FC St. Pauli: Wie ein Heimat-Urlaub aus Afeez Aremu einen neuen Fußballer machte

Hamburg - Er kämpft für seinen Traum! Nach einem schweren Start in der Vorsaison ist Afeez Aremu (21) endlich beim FC St. Pauli angekommen.

Afeez Aremu (21) kommt beim FC St. Pauli seit dieser Saison immer besser in Fahrt.
Afeez Aremu (21) kommt beim FC St. Pauli seit dieser Saison immer besser in Fahrt.  © IMAGO / MIS

Nach seinem Wechsel vom norwegischen Erstligisten Start Kristiansand ans Millerntor verbrachte der junge Nigerianer mehr Zeit auf der Bank als auf dem Rasen.

"Für einen Fußballer ist es immer schwer, wenn man von einem Land in ein anderes wechselt", erklärte er. "Es war hart für mich."

Doch er hat nicht aufgegeben und immer weiter trainiert. "Ich habe viel gelernt", gab der 21-Jährige zu.

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Zwar muss er sich derzeit noch ein wenig hinter seinem schwedischen Mitspieler Eric Smith (24) anstellen, doch durch dessen Verletzungen kommt Aremu zu immer mehr Spielzeit.

Zum Auftakt gegen Holstein Kiel (3:0) überzeugte er nach seiner Einwechslung genauso wie bei seinem spontanen Startelf-Einsatz gegen Jahn Regensburg (2:0).

Schon nach dem Saisonstart zeigte sich Trainer Timo Schultz (44) begeistert: "Wenn man überlegt, wie Afeez hier gestartet ist, was für Probleme er letztes Jahr teilweise hatte, sich in den Spielen zu orientieren, dann ist das wirklich bemerkenswert, mit welcher Ruhe er mit dem Ball spielt."

Für Timo Schultz ist Afeez Aremu eine "absolute Maschine"

Nach dem Derby-Sieg über den HSV freut sich der 21-Jährige gemeinsam mit Trainer Timo Schultz (44).
Nach dem Derby-Sieg über den HSV freut sich der 21-Jährige gemeinsam mit Trainer Timo Schultz (44).  © Christian Charisius/dpa

Der 44-Jährige, der Aremu als "absolute Maschine" bezeichnet, lobte zugleich die kompromisslose und aggressive Zweikampfführung, auch wenn sie oftmals ungestüm wirkt. Dennoch sagte Schultz: "Es gibt wenige Spieler bei uns im Kader, gegen die ich ungern spielen würde, er gehört dazu."

Es scheint, als habe es bei dem 21-Jährigen einen Punkt gegeben, an dem es "Klick" gemacht hat. Vieles deutet darauf hin, dass es der vom Verein genehmigte Heimat-Urlaub am Ende der vergangenen Saison war.

"Das war wichtig für mich", gab Aremu zu. Er hatte seine Familie zuvor seit eineinhalb nicht sehen können, weil er unter anderem direkt nach dem Saisonende in Norwegen zu den Kiezkickern gewechselt war.

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Die Verantwortlichen um Schultz und Sport-Chef Andreas Bornemann (49) konnten den "Schmerz" jedoch nachvollziehen und erlaubten ihm die Reise nach Nigeria. "Ich weiß, dass das nicht normal ist", wusste er, der dem Verein diesen Schritt hoch anrechnet.

Nun hofft er sogar, dass er bald seine Frau nach Hamburg holen kann. Denn am meisten vermisst er in der Hansestadt seine Familie. Der leidenschaftliche Koch fühlt sich ansonsten wohl in seiner neuen Heimat, in der viele afrikanische Geschäfte und Restaurants gibt.

Afeez Aremu ist stolz auf seine nigerianische Herkunft

Der junge Nigerianer ist nur schwer, wie vom Paderborner Dennis Srbeny vom Ball zu trennen.
Der junge Nigerianer ist nur schwer, wie vom Paderborner Dennis Srbeny vom Ball zu trennen.  © Cathrin Mueller/Getty Images Europe/Pool/dpa

Dann kann die ihm bei seinen großen Träumen unterstützen. Aremu möchte für die A-Nationalmannschaft Nigerias auflaufen. "Ich habe eine Chance", gab er selbstbewusst zu.

Und natürlich hat er auch die Bundesliga im Blick. Vielleicht mit St. Pauli? "Wir müssen gut trainieren, hart arbeiten und gut spielen." Dann sei auch der Aufstieg drin.

Aremu, der dem Stamm der Yoruba angehört, fällt aber nicht nur durch seinen Einsatz im Spiel auf, im Gesicht hat er zwei tiefe Kerben. "Das ist nichts Spezielles", wie er sagte. "Ich hatte es schon als Baby."

Seine Mutter erklärte ihm, dass jeder in seiner Familie das habe. Der eine habe ausgeprägter als der andere. "Ich bin sehr stolz darauf", gab Aremu zu.

Wenn er so weiter macht, kann der 21-Jährige auch stolz auf seine Leistungen auf dem Platz sein.

Gegen Hannover 96 am kommenden Samstag (13.30 Uhr) stehen seine Chancen auf einen erneuten Startelf-Einsatz nicht schlecht. Smith fehlte immer noch im Training der Kiezkicker.

Titelfoto: IMAGO / MIS

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