Hertha in Abstiegsnot: Das sind Dardais größte Baustellen

Berlin - Auch wenn sie bei Hertha BSC nach wie vor Optimismus verbreiten: Die Lage wird immer brenzliger. Das 0:3 gegen RB Leipzig ist schon das achte sieglose Spiel in Folge. Der Hauptstadt-Klub steht nur aufgrund des besseren Torverhältnisses überm Strich.

Matteo Guendouzi (vorne) lässt sich im Strafraum von Leipzigs Tyler Adams den Ball abjagen.
Matteo Guendouzi (vorne) lässt sich im Strafraum von Leipzigs Tyler Adams den Ball abjagen.  © Annegret Hilse/Pool via REUTERS/dpa

Die Berliner haben sich unter Pal Dardai (44) gefangen. Es ist wieder eine Einheit auf dem Platz, was fehlt, sind aber die Punkte. Der neue und alte Hertha-Coach wartet seit seiner Rückkehr noch auf den ersten Sieg.

Der Ungar spürt zwar weiterhin keine Panik, doch damit die Alte Dame nicht neun Jahre nach dem letzten Abstieg erneut den Gang in Liga zwei antreten muss, wartet noch viel Arbeit.

Sturm-Misere

Hertha hat ein Sturm-Problem! Nur drei Tore aus den letzten acht Spielen sind viel zu wenig. Bislang war immer auf Topscorer Matheus Cunha (sechs Tore, fünf Vorlagen) Verlass, doch der Brasilianer ist nun schon seit 978 Bundesliga-Minuten ohne eigenen Treffer. Da kommt die Rückkehr von Jhon Cordoba (27) gerade recht.

Der Kolumbianer hat unter Dardai noch gar nicht gespielt und könnte mit seiner körperlichen Präsenz der Berliner Offensive die letzte nötige Wucht verleihen. Dardai mahnte zwar an, die Sturmkante nach dem Muskelfaserriss nicht gleich kaputt zu machen, fügte aber auch an: "Er wird fit sein, in Wolfsburg können wir mit ihm von Anfang an planen."

Hertha BSC muss auch mal unerwartete Punkte holen

Pal Dardai wartet seit seiner Rückkehr als Trainer von Hertha BSC noch auf den ersten Sieg.
Pal Dardai wartet seit seiner Rückkehr als Trainer von Hertha BSC noch auf den ersten Sieg.  © Tom Weller/dpa

Kein Sieg gegen einen Top-Klub

Der schon abgeschriebene 1. FSV Mainz 05 mischt im Kampf um den Klassenerhalt wieder kräftig mit - weil die Mainzer plötzlich auch gegen die Großen punkten. Nach dem Sieg über RB Leipzig (3:2) und der Aufholjagd bei Bayer 04 Leverkusen (2:2), konnten die Rheinhessen mit dem späten 2:1 bei Borussia Mönchengladbach den nächsten Top-Klub schlagen.

Dem Hauptstadt-Klub hingegen fehlen womöglich in der Endabrechnung eben jene überraschenden Siege. Auch gegen RB waren die Blau-Weißen keineswegs chancenlos, standen am Ende aber erneut mit leeren Händen da. "Die Mannschaft war gegen Leipzig diszipliniert und taktisch gut. Das Quäntchen Glück hat gefehlt, das muss sich irgendwann drehen", so Dardai.

Am Samstag bietet sich bereits die nächste Gelegenheit: Die Berliner müssen zum derzeitigen Tabellendritten VfL Wolfsburg. Auch danach wird das Programm nicht unbedingt leichter. Es folgen: FC Augsburg, Borussia Dortmund, Leverkusen und das Stadtderby gegen den 1. FC Union Berlin.

Pal Dardai sucht noch nach einer Achse

Sami Khedira (l.) im Zweikampf mit Amadou Haidara. Herthas Winter-Neuzugang stand gegen RB Leipzig erstmals in der Startelf.
Sami Khedira (l.) im Zweikampf mit Amadou Haidara. Herthas Winter-Neuzugang stand gegen RB Leipzig erstmals in der Startelf.  © Annegret Hilse/Pool via REUTERS/dpa

Standardschwäche

Hinten anfällig und vorne harmlos: Das 0:3 durch Willi Orban (28) war schon das 18. Gegentor nach einer Standardsituation. Nur der FC Schalke 04 hat noch mehr (21). Eigene aussichtsreiche Freistöße oder Ecken sind für die Gegner meist kein Problem. Die Berliner haben erst zweimal nach einer Freistoß-Hereingabe getroffen. Nach einer Ecke waren sie in dieser Spielzeit noch gar nicht erfolgreich. 100 Versuche brachten nichts ein.

Keine Achse

Gegen die Sachsen überraschte Dardai schon mit der Aufstellung. Erstmals agierten die Berliner mit einer Dreier- bzw. Fünferkette, in der sein Sohn Marton Dardai (19) den oftmals mit dem Hang zum Risiko spielenden Omar Alderete (24) ersetzte.

An der Abwehr lag die erneute Pleite gegen die Sachsen nicht, dennoch sucht der Trainer noch nach seiner Idealformation: "Das Ziel ist es, eine Achse zu bilden. Dann wachsen Führungsspieler heraus, die du weiterentwickeln kannst. Aber das geht nicht innerhalb von drei Wochen, ich mache nicht 'Simsalabim' und wir haben eine Top-Mannschaft."

Hoffnung macht das Startelf-Debüt von Sami Khedira (33). Wie schon bei seiner Einwechslung in Stuttgart (1:1) verlieh der ehemalige Juve-Star dem Berliner Spiel die nötige Ruhe und Struktur.

Titelfoto: Annegret Hilse/Pool via REUTERS/dpa, Tom Weller/dpa

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