Hat er recht? Bobic rechnet mit Ex-Hertha-Stars Cunha, Lukebakio und Co. ab

Berlin - Sechs Punkte nach sechs Spielen, schon 18 Gegentore und das Debakel in Leipzig: Hertha BSC ist zurück im Krisenmodus. Von dem Aufwärtstrend war bei RB Leipzig nichts zu sehen. Mit einer 0:6-Packung wurde die Alte Dame wieder nach Hause geschickt. Dabei sollte der Hauptstadt-Klub nach zwei chaotischen Jahren endlich wieder in ruhiges Fahrwasser geführt werden.

Fredi Bobic (49) hat bei Hertha BSC den nächsten Umbruch eingeleitet.
Fredi Bobic (49) hat bei Hertha BSC den nächsten Umbruch eingeleitet.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Neu-Manager Fredi Bobic (49) leitete den nächsten Umbruch ein und setzte vor allem auf Spieler mit Mentalität. Er will aus den Berlinern eine echte Kämpfertruppe machen. Davon war am Samstag aber nichts zu sehen. Hertha hatte sich nach dem 0:1 quasi ergeben.

"Wir sind gerade dabei, eine neue Entwicklung anzustoßen. Das geht nicht mit Fingerschnipsen, das braucht Zeit", warb Bobic im "Kicker" weiter um Geduld.

Neben den erheblichen Verletzungssorgen in der Abwehr sahen viele Hertha-Fans auch in der Kaderplanung die Gründe für die zweite Klatsche innerhalb von nur vier Wochen. Im Sommer hatten die Blau-Weißen mit Matheus Cunha (22), Jhon Cordoba (28), Dodi Lukebakio (24) und Javairo Dilrosun (23) fast die komplette Offensivabteilung abgegeben.

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Kritik wollte der Manager aber nicht aufkommen lassen. "Wie befriedigend waren die letzte Saison und die davor? Wie weit haben diese Spieler Hertha gebracht?", fragte Bobic und teilte gegen die Ex-Stars aus.

"Genau das ist doch der Punkt: Du kommst hierhin, siehst eine Mannschaft, in der etwas Grundlegendes nicht zu funktionieren scheint, und fragst dich, was das größte Problem ist."

Hertha BSC hat fast die komplette Offensive abgegeben

Herthas Topscorer Matheus Cunha (22/l.) spielt inzwischen beim spanischen Meister Atletico Madrid.
Herthas Topscorer Matheus Cunha (22/l.) spielt inzwischen beim spanischen Meister Atletico Madrid.  © Soeren Stache/dpa-Pool/dpa

Rumms! Das hat gesessen. Doch hat der neue Sportchef mit seiner Einschätzung auch recht?

Gerade ein Cunha hätte der Mannschaft gutgetan. Offensiv fand Hertha überhaupt nicht statt. Schon beim VfL Bochum (3:1) und vor allem in der ersten Hälfte gegen die SpVgg Greuther Fürth (2:1) tat sich der Hauptstadt-Klub schwer, generell Chancen zu erspielen.

Allein in der vergangenen Saison war der Brasilianer zusammen mit Lukebakio und Cordoba für fast die Hälfte aller Tore verantwortlich. Das Trio erzielte 19 der insgesamt 41 Treffer. Ohne ihre Treffsicherheit wäre Hertha vermutlich abgestiegen.

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Andererseits fielen gerade Cunha und Lukebakio immer wieder auch negativ auf. Das ist auch Bobic nicht entgangen, der bemerkte, dass in der letzten Saison die "totale Hingabe und die Bereitschaft, ihre individuelle Qualität ins Team zu investieren" gefehlt habe.

Gekommen sind stattdessen Stevan Jovetic (31), Marco Richter (23), Ishak Belfodil (29), Jurgen Ekkelenkamp (21) und Myziane Maolida (22). In Zahlen drückt sich das so aus: Gemeinsam kommen die fünf Neuzugänge auf 16 Treffer.

Hertha hat also Qualität abgeben, dafür aber Spieler bekommen, die mit Leidenschaft die Fahne auf der Brust tragen. Die neuen Hertha-Stars machen auch Lust auf mehr. Gerade Maolida, Ekkelenkamp und Jovetic legten einen famosen Start hin, als sie jeweils bei ihrem Bundesliga-Debüt gleich trafen. Ist aber wie in Leipzig oder in München nichts von Kampf und Einsatz zu sehen, muss sich auch der Manager unangenehme Fragen gefallen lassen.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa, Soeren Stache/dpa-Pool/dpa

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