Droht Hertha BSC der Werder-Weg und ein Déjà-Vu mit der eigenen Vereinsgeschichte?

Berlin - Eigentlich trennen Hertha BSC und den SV Werder Bremen Welten voneinander, insbesondere wenn man den finanziellen Spielraum nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst (44) beim Hauptstadtklub näher betrachtet. Und doch gibt es auch unschöne Parallelen zwischen den Vereinen.

Bremer Spieler und Betreuer feiern nach überstandener Relegation gegen den 1. FC Heidenheim überschwänglich den Nicht-Abstieg.
Bremer Spieler und Betreuer feiern nach überstandener Relegation gegen den 1. FC Heidenheim überschwänglich den Nicht-Abstieg.  © Tom Weller/dpa

Beide Klubs spielten eine Saison, in der sie gewaltig hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind und beide gerieten dabei in einen nicht enden wollenden Abstiegsstrudel.

Die Bremer waren in der Vorsaison mit dem Ziel angetreten, Jagd auf die Europa-League-Plätze zu machen und sind krachend an dem Vorhaben gescheitert.

Mit jeder Niederlage schwand das Selbstvertrauen, sodass die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt (38) selbst gegen die vermeintlich kleineren Gegner verkrampfte und nicht die erhofften Punkte zur Vermeidung des drohenden Abstiegs einsammeln konnte.

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Neben dem unglaublichen Verletzungspech, dass den SVW in der zurückliegenden Spielzeit heimsuchte, wurde auch schnell klar, dass das Team schlichtweg nicht für einen Abstiegskampf zusammengestellt wurde.

Erst am letzten Spieltag retteten sich die Mannen vom Weserdeich noch in die Relegation und das auch nur dank der Hilfe des 1. FC Union Berlin. Der Abstieg konnte dann letztendlich mit Ach und Krach mit zwei Unentschieden (0:0 und 2:2) gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim verhindert werden.

Am Ende der Saison 2011/12 unterlag Hertha BSC in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf

2012 unterlag Hertha BSC in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf und musste letztmals den Gang in die 2. Bundesliga antreten. (Archivfoto)
2012 unterlag Hertha BSC in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf und musste letztmals den Gang in die 2. Bundesliga antreten. (Archivfoto)  © Marius Becker/dpa

Diesen Gang will sich Hertha sicherlich ersparen, denn die Berliner haben keine guten Erinnerungen an die Relegation, in der sie am Ende der Saison 2011/12 gegen Fortuna Düsseldorf nach Hin- und skandalträchtigem Rückspiel unterlagen (1:2 und 2:2) und letztmals den Gang in die 2. Bundesliga antreten mussten.

Aber aktuell rangieren die Charlottenburger genau auf jenem Relegationsplatz und lediglich die Tordifferenz trennt sie gar von einem direkten Abstiegsplatz.

Dabei kann die Alte Dame im Prinzip noch von Glück reden, denn wenn mit dem FC Schalke 04 nicht ein Verein noch wesentlich deutlicher unter den eigenen Erwartungen geblieben wäre, würde die Situation noch düsterer aussehen.

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Angetreten war der selbsternannte Big City Club allerdings mit ganz anderen Zielen. Nach der gewaltigen Finanzspritze dachte man groß und wollte um die internationalen Plätze mitspielen.

Doch schon in der Vorbereitung zeigte sich, woran es in der Mannschaft krankte: Nach dem Abgang wichtiger Stützen wie Vedad Ibisevic (36) oder Salomon Kalou (35) fehlten dem Team Führungsspieler.

In der Winterpause wurde aus diesem Grund Sami Khedira (33) verpflichtet, der sich jedoch schnell verletzt hat und der Mannschaft auf dem Platz aktuell nicht helfen kann.

Hertha BSC tritt im Abstiegskampf noch gegen die direkte Konkurrenz an

Hertha Coach Pal Dardai (45) muss mit seiner Mannschaft unbedingt gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf punkten, um den Gang in die Zweite Liga zu vermeiden.
Hertha Coach Pal Dardai (45) muss mit seiner Mannschaft unbedingt gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf punkten, um den Gang in die Zweite Liga zu vermeiden.  © Swen Pförtner/dpa

Kalou und Ibisevic haben im Übrigen mit ihren neuen Vereinen auch nicht gerade eine günstige Wahl getroffen, denn sowohl die Schalker, zu denen der Bosnier im Sommer wechselte, als auch Kalous neuer Klub Botafogo FR sind vom Abstieg bedroht beziehungsweise im Fall von Botafogo bereits abgestiegen.

Die Spree-Athener haben ihr Schicksal hingegen noch in der eigenen Hand, denn es warten noch die Duelle gegen die direkte Konkurrenz 1. FSV Mainz 05, Schalke 04, DSC Arminia Bielefeld und den ebenfalls abstiegsbedrohten 1. FC Köln.

Allerdings dürften diese Gegner, mal abgesehen von den Knappen, alle besser für den Abstiegskampf gerüstet sein als die Blau-Weißen. Coach Pal Dardai (45) konnte seiner Truppe zwar neues Selbstvertrauen einimpfen, doch die zweite Halbzeit bei der 0:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund hat gezeigt, dass die Herthaner weiterhin anfällig sind.

Auf ähnliche Schützenhilfe wie Werder, sollten die Berliner freilich nicht hoffen, denn die Eisernen werden im Lokalderby am Ostersonntag (18 Uhr/Sky) mit Sicherheit keine Geschenke verteilen, auch nicht für Freibier.

Vor der Saison hatte TAG24 gefragt: "Quo Vadis Hertha BSC?", diese Frage dürfte mittlerweile beantwortet sein. Wenn die Dardai-Mannen am Ende tatsächlich den Werder-Weg beschreiten und sich über die Relegation retten müssen, drohen ein Déjà-vu mit der eigenen Vereinsgeschichte und ein erneuter Abstieg aus der Bundesliga.

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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