medizincheck absolviert haben soll.

So emotional will Gonçalo Paciência (r.) auch seine Tore für den FC Schalke 04 bejubeln.
So emotional will Gonçalo Paciência (r.) auch seine Tore für den FC Schalke 04 bejubeln.  © Hasan Bratic/dpa

Weston McKennie, Alexander Nübel und Daniel Caligiuri sind die Abgänge des FC Schalke 04

Hier hat sich hingegen einiges getan. Mehrere Leistungsträger haben den Verein verlassen. Allen voran Stammkeeper Alexander Nübel (23), der ablösefrei zum FC Bayern München ging und leistungsmäßig eine Lücke hinterlässt.

Das gilt auch für den torgefährlichen zentralen Mittelfeldmann Weston McKennie (22), der für 4,5 Millionen Euro Gebühr an den italienischen Spitzenklub Juventus Turin ausgeliehen wurde. 

Mit Flügelspieler Daniel Caligiuri (32; ablösefrei zum FC Augsburg) verließ zudem noch der Kapitän die Mannschaft. Gerade diese drei Abgänge dürften für Schalke nur schwer zu kompensieren sein, sofern nicht doch noch Neuzugänge kommen.

Dazu endeten die Leihen von Michael Gregoritsch (26; FC Augsburg), Jonjoe Kenny (23, FC Everton), Juan Miranda und Jean-Clair Todibo (beide 20; beide FC Barcelona).

Überdies wurden die Flügelflitzer Jonas Carls (23; Vitória Guimarães SC) und Bernard Tekpetey (22; PFK Ludogorets Razgrad) verliehen. Mit Cedric Teuchert (23; 1. FC Union Berlin) sowie Pablo Insua (26 SD Huesca) gab man zwei weitere Spieler ab. 

Da Schalke finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, könnten auch noch Leistungsträger wie Ozan Kabak (20) oder Amine Harit (23), die bei anderen Vereinen im Gespräch sind, für eine dringend benötigte Millionenablöse verkauft werden. 

Weston McKennie (22) wurde vom FC Schalke 04 an Juventus Turin ausgeliehen. Er hinterlässt eine Lücke, die intern irgendwie gefüllt werden muss.
Weston McKennie (22) wurde vom FC Schalke 04 an Juventus Turin ausgeliehen. Er hinterlässt eine Lücke, die intern irgendwie gefüllt werden muss.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

So tickt Schalke-Trainer David Wagner

Der studierte Lehrer (Biologie/Sport) ist der wohl umstrittenste Coach der Bundesliga! Wagner blieb trotz einer sportlich grausamen Rückrunde, in der er mit S04 nur eines (!) von 17 Spielen bei einem furchtbaren Torverhältnis von 9:37 gewann, in Amt und Würden.

Das rief logischerweise viele kritische Stimmen hervor. Allerdings: bei einer Entlassung müsste Schalke laut der Sport Bild sein Gehalt, das 2,5 Millionen Euro im Jahr betragen soll, bis zum Vertragsende 2022 weiterzahlen. Das kann sich der klamme Verein schlichtweg nicht leisten.

Nun muss der Trauzeuge von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp (53) beweisen, dass er mit seinem Team die Kehrtwende schaffen, den verunsicherten Spielern wieder Selbstvertrauen einflößen und die jungen Akteure entwickeln kann. Er muss Schalke also dringend wieder in die Spur bekommen.

Klappt das nicht und wird der Saisonstart verpatzt, dann wird er wohl nicht zu halten sein. Unwahrscheinlich ist das nicht. Denn S04 muss an den ersten fünf Spieltagen beim FC Bayern, bei RB Leipzig und beim Erzrivalen Borussia Dortmund ran. Das könnte einen Negativlauf zur Folge haben, der im schlimmsten Fall den Abstieg bedeuten könnte. Das wäre für Schalke nicht nur der Super-GAU, sondern auch noch viel teurer als Wagner zu entlassen.

Dieser gilt menschlich und fachlich als konzentrierter und sachlicher Arbeiter, der mit Ruhe und Fachkompetenz etwas aufbauen und eine Mannschaft formen kann. Das schien ihm bei Schalke anfangs auch zu gelingen. 30 Punkte aus 17 Spielen in der Hinrunde der vergangenen Saison bei einem Torverhältnis von 29:21 ließen das königsblaue Umfeld von der Champions League träumen. Umso größer war die Enttäuschung in diesem Jahr.

Man darf gespannt sein, wie es mit Wagner und S04 weitergeht. 

S04-Coach David Wagner sitzt trotz sportlich furchtbarer Rückrunde auf Schalke weiter fest im Sattel.
S04-Coach David Wagner sitzt trotz sportlich furchtbarer Rückrunde auf Schalke weiter fest im Sattel.  © Tim Rehbein/dpa

Vorbereitung und Form des FC Schalke 04

Die Vorbereitung lief durchwachsen. Während das erste Testspiel gegen Zweitligist VfL Osnabrück nach überzeugender Leistung deutlich mit 5:1 gewonnen wurde, kassierte man dann zwei überraschende Pleiten gegen Drittligisten, die deutschlandweit (mal wieder) für Hohn und Spott sorgten.

Erst verlor man in einem wahren Torspektakel mit 4:5 gegen Aufsteiger SC Verl, dann kassierte man auch noch gegen den KFC Uerdingen eine 1:3-Pleite - und ausgerechnet der Ex-Dortmunder Kevin Großkreutz erzielte dabei ein Tor!

Dann jedoch wurde der griechische Erstligist Aris Saloniki mit 1:0 besiegt und in der Generalprobe Zweitligist VfL Bochum sogar mit 3:0 geschlagen. Anschließend gab es dann die überraschende Nachricht, dass das angesetzte Pokalspiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 aus der Regionalliga Bayern kurzfristig nicht staffinden kann, weil Türkgücü München gegen die Entscheidung des Bayerischen Fußballverband, Schweinfurt nach der abgebrochenen Saison antreten zu lassen, geklagt und Recht bekommen hatte (TAG24 berichtete). Nun droht ein längerer Gerichtsstreit zwischen den Parteien.

Schalke geht also - ganz wie Gegner FC Bayern, dessen Spiel wegen des Champions-League-Turniers auf den 15. Oktober verlegt wurde  - ohne Pokal-Auftritt in die neue Saison.

Der FC Schalke 04 spielte eine durchwachsene Vorbereitung.
Der FC Schalke 04 spielte eine durchwachsene Vorbereitung.  © Tim Rehbein/dpa

Saisonziel des FC Schalke 04

Die Ansprüche sind (deutlich) gesunken. Mit der nahezu unveränderten Mannschaft und demselben Trainerteam, dass in der Rückrundentabelle auf Rang 17 landete, kann das vorrangige Ziel für den finanziell arg in Schieflage geratenen Klub nur lauten: Klassenerhalt!

Rennt der FC Schalke 04 am Ende zum Klassenerhalt?
Rennt der FC Schalke 04 am Ende zum Klassenerhalt?  © Tim Rehbein/dpa

TAG24-Prognose zum FC Schalke 04

Für Schalke könnte es richtig eng werden, sofern man schlecht in die Saison startet und in einem Negativstrudel feststeckt! Dann ist durchaus vorstellbar, dass es den großen Traditionsverein erwischt. Dabei gibt der Kader durchaus einen sicheren Mittelfeldplatz her.

Mit Fährmann steht ein Keeper ohne Spielpraxis im Tor. Sein Ersatzmann Markus Schubert (22) konnte seine Bundesliga-Tauglichkeit bei seinen Einsätzen in der Vorsaison bei allem Talent noch nicht nachweisen. Michael Langer (35) ist eindeutig nur dritter Schlussmann. Die Suche nach einem guten neuen Torhüter verlief bislang erfolglos und wurde aus finanziellen Gründen wohl auch eingestellt.

Als Rechtsverteidiger ist der gelernte Sechser Rudy gesetzt. Der unerfahrene Becker ist sein erster Ersatz. Diese Besetzung könnte sich auf Dauer als Schwachstelle herausstellen, sofern Rudy nicht zu alter Form findet. 

In der Innenverteidigung hat man hingegen mehrere überdurchschnittliche Bundesliga-Spieler zur Verfügung. Kabak, Benjamin Stambouli (30), Matija Nastasic (27) und Salif Sané (30), der aktuell mit einem Muskelfaserriss ausfällt, haben ihre Qualitäten allesamt schon nachgewiesen, müssen aber nach der Rückserie wieder zu alter Klasse zurückfinden. Dazu stehen die jungen Thiaw und Becker als Alternativen in den Startlöchern. 

Auf der linken Seite ist Bastian Oczipka (31) gesetzt, obwohl die Schalke-Fans immer wieder an seinen Flanken, die eine große Streuung haben, verzweifeln. Doch auch er hat grundsätzlich Erstliga-Format. Mendyl ist erster Ersatz.

Im zentralen Mittelfeld dürften Kapitän Omar Mascarell (27) und Suat Serdar (23) gesetzt sein. Nabil Bentaleb (25), Nassim Boujellab (21), der aber auch auf der Außenbahn spielen kann und Jonas Hofmann (23) müssen sich vorerst wohl hinten anstellen.

Auf den Flügeln dürften Harit und Benito Raman (25) das Rennen machen, doch sie haben mit Skrzybski, Alessandro Schöpf (28) und Rabbi Matondo (20) ernstzunehmende Konkurrenten. Hier, aber auch im offensiven Mittelfeld könnten darüber hinaus auch Bozdogan, Taitague und Levent Mercan (19) spielen.

Im Mittelsturm haben die Königsblauen fünf veranlagte Akteure: PaciênciaIbisevic, Uth, Ahmed Kutucu (20) und Guido Burgstaller (31). Der Kampf um den einen Platz, maximal zwei, ist eng. Findet einer seine Form und trifft regelmäßig, ist er gesetzt. 

Wohin führt der Weg von Stürmer Ahmet Kutucu und dem FC Schalke 04?
Wohin führt der Weg von Stürmer Ahmet Kutucu und dem FC Schalke 04?  © Tim Rehbein/dpa

An den ersten fünf Spieltagen trifft Schalke wie erwähnt auf die drei letztjährigen Top-Mannschaften der Liga. Hagelt es hier Niederlagen und Gegentore, wird das vermutlich zu einer tiefer gehenden Verunsicherung führen. Dann geht es für die Knappen nur darum, die Klasse irgendwie zu halten. Das dürfte in diesem Fall und bei dem unruhigen Umfeld mit hohen Ansprüchen schwer genug werden.

Andererseits, wenn man gut startet und sich neben Punkten auch Selbstvertrauen holt, ist auch eine sorgenfreie Spielzeit im Tabellenmittelfeld möglich. 

Titelfoto: Tim Rehbein/dpa

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