Schalke-Spieler äußert sich nach Hetzjagd: "Sind auf uns losgegangen, das war pure Angst!"

Gelsenkirchen - Jetzt spricht ein Spieler! Am Tag nach dem Abstieg und den anschließenden Jagd-Szenen auf dem Gelände des FC Schalke 04, meldete sich nun der erste Spieler zu Wort, der inmitten der Tumulte gewesen ist.

Einsatzkräfte der Polizei auf dem Schalker Vereinsgelände.
Einsatzkräfte der Polizei auf dem Schalker Vereinsgelände.  © Fabian Strauch/dpa

Gegenüber Sport1 äußerte er sich in erschreckender Detailliertheit über das, was geschah.

Der Akteur, welcher anonym bleiben wolle, ist sich nach alldem was passierte nicht sicher, ob und wie die Mannschaft die noch vier Spieltage andauernde Bundesliga-Saison zu Ende spielen soll.

"Ich weiß nicht, wie wir die nächsten Spiele noch bestreiten sollen", beichtete er gegenüber dem Sportsender.

"Uns wurde laut und deutlich mitgeteilt, dass wir uns schämen sollen und sich alle Spieler ab sofort verpissen sollen, die im nächsten Jahr nicht mehr hier sein werden. Passiert das nicht, würde uns das Leben richtig zur Hölle gemacht."

Aussagen, die fassungslos machen.

Im Anschluss an diese Ansage wurde die Situation immer unübersichtlicher. Zunächst seien die Kicker mit Eiern beworfen worden, "danach ist ein Böller hochgegangen und die Situation eskalierte völlig".

Die Fans seien dann "auf uns losgegangen, wir sind ab dann nur noch gerannt. Das war Angst, pure Angst".

Kritik am Verein: Sollte "nur einen kurzen Austausch geben", Training vorerst abgesagt

Kurz nachdem der S04-Bus aus Bielefeld auf Schalke eintraf, kam es zur "Aussprache" mit den "Fans".
Kurz nachdem der S04-Bus aus Bielefeld auf Schalke eintraf, kam es zur "Aussprache" mit den "Fans".  © Fabian Strauch/dpa

Doch damit nicht genug. Nicht jeder der S04-Profis blieb unversehrt."Einige von uns haben Tritte und Schläge abbekommen. Ich bin schockiert."

Anhand dieser Schilderungen ist es tatsächlich schwer zu glauben, dass die Betroffenen allesamt wieder geschlossen für den Klub auflaufen können und wollen.

Es wäre anhand dieser Aussagen nur zu verständlich, wenn nicht.

Kritik wurde überdies auch am Verein geübt. "Ich verstehe auch nicht, wieso man uns überhaupt den Fans ausgeliefert hat. Es hieß vom Verein, dass es nur einen kurzen Austausch geben wird."

Dabei ist es bekanntermaßen nicht geblieben. Die Polizei soll laut des Schalke-Profis "währenddessen unten gewartet" haben.

Bis weit in den Mittwoch rein waren Polizei und Sicherheitskräfte auf dem Gelände der Königsblauen. Vereinzelt gab es immer wieder "Fans" die auf dem Gelände gesichtet wurden.

Das Training am Mittwoch und Donnerstag wurde vorsorglich abgesagt. Selbst Spieler, die sich in der Reha befinden, sollten den Platz von Vereinsseite her nicht betreten.

Wie es weitergeht, ist noch unklar.

UPDATE, 19.10 Uhr: Sportvorstand Peter Knäbel äußert sich zu dem Vorfall

Schalkes Sportvorstand Peter Knäbel (54) zeigte sich geschockt von dem Vorfall.
Schalkes Sportvorstand Peter Knäbel (54) zeigte sich geschockt von dem Vorfall.  © Christian Charisius/dpa

Sportvorstand Peter Knäbel (54) ist fassungslos über die Gewaltausbrüche. Er bezeichnete das in einer Videobotschaft, die am Mittwoch in einer E-Mail an alle Mitglieder des Revierclubs verschickt worden war, als "desaströs, wenn man sich um Leib und Leben unserer Mitarbeiter fürchten muss."

Nach der Rückkehr der Mannschaft nach dem 0:1 am Dienstag bei Arminia Bielefeld waren Spieler, Trainer und Betreuer an der Arena von einigen Hundert Chaoten angegriffen und teilweise gejagt worden. "Was Staff und Spieler da erleben mussten, hat mit dem Leitbild von Schalke 04 überhaupt nichts zu tun", sagte Knäbel weiter. "Man hat immer das Gefühl, es geht nicht noch schlimmer - und dann kommt noch was."

Der 54-Jährige bekräftigte, es ginge ihm jetzt in erster Linie um die Attackierten. "Wichtig ist, wie es den Leuten geht, wie es Buyo Büskens, wie es Gerald Asamoah, wie es den Spielern geht, von denen einige im Hotel übernachten mussten."

Titelfoto: Fabian Strauch/dpa

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