Hertha BSC: Das muss unter Dardai jetzt besser werden

Berlin - Die Hoffnung ruht auf einem Ex-Trainer: Pal Dardai (44) soll Hertha BSC zum Klassenerhalt führen - wie schon vor fast sechs Jahren. Als Trainernovize hatte das Hertha-Urgestein die Berliner auf Platz 17 übernommen und auf den 15. Tabellenplatz geführt.

Trainer Pal Dardai (44) leitet die Spieler von Hertha BSC an bei seinem ersten offiziellen Training.
Trainer Pal Dardai (44) leitet die Spieler von Hertha BSC an bei seinem ersten offiziellen Training.  © Andreas Gebert/dpa

Weil die Alte Dame raus aus dem Mittelfeld wollte, musste der Ungar nach viereinhalb Jahren gehen. Knapp eineinhalb Jahre, vier Trainer und über 120 Millionen Transferausgaben später, steht der Hauptstadt-Klub wieder da, wo der 44-Jährige ihn einst übernommen hatte: mitten im Abstiegskampf!

Auch wenn die Blau-Weißen weiterhin noch einen Puffer auf die Abstiegszonen haben und auch individuell besser besetzt sind, ist sich Dardai der Schwere der Aufgabe bewusst. Er bezeichnet sie sogar "einen Ticker schwieriger" als noch 2015.

Auf den Retter wartet noch viel Arbeit. TAG24 zeigt, was schnellstens besser werden muss.

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Ein Team formen

Das Problem zieht sich schon durch die gesamte Saison. Hertha hat zwar tolle Einzelkönner, aber keine Mannschaft. Der Mangel an Führungsspielern ist offensichtlich. Es gibt kaum einen Leader, an denen sich der junge und talentierte Kader orientieren kann, wenn es mal nicht so läuft. Viel zu häufig ließen die Blau-Weißen nach Rückschlägen die Köpfe hängen.

Den schlechten Ruf, den sich die Berliner zuletzt erarbeitet haben, konnte Herthas Rekordspieler aber nicht bestätigen. "Ich habe wirklich nicht geschlafen und gedacht: Man, ich komme hier rein, hier sind 20 Alligatoren, und sie werden mich wahrscheinlich auffressen, weil sie ein paar Trainer aufgefressen haben. Aber es ist komplett anders", so Dardai.

Hertha BSC kassiert zu viele und einfache Tore

Bruno Labbadia (54) hatte zuletzt viel versucht. Die Wende gelang ihm aber nicht mehr.
Bruno Labbadia (54) hatte zuletzt viel versucht. Die Wende gelang ihm aber nicht mehr.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Das richtige System

Bruno Labbadia (54) hatte zuletzt viel probiert: Der erfahrene Bundesligatrainer ließ die Berliner meist im 4-3-3 agieren, aufgrund des Engpasses auf dem Flügel aber auch im 4-4-2 mit Dodi Lukebakio (23) als Spielmacher. Das große Problem blieb aber weiterhin, dass er nie eine Achse gefunden hat.

Krzysztof Piatek (25) pendelt zwischen Bank und Startelf, Jhon Cordoba (27) fiel zwischenzeitlich sechs Wochen aus, Rekord-Einkauf Lucas Tousart (23) hat noch Anpassungsschwierigkeiten und Niklas Stark (25), der als Stabilisator vor der Abwehr überzeugte, musste Abwehrchef Dedryck Boyata (30) ersetzen.

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Dardai muss nun das System finden, in dem sich die Mannschaft am wohlsten fühlt. Gut möglich, dass die Alte Dame unter dem 44-Jährigen zu seinem favorisierten 4-5-1 zurückkehren. Mit Vladimir Darida (30), Marvin Plattenhardt (29), Maximilian Mittelstädt (23). Peter Pekarik (34) oder Jordan Torunarigha (23) sind noch genügend Spieler vorhanden, die den Ex-Trainer noch bestens kennen.

Abwehr stabilisieren

Die Null muss stehen! 32 Gegentore nach 18 Spielen sind definitiv zu viel. Nur der 1. FSV Mainz 05 (38) und der FC Schalke 04 (48) sind noch schlechter. Allein in den letzten beiden Heimspielen gegen die TSG 1899 Hoffenheim (0:3) und den SV Werder Bremen (1:4) kassierte der Hauptstadt-Klub sieben Tore. Der unnötig verursachte Elfmeter von Mittelstädt ist fast schon bezeichnend. Immer wieder bringt sich Hertha durch Unkonzentriertheit oder individuelle Patzer um wichtige Punkte.

Hertha BSC ist bei Standards viel zu harmlos

Matheus Cunha trauert dem vergebenen Elfmeter gegen Werder Bremen nach.
Matheus Cunha trauert dem vergebenen Elfmeter gegen Werder Bremen nach.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

"Mein Problem ist, es gibt keine sechs Wochen Vorbereitung", sagte Dardai, der weiß, dass sich die Probleme nicht von heute auf morgen beheben lassen. "Ich bin kein Zauberer."

Standardschwäche

Hinten anfällig und vorn viel zu harmlos: Hertha hat in der gesamten Saison weder einen direkten Freistoß verwandeln können, noch waren sie nach einem Eckball erfolgreich.

Anders die Gegner: Werder war mit der ersten und einzigen Ecke prompt erfolgreich. Das entscheidende Tor bei der Niederlage bei Arminia Bielefeld (0:1) resultierte gar aus einem Einwurf.

Hoffnung gibt es durch Co-Trainer Admir Hamzagic (35). Der 35-Jährige gehörte schon unter Dardais erstem Engagement zum Trainerstab und gilt als Standardspezialist.

Bessere Chancenverwertung

Die am Ende zu deutliche Niederlage gegen Bremen war fast schon eine Kopie der Partie gegen Hoffenheim. Selbst beste Chancen blieben ungenutzt. Sogar vom Punkt zeigten die Berliner Nerven. Gegen Hoffenheim vergab erst Piatek, gegen Werder dann Matheus Cunha, der dann auch noch den mitgelaufenen Piatek ignorierte und lieber selbst abschloss.

Neben der mangelnden Kaltschnäuzigkeit kommt auch noch Pech hinzu. Statt in Führung zu gehen bzw. ausgleichen zu können, war in den letzten beiden Partien der erste Torschuss des Gegners gleich drin.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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