Hertha BSC: Siegen oder Fliegen! Endspiel für Bruno Labbadia?

Berlin - Die im Januar geforderte Aufholjagd von Hertha BSC endete, bevor sie richtig angefangen hatte. Dachte man nach dem 3:0 gegen den FC Schalke 04 noch, dass die Berliner jetzt endlich durchstarten würden, folgte der nächste Rückschlag. Aus den letzten drei Spielen gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld (0:1), dem abstiegsbedrohten 1. FC Köln (0:0) und der ebenfalls schwächelnden TSG 1899 Hoffenheim (0:3) holte die Alte Dame nur einen Punkt.

Bruno Labbadia steht gegen Werder Bremen gewaltig unter Druck.
Bruno Labbadia steht gegen Werder Bremen gewaltig unter Druck.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Schlimmer noch: Hertha wartet seit 280 Minuten auf einen Treffer. Selbst das Minimalziel von 20 Punkten aus der Hinrunde wurde verfehlt. Mit nur 17 Zählern und zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, stecken die Blau-Weißen wieder im Abstiegskampf.

Verliert der ambitionierte Hauptstadt-Klub auch am Samstagabend gegen den SV Werder Bremen (18.30 Uhr/Sky), dürfte Bruno Labbadia (54) kaum zu halten sein. "Wir können alle die Tabelle lesen und wissen, dass wir aufgrund der Ergebnisse immer mehr unter Druck sind. Das ist normal", sagte Labbadia.

Der 54-Jährige hatte die Berliner nach der Corona-Unterbrechung souverän zum Klassenerhalt geführt, konnte die Mannschaft aber nicht entschieden weiterentwickeln, auch weil sich der Transfermarkt als schwieriger als gedacht, herausgestellt hat.

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Der Mangel an Führungsspielern ist offensichtlich. Zu schwankend sind die eigenen Leistungen, zu harmlos sind die Standards und viel zu häufig gehen bei Widerständen die Köpfe runter.

"Wir liegen ein Stück am Boden momentan", so der Übungsleiter. "Die Frage ist, will man da liegen bleiben? Davon war ich noch nie ein Freund. Ich gehe nicht mit der Angst rein, sondern mit der Überzeugung, dass wir wissen, was wir tun."

Druck auf Michael Preetz wächst

Für Michael Preetz könnte es ungemütlich werden. Die Kritik am Manager nimmt zu.
Für Michael Preetz könnte es ungemütlich werden. Die Kritik am Manager nimmt zu.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Seine Mannschaft hat schon in Ansätzen gezeigt, wozu sie in der Lage sind. Gerät sie aber in Rückstand oder läuft etwas schief, wie der verschossene Elfmeter von Krzysztof Piatek (25) gegen Hoffenheim, verliert Hertha den Faden.

"Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln, sich gegen Widerstände zu wehren und nicht mit einer Angst reinzugehen", will der Hertha-Coach die Wende schaffen.

Mit einem mageren Punkteschnitt von nur 1,15 gehen dem Darmstädter aber langsam die Argumente aus. Sogar seine drei Vorgänger Ante Covic (45), Jürgen Klinsmann (56) und Alexander Nouri (41) haben im Schnitt mehr Punkte geholt als Labbadia.

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Seine Personalie hängt ohnehin eng mit der von Michael Preetz (53) zusammen. Zuletzt stand der 53-Jährige derart unter Druck, als die Berliner 2012 zum zweiten Mal in seinen drei Jahren als Hertha-Manager abstiegen. Fliegt Labbadia, könnte auch für den Geschäftsführer Sport die Zeit in Berlin enden.

In den sozialen Medien ist Herthas Rekordtorjäger schon seit Wochen der Schuldige für die Misere. Knapp drei Stunden vor Anpfiff ist vor dem Olympiastadion gar eine Fan-Demo, die den Rauswurf der Führungsebene fordert, angemeldet. Der Großteil der Fanszene hat sich allerdings von der Demonstration distanziert. "Wer in der Verantwortung steht, muss sich auch Kritik stellen", so Preetz.

Angeblich sollen die Berliner bereits Ralf Rangnick (62) kontaktiert haben. Der 62-Jährige hat schon bei RB Leipzig und der TSG Hoffenheim bewiesen, dass er ein Spitzenteam formen kann. Preetz kommentierte die Gerüchte, wie viel denn nun dran sei mit einem kurzen: "Gar nichts".

Vermutlich ist er aber auch der falsche Ansprechpartner, schließlich könnte Rangnick nicht nur Labbadia, sondern auch Preetz ersetzen.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

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