"Mussten echt leiden": Geister-Meister Hertha träumt plötzlich von Europa

Berlin - Hertha kann auch Arbeitssieg! Unter Nouri noch als wackliger Abstiegskandidat, gelingt den Berlinern mit Bruno Labbadia an der Seitenlinie scheinbar alles. Auch im vierten Spiel nach der Corona-Pause bleibt die Alte Dame mit dem 2:0 über den FC Augsburg ungeschlagen - wenn auch mit viel Zittern.

Vladimir Darida jubelt mit Krzysztof Piatek über seinen Treffer zum 2:0.
Vladimir Darida jubelt mit Krzysztof Piatek über seinen Treffer zum 2:0.  © Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa

Die Fernseh-Zuschauer sahen zwei unterschiedliche Halbzeiten. Hatten die Gastgeber vor allem in der ersten Hälfte die abstiegsbedrohten Augsburger im Griff, spielten im zweiten Durchgang nur noch die Gäste. 

Hertha bettelte förmlich um den Ausgleich und hatte Glück, dass die Mannschaft von Heiko Herrlich ihre vier großen Chancen nicht nutzen konnte.

"In der zweiten Halbzeit sind wir nicht mehr richtig rausgekommen. Wir wussten, dass es ein hartes Spiel wird, aber wir können nicht nur mit diesem Spiel, sondern mit den letzten Wochen zufrieden sein", erklärte Maximilan Mittelstädt nach dem Spiel bei Sky.

Der Hauptstadt-Klub wird mehr und mehr zum Geister-Meister. Unter Bruno Labbadia gelingt bereits der dritte Sieg im vierten Spiel. "Wir setzen die Ideen von Labbadia sehr gut um. Wir sind ein Team geworden und arbeiten als Team zusammen."  

Dabei musste der Hertha-Coach auf seinen besten Spieler der letzten Wochen verzichten: Matheus Cunha fehlte, wie auch Plattenhardt aufgrund einer leichten Gehirnerschütterung. 

Labbadia bewies jedoch das richtige Händchen. Dilrosun ersetzte den Brasilianer und wurde prompt zum Matchwinner. Nach einem Abpraller von Augsburgs Torwart Andreas Luthe landete der Ball beim Holländer. Statt draufzuhauen, spitzelte er das Spielgerät technisch sehenswert an Gegenspieler Uduokhai vorbei und vollendete zum 1:0 (23. Minute). 

Hertha BSC feiert dritten Sieg im vierten Spiel nach der Corona-Pause

Bruno Labbadia bleibt auch im vierten Spiel als Hertha-Trainer ungeschlagen.
Bruno Labbadia bleibt auch im vierten Spiel als Hertha-Trainer ungeschlagen.  © Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa

Das vierte Saisontor des Flügelflitzers, der sonst besonders gern im Februar trifft und zuletzt beim 3:3 in Düsseldorf in der Startelf stand. 

In der Folge ließen die Berliner Gegner und Ball laufen, verpassten es aber noch vor der Pause auf 2:0 zu stellen. Ibisevicvergab gleich drei gute Gelegenheiten, als der Bosnier erst den Ball nicht richtig traf, später an Luthe scheiterte und einen Kopfball nicht richtig platzieren konnte.

So aber kam Augsburg mit viel Schwung aus der Pause. Jarstein ließ eine Hereingabe erst in die Mitte abprallen, verhinderte dann aber mit einem tollen Reflex den Ausgleich. Niederlechner, Teigl und Richter, der nur die Latte traf, vergaben die nächsten Hochkaräter.

Hertha war die Müdigkeit im zweiten Durchgang anzumerken. Die Berliner brachen nach der Pause komplett ein. Nach vorne ging fast gar nix mehr. 

"Alles in allem sind wir unfassbar glücklich", sagte Labbadia, aber "wir mussten echt leiden". Die Halbzeit habe ihnen nicht gut getan, "was ich vermutet hatte. Der Tank war komplett leer."

Dank Joker Krzysztof Piatek und Javairo Dilrosun konnten sich die Blau-Weißen am Ende über einen glücklichen Arbeitssieg freuen. Der Winter-Neuzugang schloss einem Konter über Darida eiskalt ab. Sein erstes Tor aus dem Spiel heraus. 

Mit der Entscheidung sorgte der Pole nicht nur für freudige Gesichter auf der Hertha-Bank, sondern auch für Planungssicherheit. Der Hauptstadt-Klub wird mit 37 Punkten wohl nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Angesichts von nur vier Punkten Rückstand ist nun sogar Europa in Reichweite.

"Wir können jetzt in Ruhe weiterarbeiten und müssen uns nicht mehr den großen Druck machen. Bei fünf Spielen ist noch einiges möglich", so Mittelstädt am Sky-Mikrofon. "Wir müssen das Spiel jetzt erstmal analysieren, dann wartet Dortmund auf uns. Dort können wir befreit aufspielen und schauen, was geht."

Titelfoto: Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa

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