Hertha wieder in der Krise, Labbadia rechnet mit Cunha ab: "Unterirdisch"

Berlin - 13 Punkte nach 13 Spielen! Diese Saison hat sich Hertha BSC ganz anders vorgestellt. Statt um die Europapokal-Plätze mitzuspielen, stecken die Berliner erneut im Abstiegskampf. Der Abstand zum Relegationsplatz 16 beträgt nach der 1:4-Klatsche beim SC Freiburg nur noch drei Punkte.

Bruno Labbadia (r.) fand für den Auftritt von Matheus Cunha deutliche Worte.
Bruno Labbadia (r.) fand für den Auftritt von Matheus Cunha deutliche Worte.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB, Philipp von Ditfurth/dpa

Vor allem den ersten Durchgang hatte die Harmlos-Hertha komplett verschenkt. Von Gegenwehr war nichts zu sehen. Dementsprechend gefrustet war Bruno Labbadia (54). "Wir haben in der ersten Halbzeit gesehen, wie man es nicht machen soll. Das haben wir sehr gut gezeigt. Wir haben uns null an taktische Vorgaben gehalten."

Hatte sich der 54-Jährige nach der Nullnummer gegen Mainz noch vor seine Mannschaft gestellt, wollte und konnte er dies diesmal nicht machen. "Wir haben ein Gesicht gezeigt, was nicht so funktioniert. Der ein oder andere meint, dass er sein Spiel alleine durchziehen kann."

Namen nannte der Hertha-Coach zwar nicht, doch er dürfte damit vor allem Matheus Cunha (21) gemeint haben. Der Brasilianer wurde nach einer blutleeren Vorstellung zur Pause rausgenommen.

"Wenn wir ehrlich sind, hätten wir ihn schon zuletzt gegen Mainz runternehmen müssen, das haben wir nicht gemacht, weil wir immer daran glauben, dass er etwas Besonderes machen kann", erklärte der verärgerte Übungsleiter und rechnete mit seinem Star ab. "Heute haben wir uns dafür entschieden, nachdem er in der ersten Halbzeit für mich unterirdisch war."

Vor der Gelbsperre noch Leistungsträger (sechs Tore, zwei Vorlagen), ist der 21-Jährige plötzlich das Sorgenkind. Die Bilanz des Angreifers: 21 Ballkontakte, kein Torschuss und nur 17 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

Bruno Labbadia findet deutliche Worte: "Ich bin total verärgert"

Nicht zu halten für Alexander Schwolow. Nils Petersen verwandelt den Elfmeter zum 4:1.
Nicht zu halten für Alexander Schwolow. Nils Petersen verwandelt den Elfmeter zum 4:1.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Auch beim 0:1 durch Vincenzo Grifo (7.) war Cunha mit einem leichtfertigen Ballverlust nicht unbeteiligt. "Er zieht sich selbst runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter."

Dabei monierte Labbadia wieder einmal die Körpersprache des Südamerikaners, der schön öfter mit abfälligen Gesten in Richtung seiner Mitspieler aufgefallen war.

"Er ist noch ein junger Mensch mit 21, aber er muss es schleunigst verändern", so der 54-Jährige. "Bei aller Wichtigkeit. Das ist ein No-Go. Es ist sehr selten, dass ich so was mache, aber ich sage es ganz ehrlich: Ich bin total verärgert."

Die Niederlage nur am Topscorer festmachen, wollte Labbadia aber auch nicht. Erst nach dem Seitenwechsel zeigte seine Mannschaft endlich ein anderes Gesicht. Dodi Lukebakio (52.) erzielte den Ausgleich, danach hätten die Berliner in Führung gehen müssen, ließen beste Chancen aber ungenutzt.

So aber gingen die Breisgauer aus dem Nichts in Führung. Ermedin Demirovic (59.) stellte auf 2:1. Spätestens mit dem 3:1 durch Manuel Gulde (67.) war das Aufbäumen dann auch beendet. Nils Petersen (90.+3) sorgte per Foulelfmeter für den Endstand.

Mit nur 13 Punkten beendet der ambitionierte "Big City Club" das Fußballjahr 2020 auf Platz 14. Zum Vergleich: In der vergangenen Spielzeit hatten die Berliner zum gleichen Zeitpunkt der Saison elf Zähler auf dem Konto. Die nächsten Wochen könnten auch für den Trainer ungemütlich werden: "Mich ärgert weniger, wo wir gerade stehen. Mich ärgert mehr, wo wir hätten stehen können."

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB, Philipp von Ditfurth/dpa

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