FC St. Pauli in der Krise: Haben die Kiezkicker plötzlich doch etwas zu verlieren?

Hamburg - Seit vier Liga-Spielen nicht mehr gewonnen, die Tabellenführung und das Derby verloren! Beim FC St. Pauli läuft es derzeit alles andere als rund.

Trainer Timo Schultz (44) bleibt in der derzeitigen Situation gelassen und kann ihr sogar etwas Gutes abgewinnen.
Trainer Timo Schultz (44) bleibt in der derzeitigen Situation gelassen und kann ihr sogar etwas Gutes abgewinnen.  © Christian Charisius/dpa

An die starken Leistungen der Hinrunde konnte die Mannschaft von Trainer Timo Schultz (44) nur noch selten anknüpfen.

Dabei ist es nur wenige Wochen her, dass die Kiezkicker die Mannschaft der 2. Liga war, vor allem zu Hause von Sieg zu Sieg eilte und nach 16 Spieltagen zurecht die Herbstmeisterschaft feierte. Doch genau seit diesem Zeitpunkt ist bei St. Pauli der Wurm drin!

Das 1:1 bei Fortuna Düsseldorf und die herbe 0:3-Klatsche bei Holstein Kiel zum Jahresabschluss 2021 waren eine Art Vorbote. Denn mit dem Last-Minute-Remis gegen Erzgebirge Aue und der Derby-Pleite beim HSV folgten zwei weitere mäßige Auftritte.

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Die Verantwortlichen blieben trotz der mageren Ausbeute ruhig, schließlich sind sie aus der Vorrunde der Vorsaison schlimmeres gewohnt. "Uns sind in diesen vier Partien keine Punkte abgezogen worden, es sind zwei dazugekommen", sagte Schultz trotzig nach der Niederlage im Derby.

Damit mag der 44-Jährige zwar recht haben, dennoch fiel in diesen Partien auf, dass der Kiez-Elf die Leichtigkeit fehlte, mit der sie zum Großteil noch durch die Hinrunde marschiert war. Es schien so, als könne die Mannschaft mit der Favoritenrolle, die sie plötzlich innehatte, nicht umgehen.

Verliert der FC St. Pauli durch den Kyereh-Ausfall den Anschluss im Aufstiegskampf?

Daniel-Kofi Kyereh (25) wird dem FC St. Pauli mit seiner Leichtigkeit in den kommenden Wochen fehlen.
Daniel-Kofi Kyereh (25) wird dem FC St. Pauli mit seiner Leichtigkeit in den kommenden Wochen fehlen.  © Christian Charisius/dpa

Schultz hatte zuvor, aber auch nach dem Derby betont, dass es in einer Saison immer wieder Phasen geben würde, wo man nicht mehrere Spiele am Stück gewinnen werde. "Diese Phase wollen wir so kurz wie möglich halten", erklärte er.

Wie gut, dass nun die Länderspielpause ansteht, die der Trainer anfangs noch als unglücklich bezeichnete. "Jetzt müssen wir uns sammeln und gucken, wo wir die richtigen Schlüsse ziehen."

Eine, wenn nicht sogar die Hauptaufgabe, wird es sein, einen "Ersatz" für Daniel-Kofi Kyereh (25) zu finden. Der Offensiv-Geist fehlte die ersten beiden Begegnungen im Jahr 2022, weil er mit Ghana am Africa Cup teilnahm, die kommenden Wochen wird er fehlen, weil er sich dort eine Verletzung zugezogen hatte. Denn gerade seine Kreativität und Unberechenbarkeit ging St. Pauli in den zurückliegenden Spielen ab.

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Im richtungsweisenden Spiel gegen den SC Paderborn (5. Februar, 20.30 Uhr) müssen andere Spieler dann endlich zeigen, dass sie auch ihren Platz in der umkämpften Startelf der Kiezkicker verdient haben. Denn das machte das Team in der Hinrunde eben auch aus. Egal welcher Spieler auf dem Platz stand, er lieferte ab.

FC St. Pauli blühte im Derby erst auf, als er hinten lag

Vielleicht muss aber auch erst der Druck weg sein, um wieder befreit aufspielen zu können. Die Liga ist mittlerweile so weit zusammengerückt, dass es schnell ein paar Plätze nach unten gehen kann, wenn man nicht gewinnt.

Im Derby gegen den HSV hat man gemerkt, dass St. Pauli wieder auflebte, als sie hinten lagen und nichts mehr zu verlieren hatten.

Und weil die "große" Konkurrenz um die Rothosen, Schalke und Werder Bremen anfängt, verlässlich zu punkten, blüht den Kiezkickern dieses Schicksal schon in ein paar Spieltagen, wenn alles verloren scheint.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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