Euphorie beim FC St. Pauli, pure Enttäuschung beim HSV: So lief das Stadtderby

Hamburg - Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet: Der FC St. Pauli hat den Hamburger SV im 108. Stadtderby am Freitagabend klar sowie hochverdient mit 3:0 geschlagen.

Beim FC St. Pauli gab es nach dem 3:0-Derbysieg gegen den Hamburger SV nur strahlende Gesichter.
Beim FC St. Pauli gab es nach dem 3:0-Derbysieg gegen den Hamburger SV nur strahlende Gesichter.  © Marcus Brandt/dpa

Bei den Kiezkickern herrschte anschließend dementsprechend nichts als Freude und Euphorie: "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, nach dem Spiel mit den Fans zusammen den Derbysieg zu feiern. Das kann man nicht in Worte fassen", verdeutlichte Marcel Hartel (26).

Der 26-Jährige sorgte mit seinem Treffer zum 2:0 in der 74. Minute für die Vorentscheidung, nachdem Eric Smith (25) 13 Zeigerumdrehungen zuvor die Führung erzielt hatte. Kurz vor Schluss machte David Otto (23) mit seinem ersten Saisontor dann den Deckel drauf.

"Es fühlt sich unglaublich an, das Derby gewonnen zu haben. Wir wollten unseren Fans etwas zurückgeben. In den vergangenen Wochen haben die Ergebnisse nicht gestimmt, deswegen tut der Sieg heute richtig gut", resümierte der Torschütze zum 3:0.

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Auch wenn alle Treffer in der zweiten Halbzeit fielen, kam es bereits im ersten Abschnitt zu einer spielentscheidenden Szene: HSV-Kapitän Sebastian Schonlau (28) stieß Etienne Amenyido (24) als letzter Mann um und sah von Referee Deniz Aytekin (44) die Rote Karte - eine vertretbare Entscheidung.

"Ich denke, dass der Platzverweis großen Einfluss aufs Spiel genommen hat. Nimmt man die kompletten 90 Minuten, haben wir auch aufgrund der Überzahl das Spiel verdient gewonnen", analysierte Chefcoach Timo Schultz (45) treffend.

FCSP-Sechser Eric Smith hofft, dass der Derbysieg "der Wendepunkt" ist

Das Stadtderby war intensiv, umkämpft - und manchmal auch hitzig: Hier geraten HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes (29, 4.v.l.) und FCSP-Torwart Nikola Vasilj (r.) aneinander.
Das Stadtderby war intensiv, umkämpft - und manchmal auch hitzig: Hier geraten HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes (29, 4.v.l.) und FCSP-Torwart Nikola Vasilj (r.) aneinander.  © Marcus Brandt/dpa

Verdient war der braun-weiße Derby-Sieg schlussendlich allemal: Während die Partie in der ersten Hälfte noch ausgeglichen war, spielten in den zweiten 45 Minuten ausschließlich die Boys in Brown.

"Ein Derby ist losgelöst von Tabellenplatzierungen und Trends. Es geht nur darum, mit Herz zu spielen und alles auf dem Feld zu lassen. So eine Leistung wie heute müssen wir Woche für Woche zeigen", forderte Kapitän Jackson Irvine (29) anschließend.

Teamkollege Smith hatte ähnliche Hoffnungen: "Uns haben in den vergangenen Spielen Kleinigkeiten gefehlt und wir waren wir nicht in der Lage, das Tor zu treffen. Heute haben wir es gemacht. Ich hoffe, dass dieses Spiel der Wendepunkt ist", sagte er abschließend.

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Und der HSV? Bei den Rothosen herrschte pure Enttäuschung: "Es tut einfach weh, so ein Spiel zu verlieren. Wir haben alles versucht, sind mutig geblieben, aber der Gegner hat es über die Räume, die wir in Unterzahl geben mussten, gut gemacht", unterstrich Keeper Daniel Heuer Fernandes (29).

Auch die Hanseaten hatten die frühe Rote Karte für Schonlau als Knackpunkt der Partie ausgemacht: "Jeder von uns hätte wie Bascho versucht, die Situation noch zu retten", nahm Sechser Jonas Meffert (28) seinen Mitspieler jedoch in Schutz.

HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes: "Heute und morgen wird es schwer"

Den HSV-Spielern und Trainer Tim Walter (46, M.) war die große Enttäuschung nach Spielende anzusehen.
Den HSV-Spielern und Trainer Tim Walter (46, M.) war die große Enttäuschung nach Spielende anzusehen.  © Marcus Brandt/dpa

Für die einzelnen Gegentore war die Unterzahl auch nicht verantwortlich, gab Trainer Tim Walter (46) zu bedenken: "St. Pauli ist mit einem Kopfball in Führung gegangen, das darf uns so nicht passieren. Wir laufen dann noch in einen Konter und letztendlich kriegst du dann noch das dritte Tor", urteilte der Übungsleiter.

Meffert sah es genauso: "Wir müssen das Spiel nicht automatisch verlieren, weil wir in Unterzahl sind. Wir dürfen das erste Gegentor nach einem Standard nicht bekommen, dann sieht das Spiel anders aus", bekräftigte der Mittelfeldakteur.

Unterm Strich stand letztlich jedoch die 0:3-Derby-Pleite sowie das Ende der Sechs-Spiele-Ungeschlagen-Serie. "Wir müssen die Niederlage jetzt verdauen. Für unsere Fans tut es uns extrem leid, sie haben uns unglaublich gepusht", attestierte Meffert.

Heuer Fernandes gab sich abschließend kämpferisch: "Heute und morgen wird es schwer, aber wir müssen die Köpfe dann wieder hochkriegen. Wir wissen, was wir für eine Qualität haben und wir lassen uns von sowas nicht unterkriegen. Wir ziehen unser Ding durch", machte der Schlussmann klar.

Die nächste Aufgabe wird allerdings alles andere als leicht: Am Dienstag (18 Uhr) tritt die Walter-Elf in der 2. Runde des DFB-Pokals bei RB Leipzig an. St. Pauli reist indes mit viel Selbstvertrauen am Mittwoch (18 Uhr) zum SC Freiburg.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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