Verstärkungen dringend benötigt: Ist der FC St. Pauli so zweitligatauglich?

Hamburg - Am Sonntag scheiterte der FC St. Pauli krachend mit 2:4 (1:2) beim Regionalligisten SV Elversberg in der ersten Runde des DFB-Pokals und zeigte phasenweise einen desolaten Auftritt.

Die Spieler des FC St. Pauli sind nach der Pokal-Blamage in Elversberg enttäuscht.
Die Spieler des FC St. Pauli sind nach der Pokal-Blamage in Elversberg enttäuscht.  © DPA/Tom Weller

Das erneut frühe Scheitern im Pokal - seit 15 Jahren (!) und dem legendären Marsch bis ins Halbfinale kamen die Kiezkicker nicht mehr über die zweite Runde hinaus - hatte in erster Linie mit der erschreckend schwachen Defensivleistung zu tun. 

In der Art und Weise wie die Gegentore fielen, konnte fast der Eindruck gewonnen werden als seien die Hamburger der Viertligist und Elversberg ein solider Zweitliga-Klub. 

Hier ein leichtfertiger Ballverlust vor dem 1:1-Ausgleich, dort ein nicht-existentes Zweikampfverhalten beim 1:4. Auch bei den anderen beiden Elversberg-Toren - jeweils nach Standardsituationen - sah die Defensive der Braun-Weißen alles andere als gut aus.

Gemessen an den Gegentoren (2018/19 = 53, 2019/20 = 50) gehörte der Kiezklub bereits in den letzten beiden Spielzeiten zum schwächsten Drittel der 2. Bundesliga

Verstärkt wurde die Mannschaft mit Ausnahme von Linksverteidiger Leart Paqarada (25) in der Sommerpause aber mit Blick auf Neuzugänge wie Lukas Daschner (22) und Simon Makienok (29) eher offensiv. 

Fragwürdig bleibt außerdem, ob hochgezogene Youngster wie der 20-jährige Marvin Senger (gegen Elversberg in der Startelf) oder Jannes Wieckhoff (20) aus der zweiten Mannschaft die Abwehr stabilisieren können.

Kollektives Versagen der Defensivabteilung

Die Defensivabteilung von St. Pauli schaut beim Gegentor zum 1:2 nur zu.
Die Defensivabteilung von St. Pauli schaut beim Gegentor zum 1:2 nur zu.  © Tom Weller/dpa

Nach der Pokal-Blamage und vor dem Ligastart beim VfL Bochum (21. September) bleibt also die Frage, ob die Hintermannschaft der Hamburger tatsächlich über Zweitliga-Niveau verfügt.

Grundsätzlich positiv zu betrachten ist sicher die Rückkehr von Kapitän Christopher Avevor. Der 28-Jährige zog sich am ersten Spieltag der letzten Saison einen Wadenbeinbruch und einen Riss des Syndesmosebands zu und absolvierte daher 2019/20 nur vier Pflichtspiele. 

Der Innenverteidiger ist der Chef der Abwehrreihe und gilt als Führungsspieler. "Er ist ein Supertyp mit einem hohen Ansehen innerhalb des Teams. Er ist immer positiv, marschiert vorweg und nimmt auch die jungen Spieler mit", sagte Trainer Timo Schultz jüngst zu der Entscheidung, Avevor als Kapitän zu bestätigen.

Doch auch der 28-jährige Deutsch-Ghanaer konnte das Debakel und die vier Gegentore gegen Elversberg nicht verhindern, er ging gemeinsam mit seinen Mitspielern unter. 

Generell konnte beobachtet werden, dass kein Defensivspieler sich wirklich gegen die Niederlage stemmte. Die Fünferkette bestehend aus Paqarada, Senger, Philipp Ziereis (27), Avevor und Sebastian Ohlsson (27) hatte viel zu oft das Nachsehen gegen die spielfreudigen Elversberger.

"Wir waren immer ein, zwei Schritte zu spät und haben unnötige Fehler gemacht", fiel dann dementsprechend auch das Fazit von Torwart Robin Himmelmann aus.

Die Mannschaft braucht weitere Verstärkungen

St. Pauli-Urgestein Jan-Philipp Kalla (34) hat seine Karriere beendet.
St. Pauli-Urgestein Jan-Philipp Kalla (34) hat seine Karriere beendet.  © Christian Charisius/dpa

Im Kader der Braun-Weißen sind mit Routinier Daniel Buballa (30) und Rechtsverteidiger Luca Zander nur noch zwei weitere etatmäßige Abwehrspieler zu finden. 

Bereits in der letzten Saison hatte der Klub mit der dünnen Personaldecke zu kämpfen und musste phasenweise auf mehr als zehn verletzte Spieler verzichten.

Das Lazarett hat sich zwar inzwischen minimiert, die Mannschaft braucht aber nach den Weggängen von Klub-Ikone Jan-Philipp Kalla (34, Karriereende) und den Mittelstürmern Henk Veerman (29, SC Heerenveen) sowie Dimitrios Diamantakos (27, Hajduk Split) dringend weitere Verstärkungen.

Ansonsten könnte es für die Hamburger nach dem knappen Nicht-Abstieg in der letzten Saison erneut sehr, sehr eng werden.

Titelfoto: DPA/Tom Weller

Mehr zum Thema FC St. Pauli:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0