Herthas Stürmer-Not immer schlimmer: "Das Sprunggelenk ist am Arsch"

Berlin - Die fast sechs Minuten Nachspielzeit waren dann auch Pal Dardai (45) zu viel. Wütend geigte der Hertha-Coach Schiedsrichter Markus Schmidt nach Schlusspfiff die Meinung, wofür er sich auch noch Gelb wegen Meckerns abholte. Sei's drum! Die Gelbe Karte hat der Ungar sicher gerne in Kauf genommen.

Der nächste Verletzte: Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek muss gestützt vom Platz. Der Pole vergrößert die Not im Angriff.
Der nächste Verletzte: Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek muss gestützt vom Platz. Der Pole vergrößert die Not im Angriff.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Seine Mannschaft hat das "Bonusspiel" gegen den FC Schalke 04 mit Ach und Krach noch mit 2:1 gewonnen und hat nun beste Chancen auf den Klassenerhalt. Ein Spiel nichts für schwache Nerven!

"Das war ein verdienter Sieg", lobte der 45-Jährige seine Elf bei Sky. "Wir hatten auch schon in der ersten Halbzeit genug Möglichkeiten. Dann kriegst fast aus dem Nichts ein Gegentor, doch die Mannschaft ist ruhig geblieben.

Wenn die Konkurrenten mitspielen, reicht Hertha BSC beim nächsten Abstiegskracher gegen den 1. FC Köln womöglich sogar schon ein einziger Punkt für die Rettung. "Jetzt haben wir zwei Matchbälle und dann schaffen wir das. Jetzt müssen wir alle positiv bleiben und auch die Regeneration wird einfacher."

Hertha muss auf Cunha verzichten: Brasilianer stürmt bei Olympia!
Hertha BSC Hertha muss auf Cunha verzichten: Brasilianer stürmt bei Olympia!

Den ersten Auswärtssieg nach sechs Monaten hat sich der Hauptstadt-Klub allerdings teuer erkauft. Mit Dodi Lukebakio (23/Gelb-Rot), Vladimir Darida (30/5. Gelbe) und Krzysztof Piatek (25/verletzt) fehlen die nächsten wichtigen Stammspieler im Abstiegskampf.

Schon im Vorfeld war die Verletztenliste schon prall gefüllt. Dardai musste auf acht Spieler verzichten und hat mit Piatek nun den nächsten Ausfall. Ob Herthas Pistolero überhaupt noch einmal eingreifen kann, ist fraglich. "Es sieht nicht gut aus", sagte Trainer Dardai: "Das Sprunggelenk ist am Arsch."

Bei dem Angreifer besteht der Verdacht auf Verletzung des Bandapparates oder der Kapsel im Sprunggelenk. Eine genaue Diagnose steht aber erst nach einer eingehenden Untersuchung am Donnerstag fest.

Jessic Ngankam wird zum Matchwinner: Rüffel für Dodi Lukebakio

Jessic Ngankam (M) jubelt mit seinen Mitspielern Dodi Lukebakio (r.), Peter Pekarik (2.v.r.) und Dedryck Boyata (l.) seinen Siegtreffer zum 2:1.
Jessic Ngankam (M) jubelt mit seinen Mitspielern Dodi Lukebakio (r.), Peter Pekarik (2.v.r.) und Dedryck Boyata (l.) seinen Siegtreffer zum 2:1.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Da Lukebakio kurz vor Schluss auch noch mit Gelb-Rot vom Platz flog (88. Minute), vergrößert sich im Angriff noch einmal die Not. Langsam aber sicher gehen die Stürmer aus. Jhon Cordoba (28/Sprunggelenk) und Matheus Cunha (21/Fuß) fehlten bereits auf Schalke und müssen auch gegen Köln passen.

Dementsprechend sauer war Dardai über den Platzverweis. "Das war blödsinnig und unnötig, das akzeptiere ich nicht", so die Hertha-Ikone: "Jetzt kommt der böse Trainer zu ihm. Irgendwann reicht es mit nett sein."

Dass die Berliner am Ende über drei ganz wichtige Punkte jubeln konnten, lag zum einen am Pfosten-Dusel und an Jessic Ngankam (20). Das Eigengewächs spielte unter Dardai bislang kaum eine Rolle und wurde prompt zum Matchwinner.

Hauptstadt-Duell wird zum Nord-Derby: Hertha jetzt der nördlichste Bundesliga-Klub
Hertha BSC Hauptstadt-Duell wird zum Nord-Derby: Hertha jetzt der nördlichste Bundesliga-Klub

Lukebakio schickte Nemanja Radonjic (24) auf Reisen, der legte in die Mitte ab, wo Ngankam lauerte. Mit rechts kurz angenommen jagte der Nachwuchsstürmer den Ball in die kurze Ecke - Spiel gedreht (74.).

"Ich mache das, was ich vorher trainiert habe", erklärte der glückliche Siegtorschütze. "Ich bin seit dem sechsten Lebensjahr hier im Verein. Ein richtiger Herthaner. Ich bin stolz der Mannschaft so geholfen zu haben."

Schalke ging mit dem ersten Angriff durch Amine Harit (23) bereits nach sechs Minuten in Führung. Der frühe Rückstand war den Berlinern sichtlich anzumerken, eine Standardsituation brachte Hertha aber wieder zurück (18.). Dedryck Boyata (30) war per Kopf zur Stelle, ehe Dardai mit Ngankam das richtige Händchen bewies.

In der Nachspielzeit hätte die Alte Dame den Sieg aber beinah noch aus der Hand gegeben. Schalke scheiterte gleich zweimal nacheinander am linken Pfosten. "Wie viele Sonntagsschüsse hatten wir nach einer guten Leistung kassiert. Jetzt hat uns der Fußball-Gott was zurückgegeben", freute sich Dardai über die wichtigen Bonuspunkte.

Titelfoto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Mehr zum Thema Hertha BSC: