Abstiegsgespenst über Berlin: Januar wird zum Hertha-Horror!

Berlin - Kurz vor Weihnachten siegte Hertha BSC nach einer klasse Leistung mit 3:2 gegen Borussia Dortmund und bescherte den Anhängern ein sorgenfreies Weihnachtsfest. Fünf Wochen später ist wieder Ernüchterung eingekehrt. Die Berliner stecken tief im Abstiegskampf. Wieder einmal!

Kevin-Prince Boateng (34, l.) konnte das Ausscheiden gegen Union nicht verhindern. Die Berliner waren wie hier gegen Dominique Heintz (r.) oft einen Schritt zu spät.
Kevin-Prince Boateng (34, l.) konnte das Ausscheiden gegen Union nicht verhindern. Die Berliner waren wie hier gegen Dominique Heintz (r.) oft einen Schritt zu spät.  © Sören Stache/dpa

Gerade einmal vier Zähler trennen den Tabellen-13. von einem direkten Abstiegsplatz, drei vom Relegationsrang. Spätestens seit dem demütigenden Pokal-Aus gegen den Stadtrivalen 1. FC Union Berlin (2:3) ist klar: Für die Alte Dame geht es nur noch um den Klassenerhalt.

Aus der erhofften sorgenfreien Saison ist nichts geworden. Immer wenn sie sich der Hauptstadt-Klub mal absetzen kann, folgt der nächste Rückschlag.

Viel zu oft macht sich die Elf von Tayfun Korkut (47) selbst das Leben schwer. So wie beim jüngsten 0:1 durch Andreas Voglsammer (30). Das Zustandekommen ist fast schon eine Kopie des Kölner Führungstreffers zum Rückrundenauftakt (1:3). Ein langer Ball auf den Außen reicht, um die komplette Abwehr auszuhebeln.

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Gegen den Krisen-Klub VfL Wolfsburg reichte es nur zu einem 0:0, nachdem sie die ersten 20 Minuten total verschlafen haben.

Im Derby lief dann zunächst nur eine Mannschaft "mit Messern zwischen den Zähnen" auf: Union. Erneut hatten die Gastgeber die Anfangsphase verpennt. Diesmal gar ganze 30 Minuten lang.

"Das können wir so nicht stehen lassen und nicht akzeptieren", sagte der Berliner Übungsleiter. "Wir haben keine Sekunde zu verschenken. Wir müssen jetzt an die Leistungsgrenze gehen, damit das nicht noch einmal passiert".

Hertha BSC will sich gegen den FC Bayern München nicht kampflos ergeben

Maximilian Mittelstädt (24) läuft nach dem Pokal-Aus enttäuscht über den Platz. Der Traum vom Finale im eigenen Stadion platzte ausgerechnet gegen Union.
Maximilian Mittelstädt (24) läuft nach dem Pokal-Aus enttäuscht über den Platz. Der Traum vom Finale im eigenen Stadion platzte ausgerechnet gegen Union.  © Sören Stache/dpa

Wie schon in der vergangene Saison, als Hertha im Januar zur Aufholjagd blies und sich am Ende von Ex-Trainer Bruno Labbadia (55) trennen musste, macht sich über den Jahreswechsel Ernüchterung breit. Aus sechs möglichen Punkten gegen durchaus machbare Gegner holten die Blau-Weißen nur einen - gegen Wolfsburg, die zuvor acht Niederlagen in Folge kassiert hatten. Dazu haben sie sich durch die zweite Derby-Niederlage in zwei Monaten viel Kredit bei den Fans verspielt.

Der Januar wird zum Frust-Monat. Es ist durchaus realistisch, dass es nur bei diesem einen Punkt bleibt. Am Sonntag kommt der FC Bayern München ins Olympiastadion (17.30 Uhr/DAZN). Leisten sich die Berliner erneut solche Unkonzentriertheiten droht das nächste Debakel. Schon im Hinspiel ist Hertha mit 0:5 unter die Räder gekommen.

"Kampflos werden wir uns mit Sicherheit nicht ergeben. Wir werden auch unsere Möglichkeiten suchen, müssen defensiv aber unheimlich aufmerksam und resolut in jedem Zweikampf sein."

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Die Statistik spricht allerdings nicht für die Hausherren. Von den letzten 21 Aufeinandertreffen mit dem Liga-Primus gewann die Alte Dame eines – im September 2018 mit 2:0. Hinzu kommt: Trainer Julian Nagelsmann (34) hat noch nie gegen den Hauptstadt-Klub verloren.

Selbst wenn die Berliner entgegen aller Erwartungen doch noch gegen den Rekordmeister überraschen sollte, heißt das nicht, dass die geschundene Hertha-Seele wieder in Ordnung ist. "Man kann kein Derby mit dem nächsten Spiel wiedergutmachen, egal wer der Gegner ist", so Korkut.

Titelfoto: Sören Stache/dpa

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