Hertha BSC: Fliegt Labbadia, wackelt auch Preetz gewaltig!

Berlin - Nur 17 Punkte aus 17 Spielen, nur ein Sieg aus den letzten sieben Spielen, seit drei Spielen kein Tor geschossen und nun schon die fünfte Heimniederlage: Die Krise von Hertha BSC wird immer schlimmer. Statt oben anzugreifen, stecken die Berliner erneut im Abstiegskampf. Von Europa spricht in Charlottenburg schon längst keiner mehr.

Der Druck auf Michael Preetz (r.) und Bruno Labbadia wächst.
Der Druck auf Michael Preetz (r.) und Bruno Labbadia wächst.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB, Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst (44) und der Chaos-Saison mit insgesamt vier Trainern scheint der Hauptstadt-Klub, trotz Transferausgaben von über 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr auch diese Spielzeit in den Sand zu stecken.

Die geforderte Aufholjagd im Januar blieb aus. Stattdessen endet die Hinrunde mit der nächsten Enttäuschung. "Wir haben ein Spiel verloren haben, das wir nicht verlieren können und nicht verlieren dürfen. Trotzdem haben wir es verloren", hadert Bruno Labbadia (54) mit dem 0:3 gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Die am Ende deutliche Niederlage war fast schon bezeichnend für die gesamte Hinrunde. Hertha war eigentlich die bessere Mannschaft, konnte aber selbst einen Elfmeter nicht nutzen. Stattdessen ging Hoffenheim mit dem ersten Torschuss der Gäste in Führung und die Köpfe aufseiten der Berliner runter. Spätestens mit dem 0:2 war das Aufbäumen der Alten Dame beendet.

"Wir haben in der ersten Halbzeit bis auf wenige Ausnahmen ein sehr gutes Spiel geliefert, aber das juckt ja keinen. Wir haben 3:0 verloren, das sieht shit aus. Deswegen müssen wir uns der Kritik stellen", sagte Labbadia.

Der 54-Jährige hatte die Alte Dame erst während der Corona-Pause übernommen und souverän zum Klassenerhalt geführt. Weiterentwickelt hat der erfahrenen Bundesliga-Trainer die Mannschaft aber nicht. Sie sind wieder da, wo er sie einst übernommen hat - im Abstiegskampf.

Hertha BSC zurück im Abstiegskampf

Herthas Krzysztof Piatek hadert nach dem verschossenen Elfmeter.
Herthas Krzysztof Piatek hadert nach dem verschossenen Elfmeter.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Dass die Zeit in Berlin, die mit einem 3:0 in Sinsheim begann, nun mit einem 0:3 gegen Hoffenheim endet, darf stark bezweifelt werden. Labbadia, der mit einem Punkteschnitt von 1,11 einen schlechteren Wert als seine Vorgänger Ante Covic (45), Jürgen Klinsmann (56) und Alexander Nouri (41) hat, wird auch gegen den SV Werder Bremen auf der Bank sitzen.

Eine weitere Niederlage dürfte sich der ehemalige Wolfsburg-Coach aber nicht erlauben. In Berlin wird längst heftig über seinen Nachfolger spekuliert.

Schuld für die Misere ist nach Meinung der Fans aber nicht nur der Trainer. Ihr Frust entlädt sich an einer Personalie: Manager Michael Preetz (53).

Die Mannschaft ist zwar teuer und an guten Tagen hochtalentiert, wurde aber völlig falsch zusammengestellt. Der Mangel an Führungsspieler ist offensichtlich.

Bei Rückschlägen übernimmt kaum einer Verantwortung und gibt die Richtung vor. Kurz gesagt: Hertha hat zwar einen Millionenschweren Kader, aber keine funktionierende Mannschaft!

Druck auf Michael Preetz wächst

Manager Michael Preetz verfolgt das Spiel gegen die TSG Hoffenheim von der Bank aus.
Manager Michael Preetz verfolgt das Spiel gegen die TSG Hoffenheim von der Bank aus.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Erst kürzlich hatte Preetz seinem Trainer in der Sport Bild das Vertrauen ausgesprochen. Dass es mit Labbadia wieder aufwärts geht, dürfte auch in seinem Interesse sein.

Schließlich gilt der Darmstädter als Preetz Wunschlösung. Bewies Hertha bis auf diese Saison vor allem bei Transfers ein gutes Näschen, ist der Trainerverschleiß unter seiner Führung groß. Nach der Entlassung von Lucien Favre (63) folgten insgesamt 13 Übungsleiter (inklusive Interimstrainer).

Hatte Klinsmann, der nach seinem Aus in seinem viel zitierten Tagebuch die Führungsebene bei Hertha und vor allem Preetz scharf angegriffen hatte, am Ende doch Recht?

Unter anderem forderte der Wahl-Kalifornier, dass die Geschäftsführung sofort komplett ausgetauscht werden sollte. "Sollte dies nicht passieren, werden auch die tollen Neuzugänge nach einer gewissen Zeit zu Durchschnittsspielern, weil es die Grundregel im Fußball gibt: Du bist nur so gut wie dein Umfeld. Die Spieler passen sich dem Niveau des Klubs an – nicht umgekehrt", heißt es in dem Tagebuch.

Sollten die Berliner gegen Angstgegner Bremen am Samstagabend die nächste Niederlage kassieren und vorzeitig die Reißleine ziehen, dürfte es auch für Michael Preetz immer dünner werden, zumal der 53-Jährige mit CEO Carsten Schmidt einen neuen Chef hat.

Wie schlecht die Stimmung in der Hauptstadt ist, zeigt allein die Tatsache, dass Hertha-Fans vor dem Bremen-Spiel eine Demonstration gegen den langjährigen Manager angemeldet haben. Sie fordern die Absetzung des Managers. Auch eine Online-Petition ist bereits ins Leben gerufen worden. Der Druck auf Preetz wächst. Was da hilft, sind endlich drei Punkte - am besten schon gegen Werder!

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB, Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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