Hertha am Boden: Alles wieder wie vor 10 Jahren!

Berlin - Wer soll Hertha BSC jetzt noch retten? Die Berliner stehen nach dem 0:1 gegen den Hamburger SV mit einem Bein in der 2. Liga. Obwohl im Rückspiel nur ein Tor aufgeholt werden muss, glauben wohl nur die wenigsten in Berlin noch an die Rettung.

Fassungslos müssen sich Herthas Lucas Tousart (25, l), Maximilian Mittelstädt (25) und Stevan Jovetic (32, r.) nach dem Mutlos-Auftritt die Niederlage im Relegationshinspiel eingestehen.
Fassungslos müssen sich Herthas Lucas Tousart (25, l), Maximilian Mittelstädt (25) und Stevan Jovetic (32, r.) nach dem Mutlos-Auftritt die Niederlage im Relegationshinspiel eingestehen.  © Tobias SCHWARZ / AFP

Herthaner sind schon von Natur aus eher pessimistisch und dürften sich am Donnerstagabend wieder bestätigt fühlen: zu mutlos, zu ideenlos, zu konzeptlos. In einem so wichtigen Spiel ging komplett gar nichts!

Mal abgesehen von dem aberkannten vermeintlichen Führungstreffer durch Ishak Belfodil (30) brachte der Hauptstadtklub in 90 Minuten nur einen einzigen gefährlichen Abschluss zustande (Jovetic, 56.). Gegen einen Zweitligisten. Zu Hause vor 75.500 Zuschauern. Viel zu wenig, um in der Liga zu bleiben.

So bekommt den Hertha-Fans ein Gefühl, das sie bereits kennen. Viel zu häufig wurden sie in dieser Katastrophen-Saison schon enttäuscht. Und doch waren die Fans wieder im Olympiastadion, sorgten für eine fantastische Atmosphäre. Hertha aber scheint die Kulisse wie so oft eher zu lähmen, als zu beflügeln.

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Die Anhänger dürften ohnehin mit einem mulmigen Gefühl in Richtung Westend gefahren sein. Anders als der HSV haben die Berliner keine guten Erinnerungen an die Relegation.

Hertha BSC setzte 2012 auf den Retter Otto Rehagel, jetzt soll es Felix Magath richten

Die Hertha-Fans in der Ostkurve sorgten, wie auch die Hamburger Fußballanhänger, für eine fantastische Atmosphäre im Olympiastadion.
Die Hertha-Fans in der Ostkurve sorgten, wie auch die Hamburger Fußballanhänger, für eine fantastische Atmosphäre im Olympiastadion.  © Tobias SCHWARZ / AFP

Zu präsent sind noch die Erinnerungen an den letzten Abstieg vor zehn Jahren. 2012 empfing die Alte Dame zunächst Fortuna Düsseldorf im Olympiastadion. Auch hier unterlag man dem Zweitligisten (1:2) im Hinspiel knapp. Das Rückspiel sollte dann als Skandal-Spiel in die Geschichtsbücher eingehen.

Generell lassen sich erschreckend viele Parallelen zu 2012 aufweisen. Vor zehn Jahren war es ein gewisser Michael Skibbe (56), der nach gerade mal fünf Spielen und fünf Niederlagen wieder seine Koffer packen musste. Ein Retter musste her - und der war schnell gefunden.

Michael Preetz (54) setzte mit Otto Rehagel (83) einen Feuerwehrmann auf die Trainerbank. Er sollte den Karren aus dem Dreck ziehen. Die Bilanz war aber eher ernüchternd. In 13 Spielen sammelte Rehakles gerade mal elf Zähler.

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Eine ähnliche Bilanz hat auch Tayfun Korkut (13 Spiele/9 Punkte) vorzuweisen. Der 48-Jährige gilt als ähnliches Missverständnis, wie Skibbe. Wieder musste ein Retter her. Es kam Felix Magath (68).

Unter Quälix und der Schotten-Power an der Seitenlinie schien die Mannschaft gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt zu haben, doch nach drei vergeben Matchbällen scheint auch der Trainerfuchs mit seinem Latein am Ende zu sein.

Fredi Bobic droht das Preetz-Schicksal

Trainerfuchs Felix Magath (68, r.) hatte die Relegation gegen seinen HSV schon vorausgesagt. In Hamburg braucht es eine deutliche Leistungssteigerung.
Trainerfuchs Felix Magath (68, r.) hatte die Relegation gegen seinen HSV schon vorausgesagt. In Hamburg braucht es eine deutliche Leistungssteigerung.  © Andreas Gora/dpa

Sobald sein Team ein Tor kassiert, ist das Spiel im Prinzip gelaufen. Offensiv finden sie quasi nicht statt.

War es 2012 eine angebliche Sex-Affäre auf der Geschäftsstelle, die für das Aus von Markus Babbel (49) und für ständige Unruhe im Verein sorgte, verging auch in dieser Saison kaum ein Tag ohne Negativschlagzeilen. Notfalls meldete sich der Investor Lars Windhorst (45) in den unpassendsten Momenten, um seine Privatfehde gegen Präsident Werner Gegenbauer (71) in die Öffentlichkeit zu bringen, zu Wort.

Und Fredi Bobic (50)? Dem neuen Hertha-Boss, im Sommer noch als Heilsbringer empfangen, droht das gleiche Schicksal wie sein Vorgänger. In seiner ersten Amtszeit führte Preetz die Alte Dame in die 2. Liga. Das war zwar nicht vor zehn, sondern bereits vor zwölf Jahren, das Ergebnis bleibt aber gleich: Hertha stieg ab!

Nur Magath scheint noch dran zu glauben, das Worst-Case-Szenario doch noch abzuwenden. "Es sind ja nicht nur 90 Minuten, sondern zweimal 90 Minuten. Heute war der HSV der Glücklichere, aber warum sollen wir nicht auch mal der Glücklichere sein?", sagte der Hertha-Coach. Dafür muss seine Mannschaft in Hamburg aber einen ganz anderen Auftritt hinlegen.

Titelfoto: Tobias SCHWARZ / AFP

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