"Hatten einiges anders vor": Hat Hertha falsch eingekauft?

Berlin - Dass Hertha BSC lange Zeit kein Saisonziel bekannt geben wollte, lag auch an der extrem langen Transferperiode. Erst vergangenen Montag (5. Oktober) schloss das Transferfenster. Nun ist die Mannschaft komplett und anders als Manager Michael Preetz (53) sprach Jens Lehmann (50) prompt von Europa.

Eduard Löwen kehrte vorzeitig vom FC Augsburg zurück.
Eduard Löwen kehrte vorzeitig vom FC Augsburg zurück.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Berliner haben am Deadline Day noch einmal nachgelegt. Mit Arsenal-Star Matteo Guendouzi (21), Omar Alderete (23) und Augsburg-Rückkehrer Eduard Löwen (23) hat Bruno Labbadia (54) noch einmal drei Neue bekommen.

Zuvor hatte der Hauptstadt-Klub bereits mit Alexander Schwolow (28) eine neue Nummer eins, Rechtsverteidiger Deyovaisio Zeefuik (22), Rekord-Einkauf Lucas Tousart (23) und Stürmer Jhon Cordoba (27) verpflichten können.

"Wir sind nicht unzufrieden mit dem, was wir gemacht haben. Jetzt können wir das Augenmerk wieder auf den Fußball legen", erklärte Preetz. 

Beim Trainer klang das etwas anders: "Wir hatten einiges anders vor. Aber wir haben klare Vorgaben aufgrund der Situation, die in der Welt herrscht, die auch in der Bundesliga herrscht."

Eigentlich galt Hertha als einer der Gewinner der Vorbereitung. Durch die erneuten Windhorst-Millionen hätte man noch einmal richtig angreifen können. Große Namen wurden aber nicht verpflichtet. Weder eine Leihe von Christian Eriksen (28), noch ein Transfer von Mario Götze (28) kam am Ende zustande.

Statt fertige Spieler mit reichlich Erfahrung zu holen, hat die Alte Dame einer der jüngsten Mannschaften der Liga. Dabei ist Labbadia mit dem Abgang von Per Skjelbred (33), Vedad Ibisisevic (36) und Marko Grujic (24) eine gesamte Achse weggebrochen. Bis sich die Mannschaft gefunden hat, braucht es Zeit.  Vielleicht spricht der Hertha-Coach auch deshalb von einer "Mannschaft der Zukunft."

Hertha BSC fehlt der Führungsspieler

Matteo Guendouzi (r.) läuft sich neben Mesut Özil warm.
Matteo Guendouzi (r.) läuft sich neben Mesut Özil warm.  © Arne Dedert/dpa

Über 33 Millionen Euro hat der Hauptstadt-Klub in dieser Transferperiode ausgeben. Ein Führungsspieler konnten die Berliner aber ebenso wenig unter Vertrag nehmen, wie den gesuchten Flügelspieler. 

Einer der die Rolle des Leitwolfs übernehmen könnte, ist Arsenal-Leihgabe Guendouzi. Der 21-Jährige kennt zwar wie Alderete nicht die Bundesliga, kommt aber mit der Empfehlung von über 80 Pflichtspielen für den FC Arsenal.

Sein Talent ist kaum zu übersehen. Allerdings hatte sich der temperamentvolle Franzose mit Mikael Arteta (38) überworfen und in London zuletzt überhaupt keine Rolle mehr gespielt. Sein letzter Einsatz datiert vom 20. Juni. 

Immerhin konnte der Mittelfeldeintreiber während der Länderspielpause Spielpraxis und Selbstvertrauen sammeln, als er beim 5:0 gegen Lichtenstein für Frankreichs U21 einen Treffer vorbereiten konnte.

Dass sich Hertha auf dem Transfermarkt zurückgehalten hat, liegt auch an der Corona-Krise. Niemand kann einschätzen, wie lange die Pandemie noch andauert. "Wir werden, wenn wir auch bis zum Ende dieser Saison ohne Zuschauer spielen, ganz sicher am Ende über ein mittleres zweistelliges Millionen-Minus sprechen, und dem muss man Rechnung tragen mit dem, was man auf dem Transfermarkt macht", hatte Preetz am Tag nach dem Deadline Day bereits erklärt.

Angesichts der unklaren Situation ist es vernünftig, dass Hertha die Windhorst-Millionen nicht auf einen Schlag ausgibt. Bleiben aber die Ergebnisse aus, könnte es ein ungemütlicher Herbst werden.   

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa, Arne Dedert/dpa

Mehr zum Thema Hertha BSC:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0