Hertha bleibt die Drama-Queen der Liga: Hat Magath die Relegation heraufbeschworen?

Berlin - Nun heißt der Gegner also Hamburger SV. Überrascht ist darüber in Berlin niemand. Schon gar nicht Felix Magath (68). Der Trainerfuchs hatte schon vor Wochen verraten, dass er beim Amtsantritt davon ausgegangen war, in der Relegation gegen seinen geliebten HSV antreten zu müssen.

Herthas Marvin Plattenhardt (30, l.) wird nach dem Schlusspfiff von Dortmunds Jude Bellingham (18) getröstet. Felix Magath (68, r.) hat die Relegation schon früh kommen sehen. (Bildmontage)
Herthas Marvin Plattenhardt (30, l.) wird nach dem Schlusspfiff von Dortmunds Jude Bellingham (18) getröstet. Felix Magath (68, r.) hat die Relegation schon früh kommen sehen. (Bildmontage)  © Stefan Puchner/dpa, David Inderlied/dpa

Und der erfahrene Bundesligacoach sollte mir seiner Vorahnung recht haben. Die Rothosen, die in dieser Saison schon mehrfach abgeschrieben waren, haben ihr Trauma von Platz vier überwunden. Durch ein 3:2 beim FC Hansa Rostock sicherten sie sich den dritten Rang und damit die Relegation.

Auch wenn man die zwei extra Spiele angesichts der Katastrophen-Saison als Belohnung sehen müsste, fühlt es sich eher wie eine Bestrafung an. Hertha BSC war eigentlich schon gerettet, kann aber offenbar nicht ohne Drama.

Gleich drei Matchbälle haben sie nacheinander liegengelassen. Der Hauptstadt-Klub ist und bleibt die Drama-Queen der Liga.

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In Bielefeld verdaddelte man das fast schon sichere 2:0 und fing sich nur eine Minute später doch noch den Ausgleich. Eine Woche später hätte der Alten Dame ein Punkt gegen den 1. FSV Mainz 05 (1:2) gereicht.

Für die Mainzer ging es um nichts mehr, dennoch setzte es vor über 71.000 Zuschauer im Olympiastadion eine 1:2-Heimpleite, weil Davie Selke (27) beim vermeintlichen Ausgleich etwas zu viel Armeinsatz zeigte.

Auch bei Borussia Dortmund waren die Blau-Weißen dem Ziel Klassenerhalt lange nahe, ehe ein diskutabler Handelfmeter und ein spätes Gegentor durch Youssoufa Moukoko (17) mit seinem ersten Ballkontakt das Spiel kippte. Da auch noch dem VfB Stuttgart die Last-Minute-Rettung gelang, rutschten die Berliner noch auf Platz 16 ab. Wieder hätte nur ein Punkt gereicht.

Hertha BSC: Felix Magath-Orakel schlägt wieder zu

Hängende Köpfe nach der Dortmund-Pleite. Herthas Marco Richter (24, v.l.n.r.) Dedryck Boyata (31) und Vladimir Darida (31) müssen erstmal aufgebaut werden.
Hängende Köpfe nach der Dortmund-Pleite. Herthas Marco Richter (24, v.l.n.r.) Dedryck Boyata (31) und Vladimir Darida (31) müssen erstmal aufgebaut werden.  © David Inderlied/dpa

Während die Profis den Tränen nahe zu Boden sackten, richtete Magath gleich den Blick nach vorne. "Ich freu' mich drauf! Noch mal zwei schöne Spiele, noch mal volle Hütte, noch mal Druck, noch mal Stress. Einfach wunderbar!", so der 68-Jährige zur ARD.

Da wusste er aber noch nicht, dass er tatsächlich gegen den HSV ran muss. Seinem Herzensverein, dem er als Spieler zehn Jahre lange die Treue hielt und mit dem er dreimal die Deutsche Meisterschaft sowie den Europapokal der Landesmeister (1983) und den Europapokal der Pokalsieger (1977) gewann. Zeit für Sentimentalitäten hat Quälix aber nicht.

"Der HSV, das steht doch vollkommen außer Frage, ist der größte Abschnitt meines Fußballer-Lebens. Aber das spielt für diese beiden Begegnungen überhaupt keine Rolle! Es geht nach wie vor nicht um mich oder meine Vergangenheit mit dem HSV. Es geht einzig und allein um Hertha BSC - um den Klassenerhalt", sagte der Hertha-Coach dem "Kicker".

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Dennoch ist es schon erstaunlich, wie häufig er mit seinen Prognosen richtig liegt. Auch wenn das Momentum gerade für den Zweitligisten spricht und die ohnehin prall gefüllte Ausfallliste mit Marcel Lotka (20, Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung) und Santiago Ascacibar (25, 5. Gelbe Karte) nochmal länger werden könnte, dürfte die Hertha-Fans zumindest eine Sache positiv stimmen.

Felix Magath war schon von Anfang an vom Klassenerhalt überzeugt. Chancen hatten die Berliner genug. Jetzt müssen sie ihre letzte auch nutzen.

Titelfoto: Stefan Puchner/dpa, David Inderlied/dpa

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