Sportarzt warnt: Spiel-Marathon gefährdet Gesundheit der FSV-Spieler

Zwickau - Den Rot-Weißen aus Zwickau steht ein Spiel-Marathon bevor, wie ihn Dynamo Dresden in Mai/Juni zu absolvieren hatte. Ab Sonntag muss der FSV sieben Mal binnen 20 Tagen ran - aus sportwissenschaftlicher Sicht gesundheitsgefährdend.

Oberarzt Dr. Philippe Tscholl sieht das hohe Spielpensum aus sportwissenschaftlicher Sicht gesundheitsgefährdend.
Oberarzt Dr. Philippe Tscholl sieht das hohe Spielpensum aus sportwissenschaftlicher Sicht gesundheitsgefährdend.  © Swiss Ice Hockey Federation

Dr. Philippe Tscholl, Oberarzt des Swiss Olympic Medical Centre Cressy Santé am Unispital Genf und Teamarzt der Schweizer "U18"-Eishockey-Auswahl, erklärte in der Basler Zeitung, dass Fußballer das größte Pensum absolvieren.

Er sagt: "Ein Basketballspieler läuft knapp vier Kilometer, ein Tennisspieler zwei Kilometer und Fußballer zehn bis 14 Kilometer. Ein Fußballspieler befindet sich in über der Hälfte des Weges im High-Intensity-Bereich, Tennisspieler deutlich weniger."

Zudem hätten Basketballer oder Eishockeyspieler viel kürzere Einsätze und könnten sich dazwischen besser erholen. Ein Top-Crack komme selten auf mehr als 25 Minuten Eiszeit, Fußballer hingegen stünden mehr als 90 auf dem Platz, bei rund 60 Minuten effektiver Spielzeit. Deshalb verlange der Fußball vom Körper auch mehr Regenerationszeit.

"Die Signale des Körpers müssen ernst genommen werden"

Das hohe Spielpensum macht anfälliger für Verletzungen - wie hier bei Jozo Stanic, der bei beim 0:1 gegen den 1. FC Magdeburg behandelt werden musste.
Das hohe Spielpensum macht anfälliger für Verletzungen - wie hier bei Jozo Stanic, der bei beim 0:1 gegen den 1. FC Magdeburg behandelt werden musste.  © Picture Point / Gabor Krieg

In englischen Woche sei die physiologische Grenze der Kicker erreicht: "Tests ergaben, dass ein Spieler 72 Stunden braucht, um seine Explosivität komplett zu erneuern."

Ursache sei vor allem, dass Sprünge, abruptes Abbremsen und explosive Richtungswechsel mehr Schläge auf den Bewegungsapparat bewirken.

Bei Reisen dauere die Regeneration noch länger, bei (kleineren) Verletzungen reiche diese Zeit sowieso nicht.

Bei solch vollem Spielplan sei es noch wichtiger, dass Spieler, Trainer und Mediziner eng zusammenarbeiteten: "Die Signale des Körpers müssen ernst genommen werden. Macht der Muskel zu, muss der Spieler sofort raus."

Hinzu komme der mentale Stress, ständig auf höchstem Level performen zu müssen.

Deshalb sollte der Kader idealerweise groß genug sein, um Spieler bei körperlicher und mentaler Müdigkeit pausieren zu lassen. Beim FSV Zwickau kaum möglich.

Titelfoto: Picture Point / Gabor Krieg

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