Hertha BSC chancenlos: Bayern-Gala verschärft Berliner Abstiegssorgen

Berlin - Die Überraschung blieb aus! Hertha BSC kam zum Abschluss des 20. Spieltags erwartungsgemäß unter die Räder. Gegen den FC Bayern München verloren die Berliner mit 1:4 (0:2). Während die Bayern klar auf Meisterschaftskurs sind, stecken die Hausherren weiter tief im Abstiegskampf.

Bayern ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen. Corentin Tolisso (r.) bejubelt sein Führungstor.
Bayern ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen. Corentin Tolisso (r.) bejubelt sein Führungstor.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die ersten Tore vor 3000 Zuschauer im nasskalten Olympiastadion erzielten Corentin Tolisso (1:0/25. Minute) und Thomas Müller zum 2:0 (45.). Nach der Pause erhöhten Leroy Sané (3:0/75.) und Serge Gnabry (79.). Jurgen Ekkelenkamp gelang nur noch der Anschlusstreffer zum 1:4 (80.).

Tayfun Korkut setzte nach dem enttäuschenden Pokal-Aus gegen den 1. FC Union Berlin (2:3) auf Rotation und tauschte seine Elf auf vier Positionen aus. Linus Gechter, Peter Pekarik, Marton Dardai und Myziane Maolida erhielten den Vorzug vor Santiago Ascacibar, Marco Richter, Lukas Klünter (alle Bank) und Niklas Stark (verletzt).

Stevan Jovetic saß zunächst nur auf der Bank. Dafür meldete der Hauptstadtklub kurz vor Beginn mit Davie Selke den nächsten Corona-Fall.

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Hertha BSC Wirbel in der Relegation: Hat Hertha einen Wechselfehler begangen?

Bayern-Coach Julian Nagelsmann konnte nach dem Corona-Alarm zum Rückrundenbeginn hingegen wieder aus dem Vollen schöpfen. Im Vergleich zum 4:0 beim 1. FC Köln nahm er drei Veränderungen vor. Kingsley Coman, Leroy Sané und Lucas Hernandez verdrängten Marc Roca, Jamal Musiala und Marcel Sabitzer (alle Bank) aus der Startelf.

Zum Spiel: Die Gastgeber setzten gegen das Münchener Offensivfeuerwerk auf eine Dreier- bzw. Fünferkette und sahen sich gleich in die Defensive gedrängt. Der Rekordmeister drückte von Beginn an aufs Gaspedal. Es waren keine 120 Sekunden gespielt, da zappelte der Ball auch schon im Netz.

Die Startelf von Hertha BSC: Davie Selke fiel mit Corona aus

Die Anfangself des FC Bayern München

Corentin Tolisso bringt den FC Bayern München bei Hertha BSC in Führung

Peter Pekarik (r.) kann die Flanke gegen Kingsley Coman nicht verhindern. Erneut war Hertha über Außen anfällig.
Peter Pekarik (r.) kann die Flanke gegen Kingsley Coman nicht verhindern. Erneut war Hertha über Außen anfällig.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Einem Chipball von Thomas Müller verwertete Corentin Tolisso zur vermeintlichen Führung (2.). Der Franzose stand aber mit dem Knie knapp im Abseits. Der Treffer wurde zu Recht zurückgenommen.

Wie schon gegen den VfL Wolfsburg und Union fand die Alte Dame in der Anfangsphase quasi nicht statt, was aber auch am Gegner lag. Hertha hatte mit dem Pressing erhebliche Probleme, kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus und begann immer wieder zu schwimmen.

Alexander Schwolow musste in den ersten 15 Minuten gleich mehrmals klären. Erst rettete der Schlussmann etwas unorthodox gegen Müller, dann war er auch bei Distanzschüssen zur Stelle.

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Hertha BSC Nie mehr die Fahne auf der Brust? Sturmjuwel kehrt Hertha wohl endgültig den Rücken

Mitte der ersten Hälfte konnten sich die Berliner so langsam aus der Umklammerung lösen. Ishak Belfodil per Kopf (21.) und Maolida (24.) gaben die ersten Warnschüsse ab. Doch ausgerechnet in der bislang stärksten Phase schlugen die Bayern zu. Erneut blieben die Hausherren über Außen extrem anfällig. Das nutzen die Münchener eiskalt aus.

Coman hatte genug Zeit zum Flanken und fand kurz vor dem Fünfmeterraum mit Tolisso einen dankbaren Abnehmer. Trotz Bedrängnis hatte er keine Probleme einzuköpfen - 0:1 (25.).

Vladimir Darida vergibt Chance zum Anschlusstreffer für Hertha BSC

Herthas Keeper Alexander Schwolow hatte erwartungsgemäß viel zu tun.
Herthas Keeper Alexander Schwolow hatte erwartungsgemäß viel zu tun.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Korkut-Elf hatte an dem Nackenschlag sichtlich zu knabbern, während der FCB einfach weitermachte. Gerade die Chipbälle hinter die Kette blieben brandgefährlich. Mit einer Glanzparade verhinderte Schwolow den nächsten Einschlag. Lewandowskis Direktabnahme kratze er gerade so aus dem Eck.

Bayern hatte alles komplett im Griff und konnte sich mal wieder auf die Standardschwäche der Blau-Weißen verlassen. Eine Verzögerung beim Freistoß reichte aus, um die komplette Abwehr auszuhebeln. Der völlig alleingelassene Müller musste am Ende nur noch den Fuß hinhalten und drückte die Kugel am chancenlosen Schwolow vorbei in die lange Ecke - 0:2 (45.).

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Die Münchener (16 Torschüsse in der 1. Halbzeit) schnürten Hertha weiter in deren Hälfe ein. Nur, weil sie ihre Chancen nicht nutzten, fiel der Rückstand nicht noch höher aus. Gnabry hätte nur noch einschieben müssen, doch ihm versprang aber die Pille (48.).

Auf der anderen Seite war es Vladimir Darida, der auch aufseiten der Gastgeber eine Hundertprozentige liegen ließ. Nach einer flachen Hereingabe von Maximilian Mittelstädt rutschte der Tscheche heran, jagte die Kugel aber neben den Kasten (52.). Das hätte der Anschlusstreffer sein müssen!

FC Bayern München bleibt auf Meisterkurs: Hertha BSC steckt weiter tief im Abstiegskampf

Niklas Süle (vorne) klärt vor Lucas Tousart.
Niklas Süle (vorne) klärt vor Lucas Tousart.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Es blieb aber dabei: Bayern hätte hier viel höher führen müssen, vergab die Chancen aber beinah schon leichtfertig. So brauchten sie die tatkräftige Unterstützung von Schwolow. Sein Pass im Strafraum auf Gechter geriet viel zu kurz. Sané sprintete dazwischen und haute den Ball ins Netz - 0:3 (75.). Was für ein Patzer!

Spätestens jetzt war der Widerstand gebrochen. Vier Zeigerumdrehungen später war der Rekordmeister erneut zur Stelle. Frei vor Schwolow ließ sich Gnabry in halbrechter Position die Chance nicht nehmen und schoss in die lange Ecke ein - 0:4 (79.).

Immerhin: Der Haupstadtklub gab sich nicht geschlagen. Jovetic scheiterte zunächst noch an Manuel Neuer, doch Joker Ekkelenkamp hatte den richtigen Riecher und lupfte den Abpraller nur 20 Sekunden nach seiner Einwechslung über den Keeper ins Tor - 1:4 (80.).

Für mehr reichte es aber nicht. Hertha bleibt damit im neuen Jahr sieglos, während Bayern weiter klar auf Meisterkurs ist und die Abstiegssorgen der Berliner weiter verschärft.

Nach der Länderspielpause eröffnet Hertha BSC am 4. Februar den 21. Spieltag mit dem Duell gegen den VfL Bochum (20.30 Uhr/DAZN). Bayern München ist erst am Samstag im Top-Spiel gegen RB Leipzig (18.30 Uhr/Sky) gefordert.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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