Hertha-Abstieg rückt näher: Ist der Dardai-Effekt schon verpufft?

Berlin - Das Abstiegsgespenst geistert durch Berlin! Neun Jahre nach dem letzten Abstieg droht Hertha BSC erneut der Gang in Liga zwei. Nach dem harmlosen Auftritt bei Borussia Dortmund (0:2) und dem überraschenden Sieg von Arminia Bielefeld in Leverkusen stehen die Berliner erstmals auf dem Relegationsplatz - punktgleich mit dem 1. FSV Mainz 05.

Pal Dardai (45) kassierte bei Borussia Dortmund die nun schon fünfte Niederlage aus sieben Spielen als neuer Hertha-Trainer.
Pal Dardai (45) kassierte bei Borussia Dortmund die nun schon fünfte Niederlage aus sieben Spielen als neuer Hertha-Trainer.  © Bernd Thissen/dpa

Mit Pal Dardai (45) soll die schwierige Mission Klassenerhalt gelingen. Eine Trendwende gelang aber auch dem Ungar nicht. Die Bilanz: ein Sieg, ein Unentschieden und fünf Niederlagen.

Ist der Effekt eines Trainerwechsels schon verpufft? Schaut man nur auf die Zahlen, könnte man durchaus zu dem Entschluss kommen. In den sieben Spielen mit dem alten und neuen Chefcoach an der Seitenlinie holte Hertha nur vier Punkte.

Mit mageren 21 Zählern steht die Alte Dame nur aufgrund des Torverhältnisses nicht auf einem direkten Abstiegsplatz.

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Bevor Dardai Bruno Labbadia (54) beerbt hatte, betrug der Vorsprung auf Mainz noch sieben Punkte. Während die Mainzer im Aufwind sind, taumeln die Blau-Weißen nun dem Abstieg entgegen.

Diese Sichtweise ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Der Spielplan hat es nicht gerade gut gemeint. Mit Eintracht Frankfurt (1:3), FC Bayern München (0:1), RB Leipzig (0:3), VfL Wolfsburg (0:2) und Dortmund (0:2) musste Dardai bereits gegen die Top-Fünf der Liga ran.

Dass die Berliner gegen die Spitzenmannschaften punkten würde, hat niemand erwartet. Mit etwas mehr Spielglück wäre aber nicht nur gegen Bayern eine Überraschung drin gewesen. Die Hertha-Ikone hat es geschafft die Mannschaft zu stabilisieren. Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Es ist wieder ein Team auf dem Platz!

Hertha BSC setzt auf Muss-Siege gegen die direkten Konkurrenten

Herthas Vladimir Darida (r.) erwischt Marko Reus (M.) voll am Knöchel. Der Tscheche wird den Berlinern durch seine Rote Karte drei Spiele lang fehlen.
Herthas Vladimir Darida (r.) erwischt Marko Reus (M.) voll am Knöchel. Der Tscheche wird den Berlinern durch seine Rote Karte drei Spiele lang fehlen.  © Bernd Thissen/dpa

Der Hauptstadt-Klub spielt zwar wesentlich defensiver als noch unter Labbadia, doch bislang stellte Hertha jeden Gegner vor Probleme. Auch der BVB hatte lange an der Alten Dame zu knabbern, ehe ein Bock von Rune Jarstein (36) die nun schon 14. Niederlage aus 25 Spielen einleitete.

Es ist aber die Offensive, die Dardai den Schlaf raubt.

"Nach so einer zweiten Halbzeit mache ich mir Sorgen. Dann muss man sich Fragen stellen über das Können", kritisierte der 45-Jährige. In Dortmund gelang Hertha nicht ein einziger Schuss aufs Tor. Noch nicht einmal eine Ecke konnten sie sich erspielen.

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Das soll und muss gegen Bayer 04 Leverkusen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) besser werden. Doch selbst wenn die Überraschung gegen den nächsten Top-Klub ausbleibt, bleiben die Verantwortlichen in Charlottenburg ruhig.

Sie wissen auch: Die wichtigen Duelle gegen die direkten Mitkonkurrenten Bielefeld, Mainz, Schalke und Köln kommen erst noch. "Nach Leverkusen kommen anderen Mannschaften mit einem anderen Niveau. Diese Spiele müssen wir gewinnen."

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

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